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18/12/2015 10:19 CET | Aktualisiert 17/12/2016 06:12 CET

Leben im Klimawandel: Ephraim Nyondo aus Malawi

Auf der Pariser Klimakonferenz haben die Paris Staats- und Regierungschefs beschlossen, dem Klimawandel entgegenzutreten. Bis ins Jahr 2040 und darüber hinaus reicht der Zeithorizont, aber schon heute sind die Folgen des Klimawandels spürbar.

Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam hat Menschen in besonders betroffenen Ländern nach ihren Erfahrungen und Auswegen gefragt. Der Journalist Ephraim Nyondo berichtet aus Malawi.

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Maisbauer Dyton Mateyu inspiziert sein Feld (Foto: Oxfam)

Der Fluss Matiti, so erinnert sich Dyton Mateyu aus dem Dorf Makwinja, war schon immer Teil ihrer Gemeinde. Genau wie die Bäume war er Teil ihres natürlichen Erbes.

In dem Fluss konnten sie baden, ihre Kleider waschen und Wasser schöpfen. Sie hätten jedoch nie gedacht, dass sie sich eines Tages mit leeren Mägen an ihn wenden und ihn um Hilfe bei der Produktion ihrer Nahrungsmittel bitten würden.

„Als Maisbauer pflanzte ich den Mais während der ersten Regenfälle im Dezember an. Ich ernte jedes Jahr mindestens 40 Säcke. Noch nie zuvor habe ich mich darüber beklagt, nicht genug zu essen im Haus zu haben", erzählt Mateyu.

Dann brach die Hölle los: „Zwischen dem 9. und 15. Januar dieses Jahres strömte der Regen. Wege, Straßen und trockene Flussbetten verwandelten sich in ein Meer aus Leid. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen."

Die Niederschlagsmenge im Januar 2015 war viermal so hoch wie üblich, die Überschwemmungen vertrieben mehr als 1,3 Millionen Menschen aus ihrer Heimat und hinterließen mehr als 670 Tote und hunderte Vermisste. Die Fluten spülten nicht nur Getreide und Vieh hinweg, sondern auch Boden und Fische.

Das Malawi Vulnerability Assessment Committee (MVAC) berichtete im Juni, dass in Malawivon Oktober diesen Jahres bis März nächsten Jahres drei Millionen Menschen Hunger leiden würden. Dies ist der höchste Wert seit zehn Jahren.

Um die Auswirkungen abzufedern, hat die Regierung 130 Millionen US-Dollar investiert, um den Nachbarländern Mais abzukaufen. Wenn Mateyu von den Plänen der Regierung hört, Menschen wie ihm zu helfen, kann er nur lachen „Wie lange wollen sie das machen? Wir müssen lernen, uns an diese Wetterveränderungen anzupassen. Diese Wettermuster werden wir nicht mehr los", sagt er.

Wie bei den meisten Bauern war Mateyus Garten voller Sand, all seine Maispflanzen von den Wassermassen fortgerissen. Mateyu bepflanzte den Garten erneut in der Hoffnung, die Wärme des Bodens nutzen zu können. Aber es half nichts. Der Regen war abgezogen. Die heiße Sonne hatte den Kampf gewonnen und seine Pflanzen vertrockneten. Ab März setzte die Trockenheit ein, die von Experten als Dürre eingestuft wurde.

„Meine Ernte bestand aus einem Sack. Das war in all meinen Jahren als Bauer noch nie vorgekommen. In einem guten Jahr ernte ich beinahe 60 Säcke Mais. Dieses Jahr ist katastrophal", erzählt er.

„Aber die Tragödie dieses Jahr hat uns gelehrt, neu zu überdenken, wie wir den Fluss nutzen. Wir dachten darüber nach, wie wir den ganzjährig wasserführenden Fluss und seine fruchtbaren Ufer für den Anbau von Feldfrüchten nutzen können, die bis zur nächsten Anbausaison ausreichen würden."

Als die Einheimischen überlegten, wie sie den ganzjährig wasserführenden Fluss nutzen könnten, war die Catholic Development Commission bereits seit Oktober vor Ort. Die Organisation brachte ein Projekt auf den Weg, das die Einheimischen dabei unterstützt, sich von den Folgen der Naturkatastrophen zu erholen.

Im Rahmen des Projekts wurden Mateyu und 50 andere darin geschult, ihr Land zu bewässern und Feldfrüchte anzubauen, während sie auf die nächste Anbauperiode warten. Nach der Schulung erhielten sie Tretpumpen und Starthilfen wie Saatgut und Dünger, um den Ackerbau zu erleichtern.

Mit den fünf Tretpumpen, die unter 50 Bauern verteilt wurden, haben die Bauern eine Chance, in einem 50 Hektar großen Feuchtgebiet bis Ende September ausreichend Nahrungsmittel zur Versorgung ihrer Familien zu erzeugen, ohne auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein.

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