BLOG
10/10/2013 04:31 CEST | Aktualisiert 10/12/2013 06:12 CET

Mütter, holt die Friedenspfeife raus!

Natürlich halten uns viele externe Faktoren beruflich auf, aber vor allem müssen wir Mütter Frieden mit uns selbst schließen und uns ehrlich fragen, was wir wollen. Und für diese Entscheidung müssen wir uns dann auch voll und ohne Selbstzweifel einsetzen (lean in). Wir müssen unseren Frieden damit machen, dass wir nicht jede Rolle perfekt ausfüllen können.

Hausfrau und Mutter oder doch Karrierefrau? Egal, für welchen Weg sie sich entscheiden, Mütter können sich heute nur einer Sache gewiss sein: Kritik. Laut US-Bloggerin Catherine Connors herrscht seit Jahren ein regelrechter "Mommy War". NetMoms Geschäftsführerin und Vierfachmutter Tanja zu Waldeck plädiert für einen stärkeren Zusammenhalt und mehr Toleranz unter Müttern.

Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie häufig ich in den vergangenen sechs Jahren folgende Fragen beantwortet habe:

• Wie machst Du das mit vier Kindern und NetMoms?

• Wo sind Deine Kinder, wenn Du den GANZEN Tag arbeitest?

• Vermisst Du Deine Kinder nicht?

Wie häufig musste wohl mein NetMoms-Mitgründer Jens, Vater einer einjährigen Tochter, eine dieser Fragen beantworten? Da brauche ich gar nicht erst nachzufragen - kein einziges Mal.

Die Lüge des "Wir können alles haben"

Warum also nehmen alle Menschen so viel Anteil an meinem Privatleben, nicht aber an Jens'? Die Antwort ist ganz einfach: Weil die Erwartungen an Männer seit Jahrzehnten die gleichen sind. Sie brauchen sich nicht mit ihren Rollen als Ehemann, Vater und Berufstätiger auseinanderzusetzen, da nicht an jede dieser Rollen die gleichen Ansprüche gestellt werden.

Das Bild der Frau jedoch hat sich verändert. Nach Jahrzehnten der in den Himmel gelobten Rolle der aufopfernden Mutter und Hausfrau, können und sollen Frauen inzwischen alles sein: Karrierefrau, Vollblut-Mama und sexy Ehefrau. Und unsere Generation ist mit der Illusion aufgewachsen, all diese Rollen auch perfekt erfüllen zu können. Ich sage es jetzt ganz offen: Das ist eine Lüge!

Aufgabe I: Frieden mit sich selbst schließen

Dabei sind es nicht nur die externen Faktoren, die uns davon abhalten, glücklich und frei zu sein, sondern vor allem unser Selbstverständnis. Facebook-COO Sheryl Sandberg, Autorin von „Lean in", hat hierzu eine klare Meinung: Natürlich halten uns viele externe Faktoren beruflich auf, aber vor allem müssen wir Mütter Frieden mit uns selbst schließen und uns ehrlich fragen, was wir wollen. Und für diese Entscheidung müssen wir uns dann auch voll und ohne Selbstzweifel einsetzen (lean in). Wir müssen unseren Frieden damit machen, dass wir nicht jede Rolle perfekt ausfüllen können.

"Mommy War": Krieg der unsicheren Mütter

Die große Lüge des "Ihr könnt alles haben" hat uns Frauen so unzufrieden und unsicher gemacht, dass wir uns gegenseitig argwöhnisch beäugen. Bekommt es die andere besser hin? Sind ihre Kinder besser erzogen? Sieht sie besser aus? Geht es bei ihr beruflich schneller voran?

Im Wechsel wird Vollzeitmüttern Faulheit und berufstätigen Müttern Egoismus unterstellt. Und diese Behauptungen landen fast immer auf fruchtbarem Boden. Wie es die US Bloggerin Catherine Connors richtig beschreibt: wir befinden uns seit Jahren im "Mommy War". Einem Krieg, in dem jede Seite der anderen die Kompetenz abspricht, etwas Sinnvolles zu sagen zu haben.

Alle Mütter lieben ihre Kinder

Jetzt stellen wir doch mal fest: Alle Mütter lieben ihre Kinder. Wir sorgen uns um ihre Gesundheit, ihre Zukunft, ihr Glück. Und weil wir sie so sehr lieben, suchen wir täglich nach der Bestätigung, dass wir alles richtig machen. Wir sind glücklich, wenn uns jemand darin bestätigt und fühlen uns betroffen, wenn jemand unserem Modell widerspricht.

Außerdem stellen wir fest: Alle Mütter sind außerdem Frauen mit einer eigenen Vorstellung von persönlichem Glück. Ob es nun die Karriere und der berufliche Einfluss ist oder eine ruhige Stunde im Garten mit einem Buch. Manche empfinden Glück, wenn sie den Arbeitskollegen etwas vermitteln konnten oder eine wichtige Entscheidung getroffen haben. Andere empfinden Glück, wenn sie ihren Kindern bei kleinen Entdeckungen zuschauen können oder ein wunderbares Abendessen für ihre Familie vorbereiten.

Solange wir nicht bereit sind anzuerkennen, dass alle Mütter das Beste für ihre Kinder wollen, ohne ihre eigene Vorstellung vom persönlichen Glück aus den Augen zu verlieren, werden die "Mommy Wars" nicht enden. Und solange wir nicht bereit sind zu akzeptieren, dass diese Konstellation aus Liebe und eigenem Glück nun einmal für jeden anders aussieht, werden wir keinen Frieden finden.

Aufgabe II: Frieden mit anderen Müttern schließen!

Nichts anderes fordert Sheryl Sandberg in ihrem Buch "Lean In" von uns, dass wir Mütter uns selbst ehrlich fragen, was wir wollen, welches Modell uns glücklich macht. Diese Entscheidung müssen wir treffen und dann ohne Bedenken und Schuldgefühle verfolgen. Denn weder der Partner noch die Kinder können glücklich sein, wenn nicht auch die Partnerin und Mutter glücklich und (wenigstens halbwegs) ausgeglichen ist.

Erst wenn wir Frieden mit uns und unseren eigenen Entscheidungen geschlossen haben, können wir anderen Müttern eine echte Hilfe sein. Denn nur dann können wir anderen Frauen vorurteilsfrei zuhören, uns ihren Träumen und Vorstellungen öffnen, ihnen applaudieren und mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Dabei darf man eine Sache nicht vergessen: So verwirrend die unterschiedlichen Optionen und Erwartungen an uns Frauen auch sind, wir sollten trotzdem jeden Tag die Tatsache feiern, das wir heute die Möglichkeit haben, uns zu entscheiden und uns unsere persönlichen Träume zu erfüllen.

Schließen wir also Frieden mit uns selbst und anderen Müttern. Widmen wir uns den letzten Hürden, die uns auf dem Weg zur echten Wahlfreiheit im Wege stehen. Und widmen wir uns diesen Hürden mit Leidenschaft. Wie Sheryl Sandberg sagen würde: Let's lean in!