BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Thomas Eggert Headshot

Babyboomer schuften, Generation Y chillt?

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
BURNOUT
shutterstock
Drucken

Generation Y und Babyboomer - die einen f├╝rs Chillout, die anderen f├╝r die Arbeitszeitverl├Ąngerung?

Auf der diesj├Ąhrigen Personaler-Messe in Hamburg hatte ich mal wieder mit der BEGIS einen eigenen Stand und man hat mir als Mitglied der Zukunftsinitiative Personal im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Rolle des kritischen Kommentators von all zu viel Generation-Y-Glorifizierung zugeordnet.

2014-05-09-ZiP_Podium.png
Und ehrlich gesagt: Dieser Rolle entspreche ich gerne! Denn wenn Sie Artikel suchen, die dar├╝ber berichten, wie Generation Y die Welt rettet, werden Sie ├╝berall f├╝ndig, auch hier auf der Huffington Post. Und wenn Sie Artikel suchen, was man alles anders machen muss, damit man im Zeitalter von Generation-Y ├╝berlebt, dann auch. Oder wenn Sie wissen wollen, was alles getan werden muss, um einen Menschen dieser Generation zu besch├Ąftigen, dann finden Sie gen├╝gend Tipps und Hinweise - angefangen vom Kindergarten bis hin zu Chill-Out-Zonen oder Unterk├╝nfte f├╝r die Eltern. Aber wo bitte sehr, findet man den kritischen Kommentar auch zu m├Âglichen Fehlentwicklungen? Schon die Frage, ob die Generationen-Differenzierung so sinnvoll ist, treibt mich, siehe auch hier. Nach der Diskussion auf der Messe treibt mich aber noch mehr die Frage, ob wir nicht bei der Ausdifferenzierung unserer Mitarbeiter in einen Irrweg laufen.

Denn neben den ganzen Feststellungen um die Generation Y und deren "Bauchgepinsel" lese ich auf anderer Seite, dass die "├älteren" nun immer mehr arbeiten m├╝ssen und wir Babyboomer uns nicht auf den hoffentlich wohlverdienten Ruhestand freuen d├╝rfen, sondern bis 67 oder 70 arbeiten sollen. Gerade dazu passend habe ich heute in der Zeit gelesen, dass Daimler die ├Ąlteren Mitarbeiter zur├╝ckholt.

Wenn wir uns das mal ganz polemisch anschauen, ist die Schlussfolgerung klar: Die Babybommer m├╝ssen l├Ąnger schuften damit die Generation Y chillen kann.

Nat├╝rlich ist dies etwas sehr schwarz / wei├č und wir wissen alle, dass die Wahrheit meistens in der Mitte liegt. Aber mit dieser st├Ąndigen Hochstilisierung der Generation Y und den hunderten Studien und Beratungsleistungen l├Âsen wir auch nicht das Problem. Da wird nun ein Spalt zwischen die Generationen getrieben, der auf Dauer nicht gesund ist. Wir h├Âren nur, es w├Ąchst eine komplett neue Generation auf - ich sage nein, man hat die anderen Generationen nur nie gefragt. Denn k├Ąme mal einer auf die Idee, die anderen (├Ąlteren) Generationen zu befragen - dann glaube ich, dass die Antworten gar nicht so unterschiedlich sind.

H├Ątte man mich vor 30 Jahren gefragt, als ich ins Berufsleben eingestiegen bin - ich habe mir auch wenig Arbeit, ein tolles Umfeld, viel Spa├č und gen├╝gend Geld gew├╝nscht. Aber wie gesagt, damals hat mich niemand gefragt. Und womit wird dann diese neue Generation verglichen?

Nat├╝rlich muss man heute einiges anders machen als vor 30 Jahren - nat├╝rlich gab es vor 30 Jahren nicht die technischen M├Âglichkeiten wie heute - nat├╝rlich ist man heute mobiler, weltoffener als damals. Aber wenn sich wirklich alle Grundwerte ├Ąndern und niemand mehr bereit ist, Leistung zu bringen, auch mal abends bis 22.00 Uhr an einem spannenden Projekt zu arbeiten, dann wei├č ich nicht, wo das Ganze endet. Denn wenn alle nur noch chillen - wer macht dann die Arbeit - oder gibt es die in der neuen Welt 4.0 auch nicht mehr?

Also - h├Ârt endlich auf, dieses Generationenthema so pauschal zu diskutieren. Es geht um das Individuum und nicht um Massenbewegungen. Und gebt den Babyboomern die M├Âglichkeit, auch etwas Freizeit zu bekommen und der Generation Y die M├Âglichkeit, mit Leidenschaft und ├ťberzeugungskraft einen Job zu erledigen, der Sie fordert und f├Ârdert.

Sonst finden wir nicht mehr den Unterschied zwischen den griechischen G├Âttern Kronos (Zeit = Anzahl Stunden) und Kairos (Zeit = entscheidende Momente). Und da bin ich dann bei meinen Diskussionspartnern wie Franz Langecker oder Dr. Winfried Felser, solche Momente verpasst man eher, wenn man doppelt soviel arbeitet. Dann bleibt keine Zeit f├╝r Kairos! Oder wie meinte meine Mit-Diskutantin Raphaele Rose: Leistung ja, Ersch├Âpfung nein. Oder umgekehrt: Spa├č ja, aber Erfolg auch.

Aber das f├╝r alle, am besten gemeinsam.

TOP-BLOGS