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15/12/2015 12:25 CET | Aktualisiert 15/12/2016 06:12 CET

Was passiert, wenn Schauspielpaare zusammen vor der Kamera stehen

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Wieso nur stehen Hollywoods Schauspiel-Paare so gerne gemeinsam als Liebende vor der Kamera, wo doch die jüngere Filmgeschichte klar belegt, dass das in den allermeisten Fällen unglücklich herauskommt?

Natürlich, auf den ersten Blick scheint es logisch, dass man die Rollen der Eheleute mit zwei Schauspielern besetzt, die auch privat liiert sind - das Knistern zwischen zwei Menschen, wann ließe es sich besser auf die Leinwand übertragen, als wenn es echt ist?

Dass das romantisch verklärte Fehlschlüsse sind, zeigten eindrücklich Ben Affleck und Jennifer Lopez in Gigli, Reese Witherspoon und Ryan Phillippe in Cruel Intentions, Nicole Kidman und Tom Cruise in Far away und Eyes Wide Shut - allesamt großartige Flops, mit erotischen Szenen so sexy wie ein Naturjoghurt.

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Seit einigen Tagen läuft By the Sea im Kino. Das Drama erzählt von einem zerstrittenen Ehepaar während eines Frankreich-Urlaubs, gespielt von dem Ehepaar in echt, Angelina Jolie und Brad Pitt. Jeder für sich talentierte Schauspieler - als Film-Liebhaber unerträglich. Das hat zwei Gründe.

Chemielose Paare sind humorlose Paare

Chemielose Paare sind Humorlose Paare. Warum aber fehlt überhaupt die Chemie, wenn sich zwei so hot und schön und wunderbar finden, wie sie es alle zehn Minuten irgendeinem Mikrofon offenbaren?

„Feed off from your partners play!", impfte mir damals mein Schauspiellehrer in Los Angeles ein, „ziehe deine Emotionen vom Spiel deines Partners!" Das kreiert Überraschungsmomente. Wenn sich zwei Darsteller aber in- und auswendig kennen, sind unvorhersehbare Reflexe und Reaktionen nur schwer möglich, sie werden vom Gegenüber teils antizipiert - das beste Spiel entsteht aber aus dem Unerwarteten.

Vielleicht ist es aber einfach das Leben. Es zerstampft ein Prickeln im Laufe der Jahre - dieses dann wieder auf die Leinwand zu transportieren ist für etablierte Paare oft schwieriger als für Schauspieler, die sich frisch kennenlernen.

Schaut man sich glamouröse Paare der Filmgeschichte an, gehören jene zu den Sinnlichsten, bei denen die amourösen Verstrickungen mit dem Filmpartner kurz vor oder während der Dreharbeiten begannen: Richard Burtons und Elizabeth Taylors gegenseitige Anziehungskraft in Cleopatra ist legendär.

Die Liaison von Katherine Hepburn und dem verheirateten Spencer Tracy brachte neun grossartige Filme hervor. Kurz vor Drehstart zur Der Pate-Reihe entwickelte sich die On/Off-Beziehung von Diane Keaton und Al Pacino, das Twilight-Traumpaar Kristen Stewart und Robert Pattinson entdeckte ihre Liebe am Set, genauso wie Jolie/Pitt, sie filmten gerade Mr. & Mrs. Smith.

Reichlich intime Details

Und das bringt uns zum zweiten Punkt. Als Mr. & Mrs. Jolie-Pitt gestatten sie unserem Bedarf an voyeuristischer Aufarbeitung zwar mit dem Ausplaudern von reichlich intimen Details aus ihrem Leben eine gewisse Sättigung, genau dies schmälert aber die Empfänglichkeit für Illusion.

Kaum mehr imaginäre Freiräume, die Phantasie wird gedeckelt von der Wirklichkeit: Sehe ich Angie und Brad zusammen auf der Leinwand, sehe ich ihre Family-Paraden auf Flughäfen, ich sehe Angies Tränen in syrischen Flüchtlingslagern, Angie, die von ihrer Brustamputation erzählt, von ihrer Gebärmutter-OP und den Wechseljahren auch, Angie mit Papst, mit Queen, Angie mit Angie, der älteren, die sie - laut Welt am Sonntag - gerne mal treffen würde.

Und vor allem sehe ich die beiden in endlosen Erklärungen, dass ihre Ehe nichts, aber auch gar nichts mit ihren streitenden Charakteren in By the Sea zu tun habe.

Colin Farrell, bitte übernehmen Sie das nächste Mal.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Basler Zeitung.

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