BLOG
14/03/2016 12:50 CET | Aktualisiert 15/03/2017 06:12 CET

Zufrieden geschieden: So macht man das Beste aus einer Trennung

Maica via Getty Images

Zufriedenheit und Scheidung, das klingt erst einmal unvereinbar, oder? Schließlich stehen Trennung und Scheidung auf der Liste der stressreichsten Situationen im Leben von Menschen weit oben.

Dabei gibt es Paare, die sich keinen Rosenkrieg liefern, sondern es sogar schaffen, aus dem Eheaus gestärkt hervorzugehen und auch ihre Kinder nicht zu belasten. Wie machen solche Paare das bloß?

Jeder Mensch reagiert anders

Wir wissen, dass Menschen sehr unterschiedlich auf äußere Umstände reagieren. Was die einen zur Weißglut bringt oder in die Depression treibt, lässt andere relativ kalt. Und dann gibt es auch noch die, die sich aus den ausweglosesten Situationen am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen.

Kann man lernen, so ein Glückspilz zu werden? Oder liegt das an den Genen oder irgendwelchen Botenstoffen im Gehirn?

Bereits der Philosoph Epiktet stellte fest, dass es nicht die Dinge selbst seien, über die Menschen sich beunruhigen, sondern ihre Meinungen über die Dinge. Genauso sah es der Buddha vor rund 2500 Jahren. Er teilte Gedanken in solche ein, die Leiden hervorrufen und in andere, die Leiden beenden. Wir fühlen, wie wir denken. Wir handeln, wie wir denken.

Wenn wir uns unsere Gedanken bewusst machen, können wir schädliche Denkgewohnheiten unterbrechen und wohltuende Überzeugungen entwickeln. Diese Fähigkeit lässt sich lernen. Niemand kommt damit bereits auf die Welt.

Die ab 1955 in den USA entwickelte "Rational-Emotive Verhaltenstherapie" und die später entstandene kognitive Therapie haben die These, dass wir mit unseren Gedanken unsere Gefühle kreieren, weiter ausgebaut und die Wirksamkeit dieser Annahme vielfach empirisch bewiesen.

Viele dieser Methoden sind in Deutschland vergleichsweise unbekannt

Leider sind diese äußerst hilfreichen Methoden in Deutschland immer noch vergleichsweise unbekannt, obwohl sie sich unter anderem bei schweren Depressionen, Zwangsstörungen und Panikattacken bestens bewährt haben.

Wir müssen aber nicht ernstlich psychisch erkranken, um in den Genuss dieser Erkenntnisse zu kommen. Die beiden Methoden helfen ebenso zuverlässig bei den unvermeidlichen Problemen des Alltags, also auch bei einer Scheidung.

Was heißt das jetzt praktisch?

Nehmen wir die 52-Jährige Birgit, deren Ehemann gerade zu seiner Freundin gezogen ist. Birgit denkt: „Das war's dann wohl. Ich habe ja immer gewusst, dass ich nicht wirklich liebenswert bin. Mit dieser zehn Jahre jüngeren Modetussi kann ich eben nicht mithalten. Andreas steht auf so was. Dieses Scheusal. Was soll bloß aus mir werden? Der Lack ist ab. Meine Chancen sind gleich Null. Es ist alles so ungerecht!"

Birgits Gefühle schwanken zwischen Niedergeschlagenheit, Angst und Ärger.

Ganz anders ihre gleichaltrige Freundin Marina, deren Mann sich auch gerade wegen einer anderen Frau abgeseilt hat. Marina denkt: „Naja, gekriselt hat es zwischen Peter und mir schon länger. Irgendwie war die Luft bei uns raus. Nach zwanzig Jahren kann das schon mal passieren. Ob er mit der Neuen glücklich wird?

Die wird sich noch umgucken bei den ganzen Spleens, die er so an den Tag legt. Vielleicht will er bald zu mir zurück. Aber ob ich ihn wieder nehme, weiß ich noch nicht. Die Kinder sind erwachsen. Vielleicht ist es Zeit, etwas Neues zu beginnen. Da war doch gerade die Werbung für diesen Tango-Kurs. Das wollte ich immer schon machen. Ich ruf' da gleich mal an."

Andrea ist ein bisschen aufgeregt. Sie fühlt Neugierde und Vorfreude.

Ganz einfach ist es nicht, sich die eigenen Gedanken bewusst zu machen und so sich selbst auf die Schliche zu kommen. Besonders am Anfang braucht es eine Portion Achtsamkeit, um nicht zu glauben: „Ich habe überhaupt nichts gedacht, sondern war sofort traurig (oder wütend oder froh)."

Aber mit ein bisschen Übung kann die Bewusstmachung und Veränderung der eigenen Gedanken und Überzeugungen der Königsweg zum Glück werden.

Eine Scheidung ist kein Drama. Sie ist einfach eine Tatsache. Sie kommt in den besten Familien vor.

Nicht jede Ehe hält ein Leben lang. So ist das nun mal.

Wer sich vor allem darauf konzentriert, was an der Trennung schmerzlich und unangenehm ist, dem wird es schwer fallen, konstruktiv mit der Situation umzugehen. Wer sich in Grübelspiralen verliert, den Partner oder die Partnerin hasserfüllt verfolgt und sich eine schlechte Zukunft voraussagt, verschwendet eine Menge Energie auf etwas, das letztlich nicht zu ändern ist.

Wer dagegen nüchtern analysiert, welche praktischen Probleme zu lösen sind, sich daran erinnert, wie viele Schwierigkeiten man bereits erfolgreich gemeistert hat und optimistisch nach vorne schaut, dem wachsen Kräfte und Möglichkeiten zu.

Und das geht weit über die Bewältigung des Scheidungsverfahrens hinaus. Wer die Trennung dazu nutzt, innere Stärke aufzubauen, kann später sagen: Es war nicht immer leicht, aber meine Scheidung war der Beginn eines besseren Lebens!

Ein glückliches Leben nach der Scheidung ist keine Hexerei, sondern die Folge wohltuender Gedanken, bewährter lösungsorientierter Strategien, kluger Kommunikation und einer kräftigen Portion Selbstliebe.

All das schafft niemand von heute auf morgen. Es erfordert Know-how und Übung. Aber die gute Nachricht ist: Jede/r kann es lernen und es macht auf jeden Fall mehr Spaß, als in der Opferfalle zu versinken.

Der Auszug basiert auf dem Buch Zufrieden geschieden. So machen Sie das Beste aus Ihrer Trennung von Thomas Hohensee und Renate Georgy

2016-03-04-1457088569-2037623-CoverGlcklichgeschieden.jpg

Auch auf HuffPost:

So viel Sex braucht ihre Beziehung

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.