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23/02/2016 06:01 CET | Aktualisiert 22/02/2017 06:12 CET

5 Gründe, warum ich in meinen 20ern lieber verreiste, als Karriere zu machen

travel in 20s

Als ich noch zur Schule ging, war es so gut wie beschlossene Sache, dass ich mit 25 Jahren entweder Anwältin oder Journalistin sein würde. Du weißt schon, jemand mit festen Überzeugungen, Geld und beruflichem Erfolg.

In der Schule tat ich mir leicht und ich ging gerne hin und da meine Eltern mich unterstützten, ich über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügte und mir alle Türen offen standen, schien ich mich automatisch auf eine dauerhafte, sichere und erfolgreiche Karriere zuzubewegen.

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Doch dann reiste ich nach Südafrika, bevor ich zu studieren begann, und dadurch veränderte sich alles. Ich vermute, dass ich immer schon einen gewissen Hang dazu hatte: Ich war schon immer ein bisschen anders, ein bisschen ausgeflippt, ein bisschen alternativ, doch Afrika entfachte ein Feuer in mir, von dem ich vorher nicht gewusst hatte, dass es unbedingt entzündet werden musste, ein Feuer, das man nicht mehr löschen könnte.

Dieses Feuer war meine starke Leidenschaft fürs Reisen, meine tiefe Sehnsucht nach der Freiheit, sich den Fahrtwind um die Nase blasen zu lassen und meine große Begeisterung dafür, die Welt zu entdecken und sie wie ein Schwamm aufzusaugen.

Da ich seither mein Leben nach dieser Leidenschaft ausgerichtet habe und mittlerweile schon über dreißig bin, möchte ich fünf Gründe mit euch teilen, warum ich in meinen 20ern lieber verreiste, als Karriere zu machen.

1. Jung, Single und frei

Selbst in meinem reifen Alter von 31 Jahren (hust, hust!) wird mir klar, dass ich wahrscheinlich nie wieder dieses Gefühl von Jugend, Freiheit und völliger Unbekümmertheit spüren werde, die ich in meinen 20ern erfahren durfte.

Obwohl ich immer noch viel unterwegs bin und mir Verreisen noch immer wichtiger ist als meine Karriere, habe ich dennoch den Eindruck, dass sich sogar in dem knappen Jahr seit meinem dreißigsten Geburtstag meine Prioritäten allmählich zu verändern beginnen. Ich will die Welt immer noch in mich aufsaugen, aber am liebsten vor 23 Uhr und ich will dafür auch keinen Kater haben müssen!

Meine Zwanziger waren eine sehr ausgelassene Zeit voll von unglaublichen Erinnerungen, wilden Nächten und schönen Begegnungen -- ich kann mir nicht vorstellen, dass ich all dies auch ganz genau so erlebt hätte, wenn ich 40 Stunden pro Woche zusammen mit Menschen, die nicht viel anders sind als ich selbst, hinter einem Schreibtisch verbracht hätte.

Dass ich in meinen 20ern jung, frei und Single war und die Gelegenheit genutzt habe, die das launenhafte Schicksal mir bot, ist definitiv einer der wichtigsten Gründe, weshalb ich froh bin, dass ich in meinen 20ern lieber verreiste, als Karriere zu machen.

2. Verfügbares Einkommen und gute Gesundheit

Dass ich nach dem Motto: „jung, Single und frei" leben konnte lag auch daran, dass ich in meinen 20ern ein verfügbares Einkommen hatte. Es war zwar nicht groß, doch ich musste zu dieser Zeit mein Geld für niemanden oder nichts anderes ausgeben. Da ich keinen Anhang hatte und keine Hypothek abbezahlen musste, hatte ich all das Geld, das ich verdiente, für mich allein. Da mein ganzer Besitz aus einem heruntergekommenen Mini Cooper und einem Laptop bestand, konnte ich auch gut sparen.

Zusätzlich zu meinem verfügbaren Einkommen hatte ich auch noch das Glück, dass ich mich bester Gesundheit erfreute. Wenn man jung und gesund ist, hat man sogar noch mehr Geld zur Verfügung weil es einem dann nichts ausmacht, auch mal auf Komfort zu verzichten und bei Freunden auf dem Fußboden zu schlafen oder eine ganze Woche lang nur Bohnen aus der Dose zu essen.

Durch all diese Dinge konnte ich Geld sparen und ich brauchte auf meinen Reisen auch weniger Geld. Man lebt auf jeden Fall günstiger, wenn es einem egal ist, wo man schläft, was man isst und mit wem man sich ein Auto teilt. In meinen 20ern konnte ich diesen kostengünstigen, sorglosen Lebensstil perfekt nützen und ich bin froh, dass ich es getan habe, als ich es konnte.

3. Es bleibt noch viel genug Zeit zum Arbeiten übrig

Da ich bereits in meinen 20ern zur Expertin für Finanzen wurde, stellte ich dadurch fest, wie leicht man sparen kann, wenn man arbeitet und dass ich die Gelegenheit dazu wahrscheinlich auch noch habe, wenn ich einmal älter bin.

Ich kenne Leute, die schon früh sesshaft geworden sind und in ihren Zwanzigern ein arbeitsreiches, karriereorientiertes Leben geführt haben und die versprechen, dass sie verreisen werden, wenn sie in Rente sind. Für mich ergibt das keinen Sinn. Mir ist aufgefallen, dass es sehr viel schwerer ist, wieder herauszukommen, wenn man erst einmal in der Tretmühle feststeckt.

Also sagte allein mein logischer Verstand mir, dass ich verreisen sollte, BEVOR ich, wenn überhaupt jemals, in die Tretmühle einsteigen würde -- es bleibt einem noch viel genug Zeit zum Arbeiten, wenn man älter ist, und ich möchte vorher unbedingt lieber noch ein wenig Spaß haben, vielen Dank!

4. Verreisen zu können ist ein Geschenk, das man nutzen sollte

Außerdem will ich niemals vergessen, dass es ein Geschenk ist, wenn man verreisen kann, und dass ich das Glück hatte, dieses Geschenk zu erhalten.

Keiner Generation vor uns standen all die technischen, finanziellen und sozialen Mittel zur Verfügung um sich die Welt so ansehen zu können, wie wir das heutzutage tun. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass ich von Geburt an Staatsbürgerin eines Landes mit einer Leitwährung, einer beständigen Regierung und einem größtenteils willkommenen Pass bin, was mein Glück mehr als verdoppelt.

Spiegelte meine Leidenschaft fürs Verreisen einfach nur ein unnötiges Bedürfnis der privilegierten britischen Mittelschicht wieder?

Lange Zeit hielt ich das für sehr ungerecht. Spiegelte meine Leidenschaft fürs Verreisen einfach nur ein unnötiges Bedürfnis der privilegierten britischen Mittelschicht wieder?

Auf gewisse Weise war das so und es stimmt auch noch immer. Doch mittlerweile sehe ich es auch als Geschenk an, dass ich die Möglichkeit zum Verreisen habe und ich bin froh dass ich dieses Geschenk erhalten habe. Wie bei jedem anderen Geschenk will ich auch dieses nicht missbrauchen.

Stattdessen versuche ich, dankbar dafür zu sein, und das jeden Tag. Und ich weiß bis heute nicht, wie ich meine tiefe Dankbarkeit noch mehr zum Ausdruck bringen könnte als dieses Geschenk zu nutzen und die tollen Möglichkeiten zu genießen, die es mir eröffnet. Deshalb finde ich, dass ich meine aufrichtige und unendliche Dankbarkeit dafür, dass ich dieses Geschenk erhalten habe, am besten zum Ausdruck bringen kann, indem ich so viel wie möglich verreise.

5. Das Leben ist kurz

Wie wir alle wissen ist das Leben kurz. Das bekommen wir oft zu hören und wir sagen es auch selbst ziemlich häufig. Das liegt ganz einfach daran, dass es stimmt. Auch wenn wir es zwischen all unseren Plänen fürs Wochenende und unseren alltäglichen To-Do-Listen manchmal vergessen. Wir vergessen, dass das Leben wirklich kurz ist.

Klar, wir müssen alle auf irgendeine Weise Geld verdienen und früher oder später können wir nicht mehr dauernd so leben, als ob es kein Morgen gäbe. Und trotzdem können wir auch ab und zu mal etwas riskieren und Entscheidungen treffen, um uns unsere Träume zu erfüllen. Egal wovon wir träumen, wovon auch immer wir später bereuen könnten, es in diesem kurzen Leben nicht getan zu haben.

Man sollte sein Leben genießen und das Leben ist kurz und wenn mein Leben vorbei ist, dann möchte ich so viel von der Welt gesehen haben wie nur irgendwie möglich. Und wenn mein Leben morgen vorbei ist, dann kann ich mir zumindest sicher sein, dass ich mein Möglichstes getan habe!

Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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