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23/02/2016 10:59 CET | Aktualisiert 23/02/2017 06:12 CET

Die geheime, magische Unterwäsche, die nur Mütter kennen

Image taken by Mayte Torres via Getty Images

Vor vier Jahren bekam ich mein erstes Kind, einen Jungen. Die Wehen zogen sich über fast zwei Tage und endeten in einem Kaiserschnitt, den mein Mann und ich nicht geplant hatten. In den Tagen danach fühlte sich alles in meinem Leben so fremd an.

Es war nicht nur dieses "hier-ist-ein-kleines-Baby-um-das-du-dich-jetzt-kümmern-musst-Gefühl, sondern auch der Katheter und der brennende Schmerz bei seiner Entfernung, die chirurgisch sterilen Pflaster am Einschnitt auf der Unterseite meines Bauchs, die Schmerzen beim Aufsetzen.

Ich war müde und überwältigt und traurig über die Geburt, die ich hatte und die, die ich nicht hatte.

Die Schwestern stürzten ständig in mein Zimmer, um meine Temperatur zu messen und um mich zu fragen, ob ich schon Stuhlgang hatte. Wenigstens gaben sie mir nach der Geburt die Mesh-Unterwäsche.

Für eine junge, gesunde Frau wie mich war diese Unterwäsche teils eine Neuheit, teils auch eine Offenbarung. Es ist eine Einwegunterwäsche. Ja ihr habt richtig gehört, Einweg. Unterwäsche. Ich war heilfroh, als ich sie das erste Mal benutzt hatte.

Mesh ist ein weiches, atmungsaktives Textil-Netzgewebe, das sich elastisch an meine Hüften anpasste und äußerst gemütlich war. Auch weil ich wegen der Nachgeburtsblutungen diese demütigenden Maxi-Einlagen aus der siebten Klasse tragen musste, und dann breitbeinig herumlief, waren die Unterhosen sehr praktisch: Sie hielten die Einlagen fest und wenn etwas durchsickerte, konnte man die ganze Sauerei einfach wegwerfen und für immer vergessen.

Durch die 'high-waisted'-Passform fühlte ich mich wie ein Pinup-Girl aus den 1950ern und dachte mir manchmal, sie würden meiner Figur schmeicheln.

In diesen ersten Tagen weinte ich sehr viel. Aber ich erfreute mich trotzdem an meiner Unterwäsche. Ich fühlte mich sicher, wenn ich sie trug. Acht Monate später bekam meine Schwester ihr zweites Kind. Ich fragte sie, ob sie mir denn nicht ein Paar besorgen könnte, nur aus rein nostalgischen Gründen. Ich verwahre sie in meinem Schrank, wie einen Talisman.

Vor ein paar Monaten bekam ich ein weiteres Kind, eine Tochter.

Die Geburt erfolgte in meinem Esszimmer - in einer Geburtswanne. Neben meinem Mann und meinem Sohn, der im Zimmer nebenan schlief, war das Haus voller Frauen, hier ein paar davon: die Hebammen, meine Schwester, meine Mutter und eine meiner ältesten Freundinnen, die auch eine Hebamme ist.

Und natürlich gab es keine Operation. Die Hebammen prüften regelmäßig den Herzschlag des Babys und nicht ein einziges Mal meine Muttermunderweiterung. Die Wehen dauerten nur halb so lange wie beim ersten Mal und ich musste nur 20 Minuten lang pressen.

Alles lief wie geplant, so wie ich es mir immer vorgestellt hatte.

Und anders als beim letzten Mal, fühlte ich mich erhaben von der Geburt meines Kindes. Erschöpft, aber glücklich, und ich war ausschließlich von Menschen umgeben, die ich liebte.

Trotzdem hatte ich die Netz-Unterwäsche parat. Eine Freundin hatte drei Monate zuvor eine Entbindung und gab mir einige der ungenutzten Unterhosen. Als ich eine anzog, beruhigte mich dieses angenehme Gefühl schlagartig. Meine liebe Netz-Unterwäsche.

In der ersten Nacht schlief ich mit einer Welpendecke über dem Laken, aus Angst, dass etwas durchsickern könnte. Ich weiß noch, dass ich dachte, dass diese Unterwäsche alles absicherte, mich und meine Laken. Und ich lag richtig. Am nächsten Morgen duschte ich und war so dankbar eine neue Unterhose anziehen zu können.

Obwohl ich erstaunt darüber war, wie sehr sich meine Geburten von einander unterschieden, die Erfahrungen nach der Geburt ähnelten sich. Nach jeder Geburt schenkte ich einem perfekten Baby das Leben. Ich musste mich auch mit meinem psychischen Selbst auseinandersetzen. Was einst im Inneren war - ein menschliches Wesen! - war jetzt draußen und es war nun an meinem Körper, diesen Prozess zu beenden.

Dieser Übergang, beide Male, fühlte sich so intim an: der Gestank, das Chaos, die Müdigkeit, die Krämpfe, als mein Uterus sich in seine Originalgröße zurückzog. Es war nicht leicht. Egal, welche Art von Geburt du durchläufst, der Prozess ist derselbe. Es ist nicht glamourös. Du hast einen Körper, du bist ein Körper.

Kurz nachdem ich meine Tochter geboren hatte, legten die Hebammen mir den Ausdruck "Tag Drei" nahe, welcher sich auf den dritten Tag nach der Geburt bezieht, an dem die Hormone der Mutter verrückt spielen. Entweder, ist sie sehr emotional, überdreht oder depressiv. Für einige Mütter kommt Tag Drei nur kurz, für andere hält der Zustand für eine Weile an. Egal wie, es kann sehr intensiv sein.

Die Netz-Unterwäsche dient als eine Art Schutzschild gegen Tag Drei.

Oder, wenn es kein Schild ist, kann man wenigstens sagen: Hey, ich habe dieses verrückte, riesige Ding durchgezogen, das man Geburt nennt und ich kann jetzt eine Weile keine normale Unterwäsche tragen. Das ist okay! Du wirst okay sein! Der offensichtliche Beweis einer Geburt ist das Baby, natürlich. Aber der Körper weist auch Spuren auf, um die man sich kümmern muss. Er erlaubt dir, die physischen Anforderungen einer Geburt zu erkennen und wie man diese überwindet.

In den letzten Monaten habe ich sehr oft mit anderen Müttern über die Macht der Netz-Unterwäsche geredet. Die Mütter sind nicht alle gleich und teilen nicht dieselben Geburtsgeschichten oder Erziehungsmethoden.

Aber sie waren sich alle über dieses eine Element der Nachgeburt einig. Egal, ob sie zuhause oder im Krankenhaus waren, egal ob sie vaginal oder per Kaiserschnitt entbunden, egal, ob ihr Kaiserschnitt getimed oder ein Notfall war, egal, ob sie eine Betäubung hatten oder nicht, egal, ob sie ihre Geburt durchlitten oder sie feierten: Sie alle liebten diese Unterwäsche.

Eine Freundin gab zu, sie sogar länger als nötig zu tragen.

Eine andere erzählte mir, sie habe sich ein extra Set bestellt, in weiser Voraussicht, da sie wusste, wie sehr sie auf die Unterwäsche während ihrer ersten Geburt angewiesen war. In der Umgebung von Eltern gibt es so viele Ungereimtheiten und Verurteilungen, da ist diese Übereinstimmung, diese Einheit so erfrischend.

Letztes Wochenende gab ich drei meiner ungetragenen Unterhosen einer Freundin, die Ende des Monats ihren Entbindungstermin hat. Ich band den kleinen Haufen mit einem rosa Band zusammen.

Mir fiel auf, dass alle neuen Mütter ein Paar dieser Unterhosen aufheben sollten, um sie einer schwangeren Frau zu geben, die sie liebten. "Bitteschön!", können wir sagen und beschreiben, wie aufregend und schön die Zeit nach der Geburt ist.

Wir können sie vor Tag Drei warnen und ihnen trotzdem versichern, dass alles gut wird. "Mach dir keine Sorgen. Du wirst diese Unterwäsche lieben." Und so kann eine Mutter mit einer anderen und diese wieder mit einer anderen in Kontakt treten.

Lang lebe die Netz-Unterwäsche, die Sache, die uns zusammenbringt.

Dieser Text erschien ursprünglich in der Huffington Post US und wurde von Katharina Geiger aus dem Englischen übersetzt.

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