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15/10/2015 05:05 CEST | Aktualisiert 15/10/2016 07:12 CEST

Was tun, wenn ihr die Idole eurer Kindheit trefft?

Stephan Kroener

24.000 Münchner auf dem Königsplatz, und ich mitten drin beim Danke-Konzert. Das Herz der Isarmetropole schlug zu den Beats von Headlinern wie den Sportfreunden Stiller, Donots, der rauchigen Stimme Grönemeyers und natürlich den einzigartigen Jugendfreunden aus Hamburg: Fettes Brot. Verehrt, verkannt, verschmäht aber nie vergessen.

Lange künstlerische Pausen, bis sie zurück zu ihren „Leuden da draußen" fanden. Immer wieder geänderter Musikstyle, Sprung von der einen in die andere Schublade, immer verspielt, immer am Ausprobieren, aber nie erwachsen geworden, bleiben sie die "Teenanger vom Mars".

Urgesteine des deutschen HipHop

Was sagt man, wenn man diese Urgesteine des Deutschen HipHop trifft? Chillig am Backstagezelt wartend, mit schweifendem Blick über die Menschenmassen, standen der König des Rap Boris und Altvater Doktor Renz vor mir. Lässig das Bierchen, natürlich mit Bügelverschluss, nippend, und dem ARD-Team ein Interview gebend.

Man erkennt an seinen Idolen wie alt man selbst geworden ist. Würdevoll angegraut, den Silberlook wie Rennstreifen eines älteren Maseratis tragend, und natürlich stilecht mit Skatercapi und Highschooljacke. Der Geist ist Rock 'n' Roll aber das Fleisch ist weltlich schwach.

Immer noch die coolen Jungs von nebenan

Vielleicht gab es keinen Kicker im VIP-Bereich, vielleicht war ihnen einfach nur langweilig, aber da standen sie, also ran und irgendwas sagen. Wie das schüchterne Mädchen, das mit den coolen, älteren Typen in der Raucherecke quatschen will, pirsche ich mich heran, lass die Fernsehfuzzis reden und schieße ein Selfie über die Schulter, man weiß ja nie, wann sie wieder weg sind.

Dann die Chance, ich grüße sie noch selbstbewusst, ja, ich blogge und würde sie gerne was fragen. Handshake, viel leichter als erwartet, kein kompliziertes Ding, eher businesslike und seriös, ohne zu viel Kraft und viel zu erwachsen. „Ja dann, schieß mal los."

Hirntot

„Ja geil, dass ihr hier seid. Wie findet ihr das und so?" Hirntot, keinen blassen Schimmer was man eigentlich hätte fragen können. Aber Boris holt aus - wenn auch etwas gelangweilt, lässt er mich nicht im Regen stehen - und antwortet gewissenhaft. Wie großartig das ist, was die Leute hier auf die Beine gestellt haben, wie wichtig das ist und dass wir weiter machen sollen.

Ein Typ macht sich an Doktor Renz ran und fragt nach einem Foto. Fünf Sekunden zum klar werden, zu wenig. „Was denkt ihr so aus'm Norden..., so über das hier im Süden". Ich hätte alles fragen können, kommt jetzt mal wieder eine politische Single wie „An Tagen wie diesen" oder „Kontrolle", was würden sie gerne mal Innenminister de Maizière sagen, was denken sie über diese Krise, etc. Egal irgendwas.

Norden Süden

Aber der König rettet den Hofnarren erneut und sagt in knackigen Worten: „Junge, das ist jetzt völlig egal, Norden Süden, wen interessiert das in dieser Situation noch, im Endeffekt sind wir alle gleich". Zum Schluss ein letztes Foto, auf dem ich nun älter aussehe als die beiden zusammen.

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