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02/08/2015 08:02 CEST | Aktualisiert 02/08/2016 07:12 CEST

Zuwanderer dürfen sich nicht selbst ausschließen

thinkstock

Ehedem wurde der Fremde, selbst wenn er derselben Nation oder Volk entstammte, nicht selten misstrauisch beäugt, sobald er in die Sphäre des eigenen Lebensbereiches und der natürlich gewachsenen Umgebung eintrat. Dies Verhalten ist nicht nur logisch, sondern auch kulturell gegeben, sicherte es nicht zuletzt in grauer Vorzeit das Überleben der eigenen Gruppe, die durch äußere Gewalt, innere Zersetzung oder eingeschleppte Krankheiten bedroht werden konnte.

Als die Zivilisation zunahm, die gemeinsamen und geschützten Räume wuchsen, die Entfernungen anderseits schneller überbrückbar waren und der den Wohlstand mehrende Handel für jederman seine positiven Wirkungen entfaltete, nahm die Feindlichkeit gegenüber den Durchreisenden oder den Gästen ab.

Deutliche Spuren, mehr als das sogar, waren davon auch noch in der beginnenden Zeit des Massentourismus zu bemerken und reichen bis in unsere Zeit. Denn trotz der Aussicht auf Geld, das der nur zeitweise bleibende Urlauber mitbrachte, blieb die Skepsis bei vielen Einheimischen bestehen, sei es aus Angst vor der Veränderung oder sogar aus der Befürchtung einer Dominierung des eigenen Lebensbereiches durch die Unbekannten.

Nicht selten stieß der Reisende auch auf eine mentalitätsbedingte Ablehnung und zwar in jenen Fällen, da die Grundvoraussetzung für eine Willkommenheißung des Besuchers, eine gewisse Offenheit und Gastfreundschaft, auf Grund typbedingter Eindimensionalität nicht gegeben war und zu einer echten Fremdenfeindlichkeit ausuferte.

Fremdenfeindliches Verhalten zeigt seinen doppelbödigen Charakter ausgerechnet dort, wo gleiche Namen bei verleugneter Verwandtschaft Tür an Tür zu finden sind. Auch hier wird die Sippe geschützt, vor jenem fremden Blut, welches hier tendenziell positiv wirken, jedoch auch eine verhängnisvolle Eigentumsdebatte mit sich ziehen könnte.

Zudem bestehen in kleineren Gemeinschaften Machtstrukturen, die sich durch den Zuzug weniger kalkulierbarer und eigenständiger Individuen, in ihrer konkreten Ausprägung als Gefahr entpuppen könnten. Wohlgemerkt, es ist hier die Rede von der ganz normalen Ansiedlung sogar mittels Eigentum in einer üblichen deutschen Dorfgemeinschaft.

Wer also schon gegenüber Fremden des eigenen Volkes feindlich gesonnen ist, selbst gegen solche, die Geld mitbringen und/oder für sich selbst sorgen, aber nicht einmal in einem offenen Wettbewerb seine gelebte Kultur zu verteidigen vermag, wird von der Zeit mit vielen guten Gründen überholt. Um sich auf der neuen modernen Ebene zu bewähren, bedarf es auch der Anstrengung aller.

Wer diese unternimmt und als ursächlich neuer Staatsbürger oder Kulturfremder in einem Land wohnen will, benötigt Zugangsvoraussetzungen, Kenntnisse und Bedingungen, resp. Spielregeln-Beachtungen. Erfüllt er sie, ist er also mit jenen Gruppen kompatibel, so erhält er einer längeren Prüfung Zusagen, Erlaubnisse und Zugänge. Nur wer sich verständlich, ähnlich und passend einordnet, unter Berücksichtigung einer gewissen Bandbreite von Verhaltensweisen und individuellen Ausprägungen, wird formal zu einem gleichrangigen Mitglied einer Gemeinschaft.

Grundvoraussetzung ist dabei auch, dass der Kandidat für sich selbst sorgt und der Gemeinschaft etwas geben kann. Wenn der Fremde seine fremden Eigenarten so modifiziert, nivelliert und modernisiert, auf dass er nur privat eigenen Regeln folgt, kann aus dem Fremden der Bekannte werden. Deutschland ist seit ewigen Zeiten "durchlässig", sofern der Fremde und sein Angebot nachgefragt wurde, sich bewährte und das Vorhandene positiv ergänzte.

Doch der Fremde der fremd bleiben will, der sich in seiner Begrenztheit, in seiner archaischen Art, in seinen Wertvorstellungen aus jahrhundertealter und unzähliger Generationen Entfernung lebend separieren will, der also die Parallelexistenz als "Integration" weiterer Parallelen betrachtet, der schließt sich selbst aus und ab. Auch darum muss die alte Forderung nach "Assimilation", zumindest soweit es geht, wieder instand gesetzt werden.

Wer jenen Fremden feindlich gegenüber steht, die ihre Feindschaft erklären, handelt logisch, selbsterhaltend und in der Sache angemessen. Wer sich gegenüber Personen oder Gruppen schützt, die voraussetzungs - und bedingungslos, ohne Erlaubnis, ohne Fähigkeiten, ohne Geld und ohne lautere Absichten in einen Wohnbereich eindringen, handelt in einem wahren Sinne Menschenfreundlich gegenüber der gewachsenen Gruppe, der Gesellschaft und auch der eigenen Familie.

Mit dem ursprünglichen Begriff der Fremdenfeindlichkeit hat es nicht im Geringsten zu tun, wenn eine Gesellschaft keine Bereitschaft zeigt, für nicht Angefragte Kosten verschiedenster Art zu tragen. Der Fremde, der temporär bleibt oder sich über Jahre hinweg so qualifizierte um nachgesucht zu werden, der sich selbst trägt oder etwas beiträgt, der überdies bittet und Regeln beachtet, verwischt die Unterschiede zwischen den Gruppen. Aber auch nur er.


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