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20/01/2017 05:09 CET | Aktualisiert 21/01/2018 06:12 CET

Liebe Mütter, achtet auf eure Ressourcen und seid achtsam mit euch!

Ben Welsh via Getty Images

Es gibt ein Thema, bei dem stoße ich in meinem Umfeld immer wieder auf Ablehnung: Wenn es um Achtsamkeit mit sich selbst und seinen Bedürfnissen geht. Wenn es darum geht, sich manchmal wichtiger zu nehmen, für seine Bedürfnisse und seine Grenzen einzustehen und das Kind am Sonntag um halb sechs morgens wieder zurück in sein Zimmer zu schicken, weil man noch eine Stunde länger schlafen möchte.

Viele meinen, ich würde als Mutter viel zu egoistisch handeln, denn meine Kinder sollten Priorität haben. Ich sollte mich für sie „opfern" und alles für sie tun. So bin ich aber nicht. Ich bin der Meinung, dass es auf lange Sicht nichts bringt, wenn ich mich immer hinten anstelle. Rabenmutter.

Ein Kind zu haben ist kein Computerspiel

Als Mutter, aber auch als Papa, stehe ich jeden Tag vor großen Herausforderungen, Aufgaben und Pflichten. Sich um ein Kind zu kümmern ist eben mehr, als ein Standardprogramm abzuspulen und schon funktioniert das Familienleben. Es ist kein Computerspiel. Es ist das wahre Leben.

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Weil es für Kinder auch keine Bedienungsanleitung gibt, kann ich nicht einfach bei einer Hotline anrufen, mein Problem schildern und dann an ein paar Knöpfen drehen, die mein Kind wieder richten. Mit einem Kind zusammenzuleben ist nicht nur körperlich anstrengend (wenn es z.B. wenig schläft), sondern auch emotional und mental.

Nichts bringt mich so aus der Fassung und lässt mich so unruhig werden, wie das Weinen eines Babys. Ganz automatisch reagiere ich mit meinen feinen Antennen auf diesen Hilfeschrei und möchte instinktiv das Baby hochnehmen.

Niemand anderer kann so tiefe Gefühle der Freude, der Leidenschaft, des Glücks, der Hilflosigkeit und der eigenen Grenzen auslösen. Die Bedürfnisse eines Kindes zu lesen braucht Zeit, Übung und Vertrauen in sich selbst. Das alles macht müde und kann auspowern.

Vorleben, nicht vorbeten

Meinen Kindern lege ich immer wieder ans Herz, achtsam mit sich, ihren Bedürfnissen und ihrem Körper umzugehen. Ich halte sie dazu an, auf ihre Signale zu achten, ihnen nachzugehen und sich genügend Ruhepausen zu gönnen.

Da kann es schon sein, dass sie wegen einem banalen Schnupfen von der Schule zu Hause bleiben - nicht, weil sie der Schnupfen so schafft, sondern die Gesamtsituation. Ich merke, wenn sie eine Pause brauchen - und die beginnt nicht erst bei 38,5 Grad. Gerne werde ich dafür belächelt, doch es wird eher akzeptiert, weil es ja um das Kind geht.

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Gönne ich mir hingegen bei einem Schnupfen eine Auszeit, werde ich belächelt. Ein Schnupfen? Pfff, also bitte. Deswegen bleibt man weder von der Arbeit zu Hause, noch lässt man die Kinder von den Großeltern betreuen. Als Mutter darf man sich das einfach nicht leisten.

Achtsamkeit geht uns alle an

Achtsamkeit mit seinem Körper geht nicht nur die Kinder etwas an - nur wenn wir Erwachsene mit gutem Beispiel vorangehen und achtsam mit uns sind, können Kinder davon lernen und erfahren, wie bedeutend die Signale des eigenen Körpers sind. Dieses Mal war ich ihnen kein gutes Vorbild - sie freuten sich allerdings daran, Krankenschwester spielen zu dürfen. So hat es wenigstens etwas Gutes.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf Welovefamily.

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