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28/12/2015 08:55 CET | Aktualisiert 28/12/2016 06:12 CET

Leben im Klimawandel: Bargigul Tohirova aus Tadschikistan

Auf der Pariser Klimakonferenz haben die Paris Staats- und Regierungschefs beschlossen, dem Klimawandel entgegenzutreten. Bis ins Jahr 2040 und darüber hinaus reicht der Zeithorizont, aber schon heute sind die Folgen des Klimawandels spürbar. Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam hat Menschen in besonders betroffenen Ländern nach ihren Erfahrungen und Auswegen gefragt. Die Bäuerin Bargigul Tohirova berichtet aus Tadschikistan.

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Bargigul Tohirova auf ihrem Feld (Foto: Oxfam)

„Assalom!" Mein Name ist Bargigul Tohirova und ich bin Bäuerin. Ich lebe im Dorf Gulobod im Distrikt Vose in Tadschikistan. Mein Land liegt in Zentralasien und teilt sich eine lange Grenze mit Afghanistan. Ich habe vier erwachsende Kinder; zwei von ihnen leben mit ihren Familien bei mir im Haus. Wir bauen Weizen, Kartoffeln, Kohl, Paprika, Tomaten und Gurken an. In diesem Jahr haben wir auch begonnen, Blumenkohl zu pflanzen.

Und ja, der Klimawandel hat Auswirkungen auf unser Leben. Seit kurzem ist das Wetter wirklich unberechenbar. In den letzten drei Jahren waren die Sommer viel heißer als gewöhnlich, auch Überschwemmungen haben zugenommen. Die Ernten waren nicht besonders gut. Das bedeutet geringere Einnahmen für meine Familie, aber auch für die anderen Bauern in der Gemeinde. Ich habe das Gefühl, dass sich mein Blutdruck erhöht hat. Das hat sicher mit den heißeren Sommern zu tun.

Aber bisher konnten meine Familie und ich uns ganz gut an den Klimawandel anpassen. Nach zwei heißen Sommern und auf Anraten eines Agronoms von Oxfam in Tadschikistan habe ich begonnen, neue Sorten von Saatgut zu verwenden, die besser an das heiße Klima angepasst sind und weniger Wasser benötigen.

Als meine Nachbarn ungefähr 70 Prozent ihrer Setzlinge während des heißen Wetters verloren haben, hatte ich nur einen Verlust von 10 Prozent. Ich habe das neue Saatgut mit einer neuen Technik kombiniert, der Tiefendüngung, was für eine noch bessere Ernte gesorgt hat. In diesem Jahr war die Ernte viel besser als erwartet.

Meine Nachbarinnen haben mich nach meinem Geheimnis gefragt und ich habe eine Erzeugergemeinschaft von Bäuerinnen gegründet, die aus zwölf Frauen aus der Nachbarschaft besteht. Ich unterstütze die anderen Frauen mit meinem neu gewonnenen Wissen und wir tauschen Ideen und Erfahrungen über die Landwirtschaft im Allgemeinen aus. Meine Nachbarinnen setzen nun die gleichen Saatgutsorten ein wie ich.

Ich muss sagen, dass der Klimawandel zwar natürlich Auswirkungen auf mich und meine Familie hat, mir jedoch nicht allzu viele Sorgen bereitet. Ich nehme Medikamente gegen meinen Bluthochdruck. Ich lasse mich von Experten beraten und bespreche mich mit meinen Nachbarinnen.

Ich denke über Wege nach, wie ich meine Produktion steigern kann, um meine Enkelkinder besser zu ernähren und Überschüsse zu produzieren, von denen wir Schulbücher, Haushaltsgegenstände oder ein Telefon kaufen können. Obwohl der Klimawandel es schwieriger macht, mehr zu produzieren, war die Ernte in diesem Jahr dank externer Unterstützung und der Hilfe Allahs sehr gut.

Für diesen Winter plane ich, ein Gewächshaus zu bauen, um Kohl und Setzlinge für die nächste Anbauperiode zu ziehen. Und in der nächsten Anbauperiode möchte ich Tropfbewässerung einsetzen, um meine Produktion weiter zu verbessern.

Und wenn Allah so will, wird uns dies gelingen.

Studie aus Schweden: Der Klimawandel kommt viel schneller als gedacht - Schuld daran sind nicht nur wir

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