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23/10/2015 09:25 CEST | Aktualisiert 23/10/2016 07:12 CEST

Der Balztanz der Männer

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Ist "Mansplaining" überheblich? Ja. Arrogant? Ja. Aber für Frauen kränkend, gar demütigend? Ganz entschieden nein.

Der Begriff „Mansplaining" geistert derzeit durch die Medien. Er steht für das Phänomen, wenn Männer den Frauen ständig und ungefragt die Welt erklären - auf einem Gebiet, auf dem sich die Frau bestens auskennt.

Das Wort wurde 2008 aus einem Essay der Feministin Rebecca Solnit heraus geboren Wenn Männer mir die Welt erklären. Sie erzählt darin von Männern, die eine Frau im Gespräch nie zu Wort kommen lassen und auch gar kein Interesse an ihrer Erklärung haben - weil sie ja sowieso nichts weiß. Solnits Essay ist jetzt auf Deutsch erschienen.

Solnit ist die schreibende Vorkämpferin von Frauen, die Gleichberechtigung vermissen, die sich gedemütigt fühlen, als dumm abgestempelt und nicht wertgeschätzt, wenn der Mann ins Monologisieren verfällt und das weibliche Gegenüber dabei komplett ignoriert. Feministinnen machten im Welterklärer-Syndrom gar ein System zur Machtausübung aus.

Der Begriff „Mansplaining" (Deutsch: „Herrklärung") wurde zum trendigen Vorwurfswort; bei Meinungsverschiedenheiten oder zum Abwürgen einer unliebsamen Argumentation wird dem Kontrahenten einfach „Mansplaining" unterstellt.

Feministinnen warfen es gar der US-Bloggerin Hanna Rosin vor, weil sie einen Artikel mit dem Titel Das Patriarchat ist tot geschrieben hat. „Herrklärung" wird auch von empörten Frauen für Frauen benutzt.

Die Prahlerei mit dem Wissen ist natürlich grundsätzlich eine männliche Eigenschaft und, keine Frage, eine negative. Aber es geht dabei nicht um Machtanwendung gegenüber der Frau. Viel mehr ist „Mansplaining" evolutionsbiologisches Verhalten; ein stinknormaler Balztanz.

Schon bei den Primaten galten die Männchen mit dem stärksten Körper, der größten Höhle und dem größten Wissen als die aussichtsreichsten Kandidaten bei den Weibchen.

„Mansplaining" ist vor allem auch eine Generationsfrage. Persönliche Erfahrungen zeigen, dass es fast ausnahmslos Herren mit Jahrgang 1960 und älter sind, die sich zur Welterklärung gegenüber uns Frauen berufen fühlen.

Es gehört für sie ein Stück weit zur gesellschaftlichen Aufgabe - über Jahrhunderte hinweg und bis vor nicht allzu langer Zeit war es ja so, die meisten unserer Vorgängerinnen blieben von Bildung weitestgehend isoliert - da musste eben einiges erklärt werden.

„Mansplaining" ist das Relikt einer patriarchalischen Gesellschaft, die es heute so nicht mehr gibt. Einige Herren haben das offenbar noch nicht ganz mitbekommen, anderen fällt es vielleicht schwer, im fortschreitenden Alter dumme Gewohnheiten abzulegen.

Wer sich als Frau durch das unzeitgemäße, aber harmlose Pfauengebaren gedemütigt fühlt oder es als Instrument zur Machtausübung definiert, drängt sich selbst in die Opferrolle. Heutzutage sind es doch gerade die Männer, die wegen dem kleinsten Vergehen von der Gesellschaft angeklagt und vorverurteilt werden, schneller und schärfer als jede Frau.

Es fallen mir viele Beispiele ein - vom Kachelmann-Skandal bis zum Dirndl-Gate. Natürlich existieren für uns Frauen (noch immer) Missstände, aber die Männer sind heute doch die richtig armen Schweine, mal ganz ehrlich.

Hier drei Tipps im Umgang mit Herrklärern:

1) Auf eine weitere Unterhaltung mit dem Individuum verzichten.

2) Das Individuum auf mangelndes Einfühlungsvermögen und Taktgefühl hinweisen.

3) Das Individuum umerziehen. Das ist aufwändig, aber mit hinreichend Geduld funktioniert es garantiert.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Basler Zeitung.

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