BLOG
19/10/2015 12:55 CEST | Aktualisiert 19/10/2016 07:12 CEST

5 Dinge, die ich meinen kinderlosen Freundinnen gerne sagen würde

thinkstock

Ich bin mir sicher, wir haben alle schon zahlreiche Artikel, Blogbeiträge oder Memoiren gelesen, in denen sich jemand wünscht, er könnte in der Zeit zurückreisen, um seinem kinderlosen ich etwas zu sagen. Es gibt unzählige "Dinge, die ich gerne meinen schwangeren Freundinnen sagen würde"-Listen und andere ähnliche Artikel, die durch das Internet geistern und weltweit Eltern ein zustimmendes Nicken entlocken.

Aber ist das wirklich hilfreich? Ist es wirklich nötig, dass wir all unseren Singlefreunden in allen Einzelheiten die Nachteile des Elternseins erklären? Das Chaos, die Quälerei, der Schlafmangel, die Verwirrung? Und bereiten wir sie wirklich auf das vor, was auf sie zukommt?

Diese "Ratschläge" basieren alle auf der alten Redensart "Wart's nur ab" -- einer Mentalität, mit der ich mich nie richtig anfreunden konnte. Einerseits, weil es herablassend ist und andererseits, weil es nicht wie das Pauken für die Abschlusstests ist. Nur weil du dich fleißig daran erinnerst, dass du deinen faulen Samstagmorgen im Bett eines Tages nicht mehr haben wirst, heißt das nicht, dass du irgendwie deine Fähigkeit, damit zurecht zu kommen, wenn es dann soweit ist, schärfst.

Ich bin mir einfach nicht sicher, ob das Sinn hat. Mag ich es, wenn mir Eltern, deren Kinder schon aus dem Haus sind, wieder und wieder sagen, ich solle jeden Moment mit meinen kleinen Kindern genießen? Diese Ratschläge sind gut und schön, aber genau in dem Moment genieße ich es höchstwahrscheinlich nicht, mein Urin-nasses Kleinkind aus dem Autositz zu heben.

Wie dem auch sei, ich kann meinen inneren Heuchler nicht mehr in Zaum halten. Also lass mich dir ein Beispiel für "Ratschläge" geben, die ich meinen kinderlosen Freunden geben würde, damit sie ein paar Sachen noch einmal so richtig genießen, bevor der Nachwuchs kommt.

Genieße, dass du deine Einkäufe alleine erledigen kannst. Sehr bald schon wird alles, was mehr als ein kleiner Zwischenstopp ist, furchtbar werden. Du solltest die Tatsachen, dass du ohne Windeltasche, tragbarem Autositz und weinendem Baby im Arm in die Bank, in den Supermarkt oder auf die Post gehen kannst, zu schätzen wissen.

Schlaf ist heilig.Schlaf so viel, wie möglich. Fühl dich niemals schuldig, wenn du an einem Samstag mal noch eine Stunde im Bett liegen bleibst. Du wirst ziemlich bald alles darum geben, alleine in deinem Bett zu liegen deinen Kaffee so langsam trinken zu können, wie es dir passt. Sei dankbar, dass dich keine kleinen Füßchen ins Gesicht treten, während du langsam versuchst in den Tag zu starten.

Genieße Telefonate ohne Panik zu verbreiten, solange du es noch kannst. Niemand schreit im Hintergrund. Niemand verlangt danach, dass du seinen Hintern abwischst. Niemand wiederholt lauthals alle Obszönitäten oder Geständnisse, die du verzweifelt ins Telefon jammerst.

Sei dir der Tatsache bewusst, dass dein gutes Benehmen am Telefon bald Vergangenheit sein wird. Jetzt musst du den Hörer nicht mit der Hand abdecken, um deinen Nachwuchs zurecht zu weisen. Jetzt kann dich die Person am anderen Ende ohne Ablenkungen verstehen und hören. Jetzt unterbrichst du deine Freundin nicht mitten im Satz und beendest das Gespräch, weil soeben mehrere Liter Milch auf den Küchenboden gegossen wurden.

Geh zur Happy Hour. Täglich, wenn es geht. Aus der Happy Hour wird ziemlich bald die Unhappy Hour. Eine Tageszeit, zu der weder du noch dein Partner mit den Kindern allein gelassen werden will. Wir Veteranen nennen sie auch die Hexen Hour. Kinder jammern, das Abendessen muss zubereitet werden und alle sind richtig stinkig. Viel Glück bei dem Versuch, genau jetzt abzuhauen, um dich mit deiner besten Freundin auf ein paar Martinis zu treffen!

Genieße dein Essen. "Was meinst du damit?" fragst du unschuldig. "Essen Eltern etwa nicht?" Natürlich tun wir das. Aber stell es dir so vor: Du bist die einzige Kellnerin und die einzigen Mahlzeiten, die du zu dir nehmen darfst, gibt es nur in deinem Restaurant. Während du arbeitest. Während du isst, musst du deinen Kunden weiterhin jeden Wunsch erfüllen. Aber das sind nicht die netten, ordentlichen, dankbaren Kunden. Das sind die A****loch-Kunden, die nie zufrieden mit dem Essen sind, Sachen runterschmeißen, und kaputt machen und immer noch extra Soße wollen. Bon Appetit!

Das mag witzig klingen und vielleicht auch kathartisch für die erschöpften Eltern, die mit jedem Wort heftiger zustimmend nicken. Aber es ist mit Sicherheit nicht lehrreich. Wieso sollte eine 27-Jährige, die in einer viel zu langen Schlange in der Bank ansteht sich denken "Das ist so entspannend! Ich könnte ein schreiendes Baby an der Backe haben, aber stattdessen bin ich alleine!"?

Das ist genauso, wie wenn ich jeden Morgen aufwachen und Gott dafür danken würde, dass ich heute Nacht keine Windel gebraucht habe. Werde ich eines Tages sehnsüchtig zurück an eine Zeit denken, in der ich noch keine Blasenschwäche hatte? Vermutlich. Aber trotzdem hat es keinen Sinn, sich selbst zu quälen, weil man mal eine andere Sicht auf die Dinge hatte.

Vielleicht sind wir alle dazu verdammt in die Rückblickfalle zu tappen. Vielleicht wird niemand jemals wirklich zu schätzen wissen, was er hat, bis es weg ist. Soweit es angemessene Ratschläge gibt, möchte ich diese kleine Weisheit mit dir teilen: Versuche zu genießen, was du hast und mach dich nicht dafür fertig, dass du vor zehn Jahren noch nicht wusstest, was du heute weißt und behalte deine unnützen Ratschläge für dich.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Mommy, for Real.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Video:

Video: Nach diesem Video denkt ihr vielleicht anders über andere Mamas auf dem Spielplatz

Hier geht es zurück zur Startseite