BLOG
18/12/2015 06:38 CET | Aktualisiert 18/12/2016 06:12 CET

Leben im Klimawandel: Musa Chifataake aus Nigeria.

Auf der Pariser Klimakonferenz haben die Staats- und Regierungschefs beschlossen, dem Klimawandel entgegenzutreten. Bis ins Jahr 2040 und darüber hinaus reicht der Zeithorizont, aber schon heute sind die Folgen des Klimawandels spürbar. Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam hat Menschen in besonders betroffenen Ländern nach ihren Erfahrungen und Auswegen gefragt. Der Bauer Musa Chifataake berichtet aus Nigeria.

2015-12-17-1450350277-5886313-nigeria.jpg

Musa Chifataake (Foto: Oxfam)

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Mein Name ist Musa, ich lebe in Chifataake, einem Dorf mit etwa 300 Familien in der Local Government Area Igabi im Bundesstaat Kaduna in Nigeria. Ich bin 48 Jahre alt. Mein Dorf ist nach einem berühmten Fluss benannt, der einst durch das Dorf floss. Wörtlich übersetzt bedeutet es „Schwalbenhändler". Dieser große Fluss führte das ganze Jahr über Wasser und war Heimat von Krokodilen und anderen Reptilien. Er war so gefährlich, dass viele Händler, die auf Eseln, Pferden, Kamelen oder zu Fuß reisten, beim Überqueren ihr Leben verloren.

Kinder spielten am Fluss oder holten Wasser für ihre Eltern

Ich erinnere mich noch lebhaft, wie wir als Kinder am Fluss spielten oder für unsere Eltern Wasser holen gingen. Vor etwa fünfundzwanzig Jahren begann der Fluss auszutrocknen und heute können wir nur noch erahnen, wo sich der einstige Fluss befand. Es ist nur ein trockenes Bett übriggeblieben, das an einigen Stellen zur Regenzeit etwas Wasser führt. Die Tiere sind natürlich verschwunden. Nicht einmal mehr ein Frosch ist zu finden.

Vor 15 oder 20 Jahren setzten die Regenfälle im April oder Mai ein und hielten bis in den November an. Heute beginnt der Regen jedoch erst im Juni zu fallen und endet zwischen September und der zweiten Novemberwoche. Bis vor wenigen Jahren konnten wir noch ein paar Teiche und Bäche während der Trockenzeit nutzen, aber sie sind nun ausgetrocknet.

In den frühen 80er Jahren habe ich ungefähr zwei Morgen Land bestellt, einen Sack Dünger ausgebracht und etwa sieben Säcke Mais geerntet. Heute bringe ich etwa vier Säcke Dünger aus und ernte ungefähr sechs Säcke Mais, und das auf einem größeren Stück Land.

Die übermäßige Hitze Anfang dieses Jahres hat meine Tomaten verbrannt. Ich habe mein investiertes Geld nicht zurückverdient, geschweige denn Gewinn gemacht. Einige Bauern mussten Teile ihres Besitzes verkaufen, um Geld für die neue Anbauperiode zu beschaffen. Die übermäßige Hitze hatte nicht nur Auswirkungen auf die Pflanzen, sondern auch auf die Menschen. Wir mussten draußen schlafen, um etwas frische Luft atmen zu können. Viele Kinder sind in dieser Zeit krank geworden.

Der verspätete Regen in diesem Jahr hat wahrscheinlich keine großen Auswirkungen auf unsere Ernte, weil wir verbesserte Setzlinge verwenden.

Als ich zum ersten Mal vom Klimawandel gehört habe, dachte ich, das geht nur das Ausland etwas an. Die letzten Entwicklungen haben uns gezeigt, dass der Klimawandel Realität ist und uns direkt hier in Chifataake betrifft.

Wir beobachten regelmäßig, wie Menschen aus der Stadt mit großen Lastwagen in unsere Gemeinden kommen, um Bäume für Brennholz zu fällen. Wir verstehen nun, dass nicht nur die Natur, sondern menschliches Handeln die Auswirkungen des Klimawandels verschlimmern kann. Wir hoffen, dass die Regierung strengere Maßnahmen ergreift, um Handlungen zu verhindern, die den Klimawandel verstärken.

Studie aus Schweden: Der Klimawandel kommt viel schneller als gedacht - Schuld daran sind nicht nur wir

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite