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10/08/2015 06:34 CEST | Aktualisiert 10/08/2016 07:12 CEST

Wahlkampf, Geld und Aufmerksamkeit: Vorwahlen in den USA

MANDEL NGAN via Getty Images

Der Wahlkampf von Donald Trump hat eine klärende Seite für die Debatte über Politik in den USA.

Mit dem dreistelligen Millioneneinkommen von Bill und Hillary Clinton und dem zweistelligen Millionenbetrag, den Jeb Bush in den letzten Jahren verzeichnen konnte, den Milliarden, die am Ende des Wahlkampfs an Spenden bei beiden Parteien eingegangen sein werden oder dem 898 Millionen Dollar, die eine Gruppe um die Koch-Brüder aufbringen möchte befassen sich die Beobachter, aber Trump gibt dem Ganzen die Interpretation: Da kaufen sich die Reichen Politiker.

An Hillary Clinton, die er zu seiner dritten Hochzeit naja, nicht eingeladen, sondern gerufen hat, machte er das deutlich. Ob das in dem Fall stimmt, ist bisher ungeklärt.

Die reichen Leute

Man wird an Upton Sinclair erinnert. Dieser schrieb in „So macht man Dollars" als eine Lebensweisheit für Emporkömmlinge: „Die reichen Leute haben alles, sie beherrschen sämtliche Tore zum Erfolg, sie streuen, während sie durchs Leben schreiten, mit beiden Händen reichliche Gaben aus.

Der Weg zum Glück: Halte dich in ihrer Nähe, lenke ihre Aufmerksamkeit auf dich, überzeuge sie von deiner Fähigkeit, ihnen ganz besonders nützlich zu sein." (S.56) Was Upton Sinclair in sozialkritischer Absicht schrieb, formuliert Donald Trump als Zustandsbeschreibung der amerikanischen Politik. Das ist ein seriöser Punkt hinter seiner erratischen Kampagne. Und damit trifft er einen Nerv der Unzufriedenheit in den USA.

Dass die US-Bürger kein Vertrauen in ihre politischen Institutionen haben, führte in der jüngsten Vergangenheit nicht dazu, eine andere Partei als Demokraten und Republikaner zu wählen. Versuche, etwa von Lawrence Lessig, der Korrumpierung von Politik durch Geld eine politische Antwort zu geben, scheiterten. Ein populistischer Aufgriff dieser Lage, wäre dem politischen System der USA aber nicht ganz fremd.

Das Geld der reichen Leute

Lessig hatte detailliert beschrieben, wie die Abhängigkeit der Abgeordneten in Washington von privaten Geldgebern einen Prozess der Geldnachfrage und des Geldangebots in Gang setzt, dem sich die Einzelnen nicht entziehen können. (Republic, Lost. How Money Corrupts Congress - and a Plan to Stop It, heißt das Werk.)

Die enormen Beträge, die Abgeordnete kontinuierlich für Kampagnen brauchen - das Repräsentantenhaus wird alle zwei Jahre gewählt - und die rasant gestiegenen Kosten für professionelle Beratung und PR, zwingen Politiker in diesen Teufelskreis, in dem sie ständig dafür sorgen müssen, dass die Kassen gut gefüllt sind. Zwischen 30 und 70 Prozent ihrer Zeit verbringen sie damit, Geld zu sammeln (S. 138). Am Ende des Wahlkampfes 2016 werden insgesamt über 3 Milliarden Dollar für den Wahlkampf aufgebracht worden sein.

Donald Trump: "Der reiche Mann"

Donald Trump erklärt das nicht, sondern packt das in die einfachste Losung. „Ich habe viel Geld ... und ich werde gewinnen." Dass nur er, der unabhängig von diesem Geldprozess sei, das System reformieren könnte, steht als ein Orientierungspunkt hinter den Themen, die er setzt: Einwanderung, Handelsverträge, Jobs und Wachstum. Die eine Seite ist, wie er dies kommuniziert: Unter dem Niveau einer trashigen Vorabendserie.

Die andere Seite ist, dass ihn das aus dem gesamten Bewerberfeld (plus die Demokraten) heraushebt. Wenn er beabsichtigt, diese Botschaft über Monate durchzuhalten, und dies als sein Alleinstellungsmerkmal - „über den Parteien" - populistisch herauszustellen, könnte dies als pfiffige Idee gelten.

Aufmerksamkeit gibt's derzeit umsonst

In der Auseinandersetzung mit seinem Chefstrategen Roger Stone (er sagt er sei es gewesen, Trump sagt, er sei es nie gewesen) darüber, wie sie sich nun just an dem Wochenende getrennt haben, an dem in Atlanta ein kleines, aber feines republikanischen Schaulaufen bei dem Propagandisten Erk Erickson stattfand, von dem Trump wegen einer unanständigen Bemerkung ausgeladen worden war, wurde diese Botschaft gerade von Stone präzise formuliert.

(Sein CNN-Interview plus Reaktionen auf seiner Seite.) Damit war auch die Aufmerksamkeit des Wochenendes auf Trump fokussiert. Wer nun wen gefeuert hat, und wie die Trump-Kampagne nun weitergeht hat die Reden in Atlanta überschattet.

Die übrigen Kandidaten konnten sich medial nicht durchsetzen. Einzig Jeb Bush gelang es, ein wenig angriffslustiger aufzutreten und deshalb wahrgenommen zu werden. Medienaufmerksamkeit ist neben Geld die zweite (davon aber meistens abhängige) Währung der amerikanischen Politik. Manchmal bekommt man sie umsonst (naja, das nicht: man muss was dafür bieten).

Hochtreiben und fallen lassen

Deshalb stellt sich die Frage, wer die 24 Millionen Zuschauer zur ersten republikanischen Diskussion angezogen hat. War es der Sender, FoxNews, der Trump in den letzten Wochen unterstützt und seiner Kampagne die Aufmerksamkeit und Sendezeit gegeben hat, die zum Erfolg beitrug? Oder war es Trump, dessen brachiale Popularität diese außergewöhnliche Einschaltquote erzielte?

Bei Fox gibt es Zwistigkeiten darüber, wie man mit Trump umgehen soll. Einerseits will insbesondere Rupert Murdoch, dem der Sender gehört, im Interesse des republikanischen Parteiestablishments Trump aus dem Wahlkampf drücken. Andererseits will die Sendeleitung (und wollen die Redakteure) die große Aufmerksamkeit für Einschaltquoten und damit für Profite nutzen. Ob Trumps Bemerkung über Megyn Kelly spontan oder geplant war, ob sie auf die Journalistin zielte oder über diese den Sender treffen sollte, ist nicht abschließend zu beantworten. Seine Bemerkung über John McCain wurde vom republikanischen Establishment heftigst kritisiert; in den Umfragen hat sie ihm nicht geschadet.

Die drei wichtigsten Dinge

Wie könne er in New York Geschäfte machen, ohne mit Demokraten gut auszukommen, ihnen Geld zu geben und die Gefälligkeiten dann einzufordern, bemerkte Trump. Damit beschreibt er eine wichtige Achse um die sich die amerikanische Politik dreht.

Mark Hanna, 1897 bis 1904 Senator aus Ohio und einer der Begründer des modernen Wahlkampfes fasste seine Analyse so zusammen: „Die drei wichtigsten Dinge in der amerikanischen Politik sind Geld, Geld - und das dritte habe ich vergessen." Eine mögliche Geschichte der Trump-Kampagne könnte lauten, dass nur Donald Trump das ändern kann, weil er - reich wie er ist - nicht käuflich ist. Ob das glaubwürdig ist? Mal sehen, ob es dafür gehalten wird.

Die Republikaner stehen jedenfalls vor einem gründlichen Dilemma, weil sie Trump zwar als republikanischen Kandidaten verhindern können (wenn sie es können), nicht aber einen populistisch agierenden dritten Kandidaten.

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