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04/03/2016 15:21 CET | Aktualisiert 05/03/2017 06:12 CET

Wenn Ihr Mitarbeiter sucht - verschickt Lutscher und Nagellack!

Dimitri Otis via Getty Images

Als Personaler und vor allem in der Blogger-Szene kommt man an dem Thema Recruiting nicht vorbei. Gefühlte 80% der Blogs beschäftigen sich mit dem Thema und einige davon lese ich auch sehr gerne und regelmäßig.

Ein wichtiger Bestandteil im derzeitigen Recruiting-Prozess ist das Personalmarketing und die Ausprägungen, die dieses Thema hervorbringt, sind meistens erheiternd, manchmal aber auch erschreckend. Mittlerweile scheint das Marketing für Bewerber wichtiger geworden zu sein als das Marketing für das Unternehmen oder seine Produkte und Dienstleistungen. Es gibt mittlerweile eine Heerschar an Agenturen nur für das Thema Personalmarketing und natürlich unzählige Studien und Berichte, die belegen, dass ohne ein gezieltes Personalmarketing kein einziger Mitarbeiter mehr zu finden ist.

Die Budgets in den Unternehmen werden immer höher und die Agenturen freuen sich. Ganz am Rande verstehe ich nicht so ganz, wie es unterschiedliche Strategien für das Produktmarketing und das Personalmarketing geben kann - spiegelt das Personal nicht die Produkte und umgekehrt wider? Ich kann doch nicht das Produkt als „erzkonservativ" verkaufen und das Unternehmen bzw. seine Mitarbeiter als „hipp" - oder eine seriöse, alteingesessene Unternehmensberatung als Youngster-Bude.

Letzte Woche wurde ich nun mit dem Thema Personalmarketing direkt konfrontiert und wenn das der Weg ist, Mitarbeiter für ein Unternehmen zu gewinnen - naja.

Ich bekomme überraschend von der Post ein Päckchen, ungefähr so groß wie ein Schuhkarton. Da ich nichts bestellt hatte, war ich neugierig, was enthalten war. Also schnell geöffnet (der Absender war ein großes Consulting-Unternehmen) und darin fand ich einige „spannende" Artikel oder neudeutsch „Goodies".

  • Eine ca. 20-seitige Broschüre, vollgespickt mit Buzzwords, natürlich in der „Du-Form" und schlichtweg eine reine Marketingbroschüre - für mich sehr nichtssagend, die Inhalte spiegeln genau das wieder, was jeder hören will und kann beliebig kopiert werden
  • Eine dicke Mappe in DIN A4, ca. 25 Seiten, pro Seite eine Überschrift, manchmal ein Bild dabei, dicker Karton, die scheinbar über diese Kampagne berichten soll. Sehr unhandlich
  • Ein Blatt mit 4 Fotos von der Kampagne
  • Jetzt kommen die wirklich wichtigen Dinge: 20 Aufkleber, 1 Lutscher, 1 Nagellack und 1 T-Shirt Größe M (wer mich kennt, weiß, dass das ziemlich knapp wird)
  • Und das war's

Nachdem kein Anschreiben dabei war, habe ich, neugierig wie ich bin - bei der Firma angerufen und gefragt, warum sie mir das senden. Die freundliche Dame am Empfang wusste von nichts und versprach, das Ganze für mich zu klären. Ca. 1 Stunde später bekomme ich einen Rückruf, der das Mysterium dann aufklärt. Das Unternehmen will auf seine Personalmarketing-Kampagne aufmerksam machen und möchte, dass ich als Blogger darüber schreibe. Daher hat man mir das Paket zugeschickt und ja - ich schreibe darüber, aber ...

... glauben denn Unternehmen wirklich, dass sie mit Lutschern, Nagellack, T-Shirts und nichtssagenden Broschüren Mitarbeiter finden? Finden es alle ok, gleich geduzt zu werden? Ist das (in diesem speziellen Fall) die neue Generation an Beratern? Fragen über Fragen, auf die ich vermutlich keine Antwort bekomme, ich weiß aber, was ich darüber denke und übrigens: Ich werde keine Aufkleber irgendwo hin kleben und das T-Shirt nicht einmal meinem 11-jährigen Sohn geben.

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