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23/12/2015 09:13 CET | Aktualisiert 23/12/2016 06:12 CET

Leben im Klimawandel: Ranga Pallawala aus Sri Lanka

Auf der Pariser Klimakonferenz haben die Paris Staats- und Regierungschefs beschlossen, dem Klimawandel entgegenzutreten. Bis ins Jahr 2040 und darüber hinaus reicht der Zeithorizont, aber schon heute sind die Folgen des Klimawandels spürbar. Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam hat Menschen in besonders betroffenen Ländern nach ihren Erfahrungen und Auswegen gefragt. Der Klimaaktivist Ranga Pallawala berichtet aus Sri Lanka.

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Maisfeld eines Kleinbauern in Sri Lanka (Foto: Oxfam)

Sivarasa stammt aus einem abgelegenen Dorf in Vaharai im Distrikt Batticaloa an der Ostküste von Sri Lanka. In den 60 Jahren seines Lebens war er mit vielen Herausforderungen konfrontiert. 2008 musste er wegen des Bürgerkrieges sein Haus und sein Land verlassen, 2009 zog er zurück.

Das Kriegsende gab ihm neue Hoffnung und er begann erneut, sein Land zu bestellen. Er baute drei Pflanzenarten an, hauptsächlich Reis für die Familie, Gemüse und Getreide wie Mais. Die Überschüsse verkauft er, um das Familieneinkommen zu sichern.

Sivarasa steht vor einer weiteren, größeren Herausforderung: Sivarasas Wissen über den Ackerbau beruht auf seiner Erfahrung und Kenntnissen, die von seinem Vater weitergegeben wurden. Doch die natürlichen Systeme haben sich drastisch verändert, Wettervorhersagen sind kaum mehr möglich.

So begann Sivarasa den Boden stets mit dem einsetzenden Monsun Ende September zu bearbeiten und bepflanzte das Land während der starken Regengüsse im Oktober und November. Seine Reisfelder wurden bis Februar mit ausreichend Regen versorgt, was für eine gute Ernte und ausreichend Nahrung für seine Familie sorgte.

Die Situation hat sich nun geändert und Sivarasa ist ratlos: Der Regen setzt viel später ein und die Hauptregenzeit ist kürzer. Viele Jahre lang war seine Ernte von schweren Überschwemmungen betroffen, die die Pflanzen wegspülten, oder von Dürre, die kurz vor der Erntezeit einsetzte. Sivarasa weint, wenn er sich an den Albtraum erinnert, seine ganze Ernte aufgrund von sich abwechselnden Überschwemmungen und Dürren in drei aufeinanderfolgenden Jahren zu verlieren.

Mit Krieg und Klimawandel mussten Sivarasa und seine Familie gleich zwei schwere Schläge einstecken. Aufgrund des beschädigten Getreides und der wenigen Nahrungsmittel sah er sich gezwungen, als Arbeiter auf den Baustellen in Batticaloa anzuheuern. Sein einst würdiges Leben betrachtet er heute als minderwertig, seinen Enkeln tritt er als Bauer mit Stolz gegenüber, als Arbeiter jedoch nicht. Sivarasa ist verärgert, dass er die Regenfälle nicht mehr so genau wie früher vorhersagen kann. Er glaubt, der Regengott wolle ihn ärgern.

In Anbetracht dieser Veränderungen denkt Sivarasa, dass die Bauern auf jede Art von Niederschlagsverteilung eingestellt sein sollten. Er baut nun verschiedene Getreidesorten auf einem Feld an. Er sagt, dass die Reisfelder bei ausreichenden Regenfällen seine Familie ernähren können.

Bei geringen Niederschlägen würden hingegen Getreide und Gemüse gedeihen. Er probierte außerdem neue Anbaumethoden für Gemüse aus: Die Samen werden vor der Regenzeit in Pflanzbeuteln angepflanzt und höher gelagert und sind so vor Überschwemmungen geschützt. Kurz nach den Überschwemmungen werden die Beutel wieder auf die Felder gebracht. So werden die Pflanzen vor der Trockenheit geschützt, die infolge der kürzeren Regenzeit auftritt.

So versucht Sivarasa, gegen die Naturgewalten zu kämpfen, um die Versorgung seiner Familie zu gewährleisten und ein würdevolles Leben zu leben.

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