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17/03/2016 12:00 CET | Aktualisiert 18/03/2017 06:12 CET

Think like a Freak! Andersdenker erreichen mehr im Leben

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Kinder haben keine Angst, ihre wildesten Ideen zu teilen. Sofern Sie den Unterschied zwischen einer guten Idee und einer schlechten erkennen, kann das Entwickeln einer Schiffsladung von Ideen, auch ausgefallenen, nur eine gute Sache sein. Wenn es darum geht, Ideen zu entwickeln, ist das ökonomische Konzept der "freien Verfügung" zentral. Hat man sich eine schreckliche Idee ausgedacht?

Kein Problem - handeln Sie einfach nicht danach. Zugegeben, schlechte Ideen von guten zu trennen ist nicht leicht. Ein Trick, der bei uns funktioniert, ist eine Abkühlungsfrist. Ideen erscheinen fast immer brillant, wenn sie ausgebrütet werden; daher handeln wir nach einer neuen Idee mindestens 24 Stunden lang grundsätzlich keinesfalls.

Es ist bemerkenswert, wie stinkig manche Ideen nach nur einem Tag in der Sonne werden.

Letzten Endes stellen Sie möglicherweise fest, dass nur jede zwanzigste Idee es wert ist, verfolgt zu werden - aber Sie wären womöglich nie auf diese eine gekommen, solange Sie nicht bereit wären, kindlich mit allem herauszuplatzen, was Ihnen durch den Kopf wanderte.

Sobald es also ums Probleme lösen geht, kann es sich wirklich auszahlen, seinem inneren Kind nachzueifern. Es beginnt alles damit, in kleinen Dimensionen zu denken. Wenn Sie jemanden treffen, der sich in der Rolle eines Vordenkers oder Intellektuellen gefällt, ist eines seiner am liebsten gehörten Komplimente, als »großer Denker« bezeichnet zu werden.

Nur zu, versuchen Sie es und sehen Sie zu, wie seine Brust vor Stolz schwillt. Wenn die betreffende Person so reagiert, können wir Ihnen Brief und Siegel darauf geben, dass sie kein Interesse daran hat, wie ein Freak zu denken.

Was heißt das überhaupt, zu denken wie ein Freak?

Zu denken wie ein Freak bedeutet, in kleinen Dimensionen zu denken, nicht in großen. Warum? Bekanntermaßen ist über jedes große Problem von Leuten, die viel gescheiter sind als wir, schon endlos nachgedacht worden. Die Tatsache, dass es nach wie vor ein Problem ist, bedeutet, dass es viel zu schwierig ist, als dass man es vollständig knacken könnte.

Solche Probleme sind hartnäckig, hoffnungslos komplex, voll von fest verwurzelten und falsch ausgerichteten Anreizen. Sicher, es gibt einige wirklich brillante Leute da draußen, und die sollten wahrscheinlich in großen Dimensionen denken. Für den Rest von uns bedeutet das Denken in großen Dimensionen, dass sie viel Zeit damit zubringen werden, gegen Windmühlen zu kämpfen.

In kleinen Dimensionen zu denken wird Ihnen zwar nicht viele Punkte bei dem typischen großen Denker einbringen, aber zumindest gibt es doch ein paar beachtenswerte Befürworter unserer Herangehensweise. Sir Isaac Newton zum Beispiel. "Die ganze Natur zu erklären ist eine zu schwierige Aufgabe für irgendeinen einzelnen Menschen oder sogar für irgendein einzelnes Zeitalter", schrieb er.

"Es ist viel besser, ein Weniges mit Gewissheit zu tun und den Rest für andere übrigzulassen, die danach kommen, als alle Dinge durch Mutmaßung zu erklären, ohne sich über irgendeine Sache zu vergewissern." Möglicherweise sind wir beide voreingenommen. Vielleich glauben wir nur deswegen an die Macht des Denkens in kleinen Dimensionen, weil wir im großdimensionalen Denken so schlecht sind.

Es gibt kein einziges großes Problem, das wir auch nur annähernd gelöst haben; wir knabbern nur um die Ränder herum. Jedenfalls sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es viel besser ist, kleine Fragen zu stellen als große. Hier sind ein paar Gründe:

  1. Kleine Fragen werden ihrer Natur nach seltener und womöglich überhaupt nicht gestellt und untersucht. Sie sind Neuland für wahres Lernen.
  2. Da große Probleme normalerweise eine dichte Masse ineinander verschlungener kleiner Probleme sind, können Sie mehr Fortschritte machen, indem Sie ein kleines Stück des großen Problems anpacken, als dadurch, dass Sie auf grandiose Lösungen eindreschen.
  3. ede Veränderung ist schwer, aber die Chancen, bei einem kleinen Problem eine Verbesserung einzuleiten, sind viel größer als bei einem großen.
  4. Das Denken in großen Dimensionen ist definitionsgemäß eine Übung in Ungenauigkeit oder sogar Spekulation. Wenn Sie in kleinen Dimensionen denken, sind die Einsätze womöglich vermindert, aber Sie können wenigstens relativ sicher sein, dass Sie wissen, wovon Sie sprechen.

Das klingt ja nun großartig in der Theorie, aber funktioniert es auch wirklich? - Wir gehen mal davon aus, dass unsere eigene Erfolgs- und Erfahrungsgeschichte ja sagt.

Obwohl wir nicht viel gegen die weltweite Geißel der Verkehrstoten unternommen haben, konnten wir sehr wohl ein Schlaglicht auf eine Kategorie hochriskanten Verhaltens werfen, das zuvor übersehen worden war: das Zufußgehen unter Alkoholeinfluss.

Statt das gewaltige Problem von Unterschlagung in Unternehmen anzugehen, verwendeten wir Daten von einer kleinen familiengeführten Bagel-Lieferfirma in Washington, um in Erfahrung zu bringen, welche Faktoren Leute dazu veranlassen, bei der Arbeit zu stehlen (schlechtes Wetter und stressige Feiertage beispielsweise).

Obwohl wir nichts unternommen haben, die Tragödie von Todesfällen durch Schusswaffen im Kindesalter zu lösen, haben wir sehr wohl einen viel größeren im Kindesalter zuschlagenden Killer herausgehoben: Badeunfälle im Garten hinterm Haus.

Diese bescheidenen Erfolge sehen noch belangloser aus, wenn man sie mit denen anderer, gleichgesinnter in kleinen Dimensionen Denkender vergleicht. Billionen Dollar sind für weltweite Bildungsreformen ausgegeben worden, zumeist unter Fokussierung darauf, das System irgendwie wieder instand zu setzen - kleinere Klassenzimmer, bessere Lehr- und Studienpläne, mehr Erfolgskontrolle und so fort.

Aber wie wir früher schon angemerkt haben, wird das »Rohmaterial« im Bildungssystem – die Schüler und Schülerinnen selbst - häufig übersehen. Gibt es womöglich irgendeine kleine, simple, billige Maßnahme, die Millionen Schülern helfen könnte?

Jedes vierte Kind, so stellt sich heraus, hat ein suboptimales Sehvermögen, während sage und schreibe 60 Prozent von »Schülern mit Lernproblemen« Schwierigkeiten mit dem Sehen haben. Wenn Sie nicht gut sehen können, werden Sie nicht gut lesen, und das macht die Schule besonders schwer.

Und dennoch ist selbst in reichen Ländern das Augenscreening häufig lax, und es gibt nicht viele Forschungsprojekte über den Zusammenhang zwischen schlechtem Sehvermögen und Schulleistung. Drei Wirtschaftswissenschaftler - Paul Glewwe, Albert Park und Meng Zhao - stießen in China zufällig auf dieses Problem.

Sie beschlossen, in der armen und entlegenen Provinz Gansu praxisnah Forschung zu betreiben. Von den ungefähr 2500 Viert-, Fünft- und Sechstklässlern dort, die Brillen brauchten, trugen nur 59 eine. Also führten die Ökonomen ein Experiment durch. Sie boten der Hälfte der Schüler kostenlose Brillen an und ließen die andere Hälfte weitermachen wie bisher.

Die Kosten, zirka 15 Dollar pro Brille, waren durch ein Forschungsstipendium der World Bank gedeckt. Wie schnitten die neu bebrillten Schüler ab? Nachdem sie ein Jahr lang eine Brille getragen hatten, zeigten ihre Testergebnisse, dass sie 25 bis 50 Prozent mehr gelernt hatten als ihre nicht augenkorrigierten Altersgenossen - dank einer Brille für nicht mehr als 15 Dollar!

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch"Think like a Frak!" von Steven D. Levitt und Stephen J. Dubner. Es erschien 2016 im Goldmann Verlag.

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