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26/02/2014 03:10 CET | Aktualisiert 28/04/2014 07:12 CEST

Stimme aus der Gen Y: Unser Leben ist kein Ponyhof!

Verwöhnt! Aufgewachsen in materieller Sicherheit. Auf Kosten der Eltern lebend. Die Welt ihnen zu Füßen liegt. Ichbezogen. In den Tag rein lebend. Selbstverwirklichend. Gen Y = ein Leben auf dem Ponyhof!

Ist das so? Ich glaube nicht.

Es mag durchaus sein, dass wir die erste Generation sind, die sehr behütet aufgewachsen ist. Das möchte ich gar nicht abstreiten. Nichtdestotrotz betrachten wir unser Leben aus der eigenen Perspektive und vergleichen uns dabei nicht mit vorherigen Generationen. Wir sind keine Herde auf dem Ponyhof, auch wenn uns das häufig unterstellt wird. Auch wir haben Ängste und Sorgen die uns umhertreiben und unser Leben ist sicherlich kein Wunschkonzert. Wir wirken nach außen sehr selbstbewusst - hat man uns so beigebracht. Blickt man bei der Gen Y jedoch hinter die Fassade, begegnet einem häufig Unzufriedenheit, Unsicherheit und Selbstzweifel. Kopfkino mit vielen vielen Fragezeichen.

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©EliteDaily

Ein Beispiel: Mehr und mehr wird davon gesprochen, dass wir im Zeitalter des „war for talents" leben. Ja, das mag ja wohl sein. Aber noch sind wir nicht da. Noch schwimmen wir nicht in Jobangeboten. Noch sind wir nicht auf diesem „Luxuslevel" angekommen. Im Gegenteil, ich behaupte sogar, auch meine Generation ist mit Angeboten konfrontiert, die teilweise mittel- bis hochgradig unverschämt sind. Das erlebe ich ganz oft. Von Unternehmen werden riesige Anforderungslisten erstellt und gleichzeitig mit Peanuts bezahlt! Da hab ich fast Pipi in den Augen, wenn ich mir von Freunden oder Bekannten solche Geschichten erzählen lasse. Denn kein normaler Mensch kann sich damit eine eigene Bude leisten, geschweige denn ein schönes Leben bezahlen. Letztens hat eine heute 29-jährige, in einer WG lebend, zu mir gesagt: „Juhu, seit einem Monat bewege ich mich endlich nicht mehr in den roten Zahlen!" Und die hat schon vier Jahre gearbeitet. Fakt also: 29, in einer WG lebend, Auto vom Papa gesponsert und das erste mal am Ende des Monats schwarze Zahlen schreiben. DAS ist die Realität, die in meiner Generation sehr häufig anzutreffen ist. Ich finde nicht, dass das nach einer ach so verwöhnten Generation klingt. Ich bin heute 28, habe studiert und promoviert und könnte mir, wenn ich jetzt wollte, finanziell keine eigenen Kinder leisten. Und wenn ich das dann mit meinen Eltern vergleiche, die mit 28 und 32 schon drei Kinder gemacht, ein fettes Haus gebaut und ein eigenes Unternehmen geführt haben, fange ich an, an mir selbst zu zweifeln. Jetzt denken Sie vielleicht, dieser Vergleich ist absurd, man kann heute mit früher nicht vergleichen, dann hören Sie auf, uns mit früher zu vergleichen. Uns nachzusagen, wir seien verwöhnt und machen uns die Welt, wiedde wiedde wie sie uns gefällt. Das ist in vielen Fällen nämlich nicht so. Und um noch eine Schippe drauf zu packen: Es ist Bullshit zu behaupten, Gehalt sei uns nicht wichtig. Doch! Ist es! Auch wir brauchen ein Gehalt, mit dem wir uns ein erfülltes Leben bezahlen können. So wünschen sich bei einer Umfrage der Gen Y 90 Prozent einen Job, mit dem sich ein eigenständiges Leben finanzieren lässt. Und wünsche sind oftmals dann vorhanden, wenn Bedürfnisse nicht erfüllt werden ...

Auch die Behauptung wir seien die erste Generation, die nicht nach dem Motto lebt: „Meine Kinder sollen es mal besser haben als ich", ist nicht ganz richtig. Zwar wollen wir auch, dass wir im Moment, im Hier und Jetzt glücklich sind - wird uns ja auch tagtäglich in allen möglichen Zeitschriften so empfohlen, aber gleichzeitig stellen wir uns die Frage, wie in Gottes Name sollen wir das denn hinbekommen? Wohnung finanzieren, arbeiten gehen, Kinder finanzieren und bald dann womöglich auch noch für die Eltern sorgen!?! Wir bewundern unsere Eltern, die es geschafft haben, uns Studium, Urlaub und Autos zu finanzieren. Aber wir verlieren mehr und mehr den Mut daran, zu glauben, wir könnten das nachleben, was uns unsere Eltern so großartig vorgelebt haben. Das macht uns traurig.

Gen Y = ichbezogen. Sagt wer? Leider viele. Angefangen von Blog-Beitrag-Autoren bis hin zu großen Zeitschriften wie Time Magazin, New York Times, Stern und die Zeit. Uns fehle es an Empathie, wird behauptet. Empathie, die es uns erlauben würde, Mitgefühl für andere Menschen zu entwickeln. Und wir seien verliebt in uns selbst. Kleine Narzissten, die sich gerne öffentlich zur Schau stellen und bei „Germanys next Topmodel" und „Deutschland sucht den Superstar" auf der Bühne stehen wollen. Aber mal ganz ehrlich: Ist es denn so schlimm, sich toll zu finden und das auch zu zeigen? Und Möglichkeiten, die sich uns bieten, zu nutzen? Das Leben ist endlich, soll es doch vielfältig sein und uns Spaß machen. Schließlich wäre es doof, am Ende des Lebens auf eine langweilige Zeit zurückblicken zu müssen und zu erkennen, das so einige Chancen verpufften, weil man sich nicht traute, Dinge einfach mal auszuprobieren. Deshalb finde ich es gut, dass wir uns trauen, Dinge einfach mal anzupacken und auszuprobieren. Damit lässt sich uns jedoch nicht unterstellen, wir seien selbstbezogen. Wir brauchen unser soziales Umfeld. Es ist uns wichtig. Sowohl im Privatleben als auch im Job.

So. Ich fand, das musste mal gesagt werden :-)

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