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16/03/2016 12:04 CET | Aktualisiert 17/03/2017 06:12 CET

Der Tag, an dem ich herausfand, dass mein Mann mich betrügt

Dennis Hallinan via Getty Images

Ich saß an meinem Schreibtisch bei der Arbeit, die Finger Eins mit der Tastatur. Ich atmete tief ein und versuchte das Mail-Passwort meines Mannes zu erraten. Einen Klick später wusste ich, dass ich Recht hatte - sowohl was das Passwort betraf, sowie auch mit meiner Vermutung, dass er eine Affäre hatte. Nie zuvor in meinem Leben hatte ich mir mehr gewünscht, danebenzuliegen.

Meine Ehe war eine Lüge

Nachdem ich mich in sein E-Mail-Postfach und seinen Twitter-Account gehackt hatte, konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Es gab einfach so viele Nachrichten. Ich fand Unterhaltungen über Bücher und Musik, aber auch detaillierte Beschreibungen von Sex und, was am schmerzhaftesten war, Liebes- und Sehnsuchtsbekundungen.

Ich las weiter, bis ich nicht mehr konnte, dann ging ich zu meinem Auto. Ich setzte mich und schluchzte, während der Nachmittag zum Abend wurde. Mein Handy piepte, es war eine Nachricht meines Mannes:

"Hey Schatz, bist Du auf dem Weg? HDL"

Es war dieses "HDL" am Ende der Nachricht, das meinen Schmerz darüber, dass meine Ehe eine Lüge war, in Wut verwandelte. Auf der Fahrt nach Hause dachte ich über all die Beleidigungen nach, die ich meinem Mann vor den Kopf schleudern würde, wägte ab, ob ich ihm wohl derart eine knallen könnte, dass er den gleichen Schmerz verspüren würde, den ich empfand.

Der Lügner. Der Betrüger. Der Vater meiner Kinder.

Ich stellte mir vor, wie ich die ganze Situation wie eine Kino-Heldin handhaben würde. Ich würde ihn rausschmeißen und seine Kleidung anzünden. Mein Gedanke war "das ist der letzte Tag unserer Ehe, der letzte Tag, an dem ich nach Hause zu meinem Ehemann fahre."

Ich betrat das Haus und sah ihn, den Lügner, den Betrüger, das Arschloch, wie er unserer Tochter liebevoll das Haar kämmte. Sie hatte ihren Kopf auf sein Bein gelegt und sie sangen zusammen ihr Lieblingslied. Sie war ganz das Papa-Kind, das sie schon immer gewesen war. Wie er vorsichtig die Knoten aus ihren Haaren kämmte erinnerte mich daran, wie sehr er sie vom ersten Augenblick an geliebt hatte.

Der Lügner. Der Betrüger. Der Vater meiner Kinder.

In diesem Augenblick wurden mir drei Dinge bewusst: Mein Mann war ein toller Vater. Mein Mann hatte mir das Herz gebrochen. Der nächste Schritt war viel komplizierter, als ich gedacht hatte.

Mein Mann war ein toller Vater

Nachdem ich ihn konfrontiert hatte und die ganze furchtbare Wahrheit ans Licht kam, war ich mir nie sicher, ob ich wirklich das Richtige tat. Ich bat ihn, auszuziehen, aber gleichzeitig bat ich ihn auch darum, jeden Morgen vorbeizukommen, um unsere Kinder abzuholen und zur Schule zu bringen und am Abend zum Abendbrot zu bleiben. Ich bat ihn darum, zu einer Beratungsstelle zu gehen, selbst aber weigerte ich mich, mit zu einer Eheberatung zu kommen.

Ich überwies Geld von unserem gemeinsamen Konto auf ein eigenes Konto und rechnete durch, ob ich es mir leisten könnte, in unserem Haus alleine wohnen zu bleiben. Ich stellte mir vor, wie das Leben ohne ihn aussehen würde. Ich stellte mir vor, wie das Leben mit ihm aussehen würde. Der Gedanke, ihn jemals wieder zu küssen, schien unmöglich. Am meisten dachte ich an die Kinder und daran, was das Beste für sie wäre.

Die ersten Wochen nachdem ich herausgefunden hatte, dass mein Mann eine Affäre hatte, waren die Einsamsten meines Lebens. Obwohl ich nichts falsch gemacht hatte, schämte ich mich und konnte mich nicht dazu überwinden, mich Freunden anzutrauen. Die Unsicherheit was die Zukunft betraf und der winzige Hoffnungsschimmer, den ich noch hatte, ließen mich schweigen.

Die Liebe ist ein Durcheinander. Die Ehe ist ein Durcheinander. Das Leben geht weiter.

Was, wenn ich meinen Freunden alles erzählte und am Ende kämen wir doch wieder zusammen? Würden meine Freunde - unsere Freunde - ihn auf ewig hassen? Ich glaube, ich hatte auch Angst, es laut auszusprechen. Auszusprechen, dass mein Mann mich betrog, machte alles nur noch viel realer.

Ich wollte meinen Freunden sagen, dass ich ihn hasste, ihn verachtete, ihn nie wieder lieben könne. Aber insgeheim hatte ich immer noch die Hoffnung, dass ich ihn irgendwann wieder lieben könnte. Die Liebe ist ein großes Durcheinander. Die Ehe ist ein großes Durcheinander. Affären sind ein ganz riesiges Durcheinander.

Es ist jetzt etwas mehr als ein Jahr her, dass ich die E-Mails las. Wir sind, im Moment, immer noch zusammen. Wir sind tolle Eltern und kommen miteinander aus. Er bringt mich immer noch zum Lachen. Es vergehen jetzt Tage, sogar Wochen, ohne dass ich an die Affäre und die andere Frau denke. Und dann gibt es Tage, an denen ich ihn am Computer tippen höre, ich plötzlich einen Klumpen im Magen verspüre und mich frage, ob ich ihm je wieder vertrauen kann.

Es gibt keine Gebrauchsanweisung dafür, wie man mit einer Affäre umgeht.

Ich weiß jetzt etwas, das ich damals nicht wusste. Es gibt keine Gebrauchsanweisung dafür, wie man mit einer Affäre umgeht. Es gibt kein perfektes Drehbuch. Das wahre Leben ist kein Film und seine Kleidung in Brand zu stecken hätte mich wahrscheinlich ins Gefängnis gebracht. Stattdessen bemüht man sich einfach nach Kräften, die Dinge in die Hand zu nehmen, das Beste für seine Kinder zu tun und jeden Morgen weiter aufzustehen, bis es eines Tages weniger schmerzt.

Mit der Zeit findet man heraus, ob die Ehe nur einen Sprung hat oder bereits ganz zerbrochen ist. Ob sie eine neue Form annimmt, eine neue Normalität. Und wenn man Glück hat, dann lernt man irgendwann zu verzeihen und mit dem Wissen zu leben, dass dich jemand von ganzem Herzen lieben kann und dich gleichzeitig betrügt.

Die Liebe ist ein Durcheinander. Die Ehe ist ein Durcheinander. Das Leben geht weiter.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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