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02/12/2015 03:44 CET | Aktualisiert 02/12/2016 06:12 CET

Wer hat noch Platz in der Gesellschaft 4.0?

ChinaFotoPress via Getty Images

Jüngere Umfragen sagen aus, das zwischen 40 und 60 Prozent der Entscheidungsträger in der deutschen Industrie noch nie von „Industrie 4.0", der Digitalisierung der Wirtschaft, gehört haben. Diese Zahl ist verwunderlich, denn die Digitalisierung ist ja keine Zukunftsmusik, sie ist mitten im Gange und verändert unsere Arbeitswelt mit Rasanz.

Es ist daher weder ein guter Weg, Internetunternehmen als mächtige, dunkle Bedrohung darzustellen, noch unkritisch alle Innovationen hinzunehmen, welche besagte Silicon-Valley-Giganten für uns bereit halten. Stattdessen ist es höchste Zeit, darüber nachzudenken, wie wir mit den Veränderungen des digitalen Wandels in Zukunft leben und arbeiten wollen.

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Intelligente Software macht nach und nach Jobs überflüssig. Wir bestellen das Taxi und die Pizza via App und lernen Fremdsprachen in virtuellen Schulen. Bankangestellte werden durch Online-Banking ersetzt und Verwaltungsangestellte immer seltener gebraucht.

Algorithmen übernehmen Tätigkeiten

Zwar bleiben Tätigkeiten wie Altenpflege oder Kindererziehung vermutlich noch eine Weile von der Digitalisierung unberührt. Eine Studie der Universität Oxford aber zeigt, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre rund 50 Prozent aller uns heute bekannten Arbeitsplätze durch den digitalen Wandel überflüssig sein werden. Algorithmen übernehmen Tätigkeiten, die bisher von Menschen ausgeführt wurden. Die künstliche Intelligenz erledigt die Arbeit schneller, billiger und, ja, auch zuverlässiger.

Was aber passiert mit unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung, wenn es kaum noch Arbeit gibt, für die wir Menschen entlohnt werden? Auf welcher Grundlage gehen wir dann unserem gewohnten und für den Kapitalismus essenziellen Konsumverhalten nach, wenn wir doch keine Arbeit mehr haben, für die wir bezahlt werden?

Eine logische Konsequenz aus dem digitalen Wandel wäre es, Maschinen und Automaten für ihre Wertschöpfung zu besteuern. Schließlich zerstören sie nicht nur Jobs für Menschen, sondern arbeiten auch noch, ohne dafür Steuern zu zahlen. Für jeden Euro, den eine Maschine erwirtschaftet, könnte also ein Anteil in die Allgemeinheit investiert werden.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Eine andere Idee: das bedingungslose Grundeinkommen. Durch Brüche im Lebenslauf ist das Grundeinkommen eine Möglichkeit, die Armut von Menschen zu bekämpfen, die durch die neuen, smarten Apps ihren Job verlieren.

Möglicherweise wird sich aber der Kapitalismus im Zuge der Digitalisierung als nicht überlebensfähig erweisen. Denn wenn der Kapitalismus selbst die Arbeit vernichtet, entzieht er sich die eigene Grundlage und schafft sich am Ende ganz ab. Diese Variante könnte der Anfang für eine ganz neue Gesellschaftsordnung sein. Darüber nachzudenken, ist schon heute angeraten.

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