BLOG
06/12/2015 03:14 CET | Aktualisiert 06/12/2016 06:12 CET

Tagesbetreuung, Stillen, Süßigkeiten: Irgendwen stört es immer

„Na, bist Du heute nicht im Kindergarten?" fragt die Frau an der Käsetheke meinen Sohn. Er schüttelt den Kopf. „Na dann bist Du bestimmt ein bisschen krank?" fragt sie ihn. Er starrt sie an, antwortet aber nicht. „Er geht nicht in den Kindergarten", antworte ich an seiner Stelle.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

„Er geht nicht in den Kindergarten? In dem Alter? Fehlen ihm da nicht die Sozialkontakte so allein? Zu Hause bekommt er doch nicht so viel Anregung wie im Kindergarten!" Bestimmt denkt sie, er könne deswegen nicht antworten. „Ach, ich glaube, das ist kein Problem", antworte ich und gehe weiter. Irgendwer hat immer etwas auszusetzen am Weg des anderen, denke ich mir. Immer.

Vor einigen Tagen schrieb ich darüber, dass es egal sei, was die anderen sagen, denn es kommt auf das Gefühl der Familie an und darauf, seinen persönlichen Weg zu gehen mit dem sich alle wohlfühlen.

Irgendwer hat immer was auszusetzen


Die letzten Tage haben mich in meinen Gedanken noch ein wenig weiter gebracht, denn sie haben mir gezeigt, dass es wirklich immer jemanden gibt, der irgendwas am Weg eines anderen auszusetzen hat. Egal in welche Richtung wir uns bewegen, gibt es Menschen, die unsere Ansichten, unsere Haltung nicht teilen.

Als ich meinen Sohn vor einigen Monaten kurz vor seinem dritten Geburtstag im Kindergarten eingewöhnte, gab es einige Stimmen, die das überhaupt nicht guthießen: Kinder würden zu den Eltern nach Hause gehören, Kindertagesbetreuung wirke sich furchtbar auf die kindliche Entwicklung aus.

Süßigkeiten fürs Kind? Oh Gott!


Nun haben wir ihn aus guten und persönlichen Gründen wieder aus dem Kindergarten heraus genommen und er ist wieder zu Hause bei mir. Die einen Stimmen sind versiegt, dafür kommen andere Stimmen wie die der Verkäuferin: Sozialkontakte würden fehlen, Anregung für die kognitive Entwicklung, gleichwertige Spielpartner.

So wie es hier ist, zieht es sich durch die Elternschaft hindurch und mir sind so viele Situationen eingefallen, in denen es sich ähnlich zugetragen hat. Als die Tochter in den ersten eineinhalb Lebensjahren keine Süßigkeiten bekam, wurde das kritisch beäugt: Das sei doch auch nicht gesund, solche Kinder würden später über alle Maßen Süßigkeiten essen bei jeder Gelegenheit.

Als der Sohn dann vergleichsweise früh von der Tochter heimlich einen Schokotaler in den Mund geschoben bekam und ihm fortan nicht vorenthalten werden konnte was sie bekam, hieß es: So früh Süßigkeiten zu erlauben, das sei nicht in Ordnung.

Stillen ist schlecht für die Zähne?!


Als meine Tochter als Baby noch oft in der Nacht gestillt werden musste, sagte man mir, das sei nicht gut für sie, für die Zahngesundheit sowieso nicht und führe nur zu Schlafproblemen bei allen.

Als der Sohn schon im ersten halben Jahr sechs Stunden am Stück durchschlief, meldeten sich andere, die der Meinung waren, das sei für die Milchproduktion aber sehr ungünstig und das Baby brauche doch nachts die Kalorien. Ob ich ihn nicht lieber wecken wolle?

Verrückt wird es auch, wenn ich an meine Arbeit denke und die Zerrissenheit der Meinungen dazu: Arbeiten zu gehen mit kleinen Kindern sei nicht richtig und die Workshops und Vorträge an den Wochenenden würden doch das Familienleben stören.

Auf der anderen Seite die Eltern, die gerade bemängeln, dass ich nicht Vollzeit und zu ganz normalen Arbeitszeiten arbeiten würde, denn ohne ein solches Muttervorbild sei das doch nicht gut für die spätere Identitätsentwicklung der Kinder und sie würden mich als nur als Hausfrau und Mutter wahrnehmen.

An der Stelle, an der kritische Kommentare aufhören fangen andere an. Welche Entscheidung wir auch treffen, andere beäugen sie manchmal mit gerunzelter Stirn. Machen wir es der einen Seite Recht, ist es der anderen vielleicht unlieb. Deswegen macht es keinen Sinn, in Seiten zu denken.

Das Leben ist kein Dogma, schon gar nicht das mit Kindern. Den einen richtigen Weg können nur wir für uns selber finden und dadurch auch das Vertrauen, dass er für uns genau richtig ist.

Dieses Vertrauen in uns und unsere Entscheidungen ist es, das uns gut durch den Alltag bringt, das uns unsere Meinung beherzt und selbstbewusst sagen lässt. Wir können es niemals allen recht machen - aber uns und unserer Familie. Nur da muss es passen.

Kennt Ihr das auch?

Die Autorin betreibt den Blog Geborgen Wachsen.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.