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03/05/2015 05:42 CEST | Aktualisiert 03/05/2016 07:12 CEST

5 Worte, mit denen der Essenskampf mit Ihrem Kind endlich ein Ende hat

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Von Leigh Andersen

Als mein älterer Sohn 18 Monate alt war, hörte er auf, das zu essen, was ich ihm zubereitete. Er nörgelte unaufhörlich herum während den Mahlzeiten, und deutete auf den Schrank, in dem ich Kekse und Brot aufbewahrte. Er weigerte sich, Obst und Gemüse zu essen.

Es war, als würde man einen Wikinger ernähren - es fehlten nur noch ein Krug voller Bier und ein akuter Fall von Skorbut. Voller Verzweiflung versteckte ich Gemüse in Rührei und Smoothies, und jagte ihn mit einem Löffel Erbsen durch das Haus.

Ich erzählte einer Freundin mit einer 6-jährigen Tochter von meinen Problemen. Sie sagte: „Ich weiß, was du meinst. Gestern Abend wollte Ava Nudeln zum Abendessen, also habe ich welche gekocht, aber die wollte sie dann nicht essen. Dann wollte sie Sojabohnen und als ich ihr die gemacht habe, wollte sie sie auch nicht. Dann wollte sie einen Bagel, und auch den wollte sie dann nicht essen. Ist das zu fassen?"

Ich sah die nächsten zehn Jahre meines Lebens vor mir. Drei verdammte Mahlzeiten hat sie gekocht? Ich hasste ja schon Abendessenszeit, das ständige Anflehen und Überreden meines zweijährigen Sohnes doch noch einen Bissen mehr zu essen, um ihn dann mit einer Nachspeise zu belohnen. Ich drehte durch. Das wollte ich nicht noch mit einem 6- oder 10-Jährigen machen müssen oder, Gott behüte, mit einem Teenager.

Zufällig stolperte ich 2000 über das Buch Child of Mine: Feeding with Love and Good Sense von Ellyn Satter. Es zu lesen hat wortwörtlich mein Leben verändert. Satter, eine gelernte Ernährungswissenschaftlerin und Familientherapeutin, spricht von "Teilen der Verantwortung" bei Mahlzeiten:

Die Eltern entscheiden wann, was und wo das Kind wie viel gegessen hat. Es gibt immer etwas auf dem Tisch, von dem man weiß, dass das Kind es isst, sei es Reis, Obst oder Brot, sodass neue experimentelle Mahlzeiten mit bekannten kombiniert werden.

Das Kind wird nicht dazu gezwungen, etwas zu probieren oder eine bestimmte Anzahl an Bissen zu essen. Die Nachspeise hängt nicht davon ab, ob und wie viel das Kind gegessen hat. Satter befürwortet Abendessen mit der ganzen Familie, sodass die Eltern mit den Kindern essen und diese sehen, dass ihre Eltern eine gesunde Vielzahl von Lebensmitteln essen und genießen.

Satters Ratschläge funktionierten wie am Schnürchen - all die Dramen, die sonst am Esstisch stattfanden, schrumpften in sich zusammen.

Ich kochte etwas und stellte es vor ihn hin (Satter rät Eltern, dass sich die Kinder selbst ihre Portion auf den Teller aufladen sollen, aber bei uns kommt das Essen direkt von der Pfanne auf den Teller), und er kann essen, was er will, ohne Kommentar meinerseits.

Er kann immer eine zweite Portion haben, wenn noch etwas übrig ist. Es gibt keine alternative Mahlzeit, und nachdem wir das Programm nun schon seit zwei Jahren machen, fragt er nicht mal mehr.

Mein Sohn ist inzwischen fast fünf Jahre alt und er isst immer noch lieber Fleisch und Brot als Obst und Gemüse. Aber seitdem wir aufgehört haben, ihn unter Druck zu setzen, probiert er häufiger als ich es vermutet hätte von sich aus grüne Sachen.

(Es ist auch ein Ansporn für mich, grünes Gemüse so attraktiv wie möglich zuzubereiten, was meinen eigenen Konsum an Gemüse deutlich erhöht hat.) Er mag Dinge, mit denen ich niemals gerechnet hätte: Linseneintopf und braunen Reis, Zucchini und Basilikumsuppe, grüne Bohnen und gerösteten Brokkoli.

Dinge, von denen ich hätte schwören können, dass sie ihm schmecken, mag er nicht, zum Beispiel Lasagne. (Ernsthaft, wer mag denn bitte keine Lasagne?) Und ja, manchmal gibt es "Kinderessen" - Chicken Nuggets oder Pizza, weil er das am liebsten isst.

Manchmal gibt es Pad Thai, mein Lieblingsessen, weil Satter schreibt, dass es gut für Kinder ist zu wissen, dass es für jeden, Kinder und Eltern, ab und an das Lieblingsessen gibt.

Die Nachspeise bekommt er unabhängig davon, wie viel er gegessen hat. Es gibt allgemein selten Nachspeise bei uns, da wir meistens kleine Naschereien schon nachmittags essen.

Falls es eine gibt, folge ich Satters Ratschlägen und lasse ihn die Nachspeise gemeinsam mit dem Abendessen essen, was besser funktioniert als man es vielleicht annehmen würde. (In der Regel isst er erst die Nachspeise und dann eine Portion Abendessen.)

Was die fünf magischen Wörter sind? „Du musst das nicht essen". Unser neues System bedeutet nicht, dass er nie Ablehnung signalisiert, "Igitt" sagt, oder meckert, dass er gar nichts essen würde.

Gestern hat er auf seinen Teller geschaut und irritiert gesagt, "Hey, ich wollte ein leckeres Essen haben", was mich nach einer Stunde am Herd fast dazu gebracht hätte, den Teller schreiend gegen die Wand zu werfen. Aber jedes Mal, wenn er "Igitt" oder "Das will ich nicht" sagt, erwidere ich ruhig "Du musst das nicht essen" und beginne mit meinem eigenen Teller.

Die größte Offenbarung war, dass ich aufgehört habe meinen Sohn mit Essen zu jagen, und sogar damit, ständig seine Essgewohnheiten zu überwachen und zu kontrollieren. Denn die Mahlzeiten, die ich koche, sind ausgewogen gesund und einigermaßen vielfältig.

Ich kann mein Essen genießen und ihn selbst entscheiden lassen, ob er essen möchte oder nicht, ganz ohne Sturm und Drang. Ich trage nicht ständig eine (sehr begrenzte) Liste der "Dinge, die mein Kind isst" mit mir herum.

Ich koche, was auch immer ich essen möchte. Wenn mein Sohn das nicht probieren möchte, zum Beispiel Kürbis und Wursteintopf, dann gibt es immer noch Knoblauchbrot als Beilage und Karotten aus dem Salat. Und wahrscheinlich habe ich auch ein paar Apfelschnitze auf jeden Teller gelegt.

Vielleicht probiert er beim zwanzigsten Mal das Gericht dann doch. Bis dahin genieße ICH meinen Eintopf, mein jüngerer Sohn pickt sich die Würstchen raus und isst den Kürbis und es wird nichts weggeschmissen.

Dieses System eliminiert vollkommen den Machtkampf, der jedes Mal mit dem „Kinder zum Essen bringen" einhergeht.

Die Kinder lernen auf ihr Sättigungsgefühl zu achten - es stellte sich heraus, dass man Sohn allgemein nicht viel zu Abend isst, egal was ich koche. Er hat abends einfach nicht so viel Hunger. Also versuche ich, die früheren Mahlzeiten so nährreich wie möglich zu gestalten, dass ich mir keine Sorgen über das Abendessen machen muss.

Klar, es ist nicht perfekt. Viele Mahlzeiten, die ich mache, sind ein bisschen langweilig und bringen niemanden in Verführung. Ich wünschte, wir wären alle ein bisschen abenteuerlustiger, was das Essen angeht.

Und das Familienessen klappt auch nicht jeden Tag - manchmal ist es nur ein oder gar kein Elternteil, weil ich oft einfach nicht hungrig bin, wenn die Kinder Abendessen.

Aber insgesamt hat das neue System gut funktioniert. Essen ist nicht mehr Belohnung oder Bestrafung, was glaube ich langfristig gesehen zu einem gestörten "gutes Essen/schlechtes Essen"-Denken führt.

Er muss nicht mehr eine Portion Pak Choi runterwürgen, um eine Kugel Eis zu bekommen. Wir zwingen ihn nicht dazu, seine Körpersignale zu ignorieren und etwas zu essen, das er nicht will.

"Du musst das nicht essen" in einem milden Ton ohne Groll zu sagen hat mein Leben verändert.

Auch bei meinem zweiten Sohn funktioniert das System mit großem Erfolg. Auch er isst manchmal keinen Bissen zu Abend und ich bin dazu verführt, ihm während dem Fernsehen ein paar Löffel einzuflößen. Aber ich beherrsche mich. Er muss das nicht essen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Teresa Högele aus dem Englischen übersetzt.

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