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12/12/2015 02:25 CET | Aktualisiert 12/12/2016 06:12 CET

Wie sich Deutschland in der Zukunft verändert, entscheiden wir

BEN STANSALL via Getty Images

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Deutschland genießt einen guten Ruf in der Welt. Unsere Wirtschaft ist erfolgreich. Seit rund 70 Jahren leben wir in Frieden. Doch warum reagieren viele in unserem Land auf den Satz „Deutschland geht es gut" eher mit Abwehr als mit Zustimmung? Sind wir Deutschen einfach unzufrieden, pessimistisch, ein Volk von Skeptikern?

Diese wenig schmeichelhafte Antwort ist allzu schnell zur Hand. Ich glaube aber eher, viele fühlen sich mit dem Satz nicht wohl, weil sie wissen, dass dieser Status Quo nicht selbstverständlich ist. Nicht nur unser Land, die ganze Welt verändert sich fortwährend. Und Veränderungen können Unsicherheit auslösen, manchmal sogar bedrohlich wirken.

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Nehmen wir das Beispiel Digitalisierung. Digitale Technologien haben alle gesellschaftlichen Bereiche erreicht. Wie wir uns informieren, wie wir leben und wie wir kommunizieren, hat sich in den vergangenen 25 Jahren stark verändert. Diese Entwicklungen bergen viel Potenzial, wecken aber auch Ängste und werfen Fragen auf. Wie schütze ich meine Privatsphäre, was geschieht mit meinen Daten im Netz, was bedeutet die Digitalisierung für unsere Unternehmen und für unsere Arbeit? Diese Fragen sind berechtigt.

„Digitale Agenda 2014-2017" soll den digitalen Wandel mitgestalten

Die Digitalisierung birgt Risiken. Das darf uns aber nicht daran hindern, ihre Chancen zu nutzen, denn das ist zentral für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sowie die Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger an der digitalen Gesellschaft. Deshalb haben Bundesregierung und Bundestag die „Digitale Agenda 2014-2017" auf den Weg gebracht, um den digitalen Wandel mitzugestalten.

Es gibt viel zu tun: Wir wollen den Breitbandausbau vorantreiben, die Rahmenbedingungen für Start-Ups noch weiter verbessern und innovative Technologien fördern, Strategien für digitales Lernen in den Schulen verankern, unsere Behörden und Unternehmen besser vor Cyber-Angriffen schützen und unsere elektronische Kommunikation sicherer machen - um nur einige Punkte zu nennen.

Anfang Dezember hatte ich Gelegenheit, an der Seniorenakademie in Gotha in meinem Wahlkreis über dieses Thema zu sprechen. Um ehrlich zu sein, hatte ich mit einer gewissen Skepsis gerechnet bei den älteren Zuhörern, die nicht mit der digitalen Welt aufgewachsen sind. Das Gegenteil war der Fall. Die Offenheit der Senioren für die Möglichkeiten der Digitalisierung hat mich beeindruckt.

Was sie jüngeren Internetnutzern voraushaben, ist sicherlich ein gesundes Risikobewusstsein und die Fähigkeit, Informationen zu filtern und zu bewerten. Senioren sind keine „Digital Natives", dafür haben sie in ihrem Leben schon einige Erfahrung darin gesammelt, wie man mit Veränderungen umgehen und sie als Chance begreifen kann.

Sorgen und Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger

Das führt mich zu der aktuellen Flüchtlingssituation, die man als Thema nicht aussparen kann bei der Frage, was die Menschen in unserem Land bewegt. Wenn ich in meinem Wahlkreis in Thüringen unterwegs bin, erlebe ich auf der einen Seite große Hilfsbereitschaft. Auf der anderen Seite bekomme ich die Sorgen und Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger zu spüren.

Sie fragen nicht nur danach, wie wir die vielen Menschen bei uns unterbringen und wer bleiben wird, sondern auch wie wir es schaffen, diejenigen mit guter Bleibeperspektive zu integrieren. Zurecht, denn es ist notwendig, dass wir uns schon heute darum kümmern wie es gelingen kann, dass diese Menschen nicht nur bei uns leben, sondern mit uns. Wenn unsere Skepsis dazu führt, dass wir die richtigen Fragen stellen und Probleme frühzeitig angehen, dann sehe ich ihn ihr nichts Schlechtes.

Die diesjährige Shell-Jugendstudie beschreibt unsere Jugend übrigens als Generation pragmatischer und tatkräftiger Optimisten. Wenn wir Deutschen so in die Zukunft blicken, dann mache ich mir keine Sorgen. Wir wissen, wir werden Veränderungen nicht aufhalten. Wir sind ihnen aber auch nicht hilflos ausgeliefert, wir können sie gestalten.

Warum ihr niemals prüfen solltet, wer euer Facebook-Profil besucht hat

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen, denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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