BLOG
10/09/2015 11:40 CEST | Aktualisiert 10/09/2016 07:12 CEST

Aktien-Boom: Anleger müssen auf Mischung achten

Mohd Samsul Mohd Said

Es ist kaum zu überhören: Landauf, landab werben die Finanzexperten bei privaten Anlegern lautstark für den Einstieg in Aktien. Und sie haben gute Argumente: Die Dividendenausschüttungen sorgen für regelmäßigen Ertrag, die Beteiligung am Produktivkapital verspricht - über die Kursentwicklung der Wertpapiere - die Partizipation am Wirtschaftswachstum, und der Aktienmarkt entwickelt sich, angesichts anhaltend niedriger Zinsen, ohnehin prächtig.

„Gemach, gemach!", möchte ich ausrufen. So schwarz-weiß ist die Welt der Kapitalanlage doch gar nicht. Ja, auch ich bin für ein Investment in Aktien und möchte deren Vorzüge im aktuellen Umfeld nicht bestreiten. Private Anleger sollten Aktien besitzen. Aber doch nicht 100 Prozent ihres Anlagevermögens.

Ein Depot ohne substanziellen Anteil von Anleihen halte ich für brandgefährlich - weil instabil. Es darf nicht vergessen werden, wie stark Aktienkurse schwanken und wie heftig die Märkte auf schlechte Nachrichten oder politische Entwicklungen reagieren. Und auch die Dividendenzahlungen, so schön es klingen mag, sind kein echter Zinsersatz.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Dividenden sind wichtig. Aber Vorsicht: Es reicht ein schlechter Börsentag und der Renditevorsprung, den Dividendenpapiere gegenüber Bundesanleihen bringen, hat sich auf Grund von Kursverlusten in Luft aufgelöst. Und Ausschüttungen sind nicht in Stein gemeißelt, sondern können gekürzt oder gar ganz gestrichen werden.

Denken Sie „und" - nicht „oder"

Trotz aller Vorzüge von Aktien benötigen Anleger gerade in den aktuell turbulenten Zeiten mehr denn je einen Stabilisator im Depot. Und genau das leisten Zinspapiere. Meine Überzeugung ist: Anleger sollten ihre Kapital breit streuen, über mehrere Anlageklassen hinweg.

So können sie stabile Erträge auch in unsicheren Zeiten erwirtschaften. Dabei muss es nicht unbedingt die zehnjährige Bundesanleihe sein, die aktuell tatsächlich nur rund 0,69 Prozent Zinsertrag pro Jahr abwirft.

Stattdessen sollten Anleger über den Tellerrand hinausblicken und sich nach Alternativen im Zinsbereich umsehen. Denn die gibt es. So kann sich ein genauerer Blick auf Unternehmensanleihen, Hochzinstitel, Emerging-Market-Bonds, inflationsindexierte Zinspapiere, Wandelanleihen oder hybride Papieren wie Nachranganleihen lohnen. Denn sie versprechen ein Mehr an Rendite.

Freilich ist es nicht leicht, die richtigen Anleihesegmente und Einzeltitel zu finden. Entscheidend ist, die einzelnen Anleihearten und ihre Vor- und Nachteile sehr genau zu kennen und auch Einzeltitel gründlich zu analysieren.

Insbesondere eine genaue Bewertung der Bonität der Emittenten und die Wahl der richtigen Laufzeit sind, angesichts eines möglichen Zinsanstiegs, für eine Anlageentscheidung relevant. Aber auch ein mögliches Wechselkursrisiko bei Fremdwährungsanleihen sollten Anleger keinesfalls vernachlässigen.

Gut gestreut ist halb gewonnen

Allerdings erfordert die Entscheidung, auch andere Anleiheklassen abseits der üblichen Bundesanleihe im Portfolio zu berücksichtigen, ein Umdenken bei den Investoren. Schließlich sind Bundesanleihen in Sachen Sicherheit kaum zu toppen.

Wer aber im aktuellen Umfeld trotzdem einen angemessenen Zinsertrag erzielen will, muss mehr Risiko bei seinen Anlageentscheidungen akzeptieren. Wichtig ist es deshalb auch, ein breit gestreutes Anleiheportfolio mit Titeln aus unterschiedlichen Anleihesegmenten zusammenstellen.

Ich rate also zu Gelassenheit bei der Kapitalanlage, egal was derzeit propagiert wird. Bergen einzelne Papiere ein etwas höheres Risiko, kann dieses durch eine gute Durchmischung von verschiedenen Anlageklassen aufgefangen werden.

Experten gelingt auf diesem Weg sogar die Reduzierung des Gesamtrisikos im Depot. Und Anleger, die keine Lust oder Zeit haben sich damit auseinanderzusetzen, sollten eine professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

Sie garantiert ein risikooptimiertes Portfolio, abgestimmt auf die Bedürfnisse des Anlegers. Das gilt vor allem für die so genannten Honorarberater, die sich nicht durch Provisionen aus dem Verkauf von Produkten finanzieren, sondern durch das Honorar, das ihre Kunden ihnen zahlen. Unabhängiger kann Beratung nicht sein.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Frankreichs Finanzminister: "Wolfgang Schäuble irrt sich"

Hier leben die meisten Multi-Millionäre

Hier geht es zurück zur Startseite