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01/05/2015 05:12 CEST | Aktualisiert 01/05/2016 07:12 CEST

Social Media Weekly: BND - Die Narrenfreiheit des Geh-Heim-Diensts

Thinkstock

Dass Sigmar Gabriel, SPD-Parteivorsitzender und Vizekanzler, eventuell beabsichtigen könnte, bei der nächsten Bundestagswahl als Kanzlerkandidat ins Rennen zu gehen, hat das Social Web letzte Woche nicht die Bohne interessiert - nur rund 300 Tweets thematisierten diese Spekulation. Da sollte er doch nochmal bei den amerikanischen Top-Kandidaten in die Lehre gehen, bevor er tatsächlich antritt. Allein die Ankündigung Hillary Clintons, ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten zu gehen, wurde über 100.000 Mal retweetet.

Und auch sonst sollten wir uns eine Scheibe von den Amis abschneiden. Die haben es nämlich geschafft, dass der BND - „unwissentlich" wie es heißt - auch Wirtschaftsspionage im Auftrag der NSA ausgeführt hat. Quasi als „regierungseigene Service-Agentur für befreundete Staaten" wie das @Der_Postillon in seinem Satirebeitrag wunderbar zuspitzte.

Damit sammelte @Der_Postillon die meisten Retweets zum Thema „neue" BND-Affäre. Wir haben uns mit unserem Tool Attensity Analyze die Top-10 der Retweets angeschaut.

Platz 2 der Retweets ging an @udovetter. Der Düsseldorfer Fachanwalt für Strafrecht und Blogger (lawblog.de) hat knapp 46.000 Follower. Er hatte mit dem § 99 gleich den richtigen Paragrafen für die BND-Mitarbeiter aus dem Strafgesetzbuch parat: Wer „für den Geheimdienst einer fremden Macht eine geheimdienstliche Tätigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland ausübt (...)", dem drohen in besonders schweren Fällen bis zu 10 Jahre Knast. So etwas nennt man wohl Guerilla-Marketing für die Mandantensuche.

Platz 3 ging an Markus Beckedahl, der mit @netzpolitik mittlerweile 193.000 Follower hat, für diesen Tweet:

Insgesamt schaffte er es aber sogar mit sieben Tweets in die Top-50-Retweet-Liste. Damit war er einer der Twitter-User, die diese Debatte im Netz über die BND-Affäre maßgeblich bestimmt haben.

Platz 4 der Top-Retweets ging an Grünen-Politiker Christian Ströbele. Wobei die Erkenntnis „Snowden hat Recht" dann doch etwas arg spät ist. Warum wohl wollten die Amis Snowden so dringend wieder haben?

Kleinkinder haben die Begabung, Sachverhalte sehr prägnant in Einwortsätzen zusammenzufassen. Dass das auch im Erwachsenenalter durchaus hilfreich ist, um eine Situation zu beschreiben, beweist Blogger und Internet-Guru Sascha Lobo. Er wurde für seinen Tweet mit Platz 5 belohnt:

Direkt dahinter auf Platz 6 landete der Tweet von @Muschelschloss mit der wunderbaren Karikatur von Harm Bengen: der BND als Schoßhündchen der NSA.

Platz 7 ging an @Ekynos mit seinem Tweet über Merkels Verhalten in der BND-Affäre. Süffisant zieht er die Parallele zu Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un:

Platz 8 erreichte der nachrichtliche Tweet der Süddeutschen Zeitung, ein Hinweis auf die Online-Berichterstattung, in der die wichtigsten Ereignisse im NSA-Untersuchungsausschuss protokolliert werden:

In dem Online-Bericht finden sich übrigens Absätze wie dieser: „Regierungssprecher Seibert teilte am Abend mit, im Rahmen der Dienst- und Fachaufsicht habe das Bundeskanzleramt technische und organisatorische Defizite im BND identifiziert." Im Klartext: BND ist der totale DAU (=dümmster anzunehmender User) und das Kanzleramt schaut gerade, wer für die Panne geköpft werden kann - pardon, seinen Hut nehmen muss.

Die US-Amerikaner als Kolonial-Herren und der BND als williger Erfüllungsgehilfe - so spitzte Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht die Situation in ihrem Tweet zu, der auf Platz 9 der Retweets landete.

Platz 10 erreichte ein zweiter Tweet von @netzpolitik, der deutlich machte, dass das Kanzleramt wohl bereits seit 2008 über die NSA-„Selektoren" in BND-Suchanfragen Bescheid wusste. Wobei - da muss man das Bundeskanzleramt in Schutz nehmen - das ist ja schon fast Lichtgeschwindigkeit im Vergleich zum Bundesverteidigungsministerium im Hinblick auf die fehlende Zielgenauigkeit des G36, das bereits seit 1997 bei der Bundeswehr im Einsatz ist.

Ja. Schon irgendwie merkwürdig diese Affäre. Mario Sixtus, Journalist und Blogger mit mittlerweile knapp 70.000 Followern, kann das Verhalten der Bundesregierung in Sachen BND denn auch nur noch mit dem „Stockholm Syndrom" erklären - übrigens Platz 11 der Retweet-Liste. Wir konnten es dann doch nicht lassen, mal über die Top-10 hinaus zu schauen.

@RAStadler (Platz 49 der Retweets) fasste die Affäre treffend zusammen:

Vielleicht sollte der BND - frei nach den Worten des Postillon - denn doch mal ein echter Geh-Heim-Dienst werden, denn die ausländischen Geheimdienste haben wir ja nun alle ausführlich aufgeklärt.


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