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06/04/2016 07:33 CEST | Aktualisiert 07/04/2017 07:12 CEST

Warum konvertieren so viele Flüchtlinge?

Eine neue Mode nimmt Einzug in den deutschen Kirchen, die nur auf den ersten Blick verwundern mag. Wie bereits die Tageszeitung "Die Welt" im vergangenen Jahr berichtete, lassen sich immer mehr Afghanen und Iraner in Deutschland taufen. Sie wollen Christen werden, während deutsche Mitglieder weiterhin den Kirchen und ihren Steuern den Rücken kehren.

Der Berliner Pfarrer Gottfried Martens erklärt das Phänomen gegenüber der "Welt" und zeigt sich selbst erstaunt. Sonntags platze seine Kirche aus allen Nähten. Mittlerweise gehörten 600 Iraner und Afghanen zu seiner Gemeinde. 150 habe er allein bis Herbst 2015 getauft und jede Woche kämen neue Flüchtlinge, die Gemeindemitglieder werden wollen. Man habe extra einen neuen Gemeindesaal hinter der Kirche bauen müssen.

Der Pfarrer betont, er verlange vor einer Taufe rund drei Monate Taufunterricht gemeinsam mit einem Dolmetscher, der ins Persische und Afghanische übersetzen könne. Dabei sei er auch fordernd. Die Zehn Gebote müssten sitzen, das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis, die Sakramente und natürlich erwarte er, dass die Taufbewerber regelmäßig an den Gottesdiensten und am Gemeindeleben teilnehmen. Immer wieder gebe es Gemunkel, der Übertritt zum Christentum passiere aus rein tatktischen Gründen, um leichter Asyl zu erhalten. Doch da passe man sehr auf. Zudem müsse man schon ein enorm guter Schauspieler sein, um alle Instanzen auszutricksen. Viele Taufbewerber hätten sich sogar schon in ihrer Heimat dem christlichen Glauben zugewandt und sind vor dem Islam geflohen.

Gestützt wird diese Analyse durch eigene Recherchen. Eine internationale protestantische Freikirche, die zum Schutz der Sicherheit ihrer Mitglieder nicht namentlich genannt werden will, ist nach den reinen Zahlen inzwischen die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft in den größeren Städten Afghanistans. Gerade junge Männer mit Internetanschluss würden die Freikirche geradezu überrennen. "Man spürt da eine ganz tiefsitzende Sehnsucht nach Freiheit und der christlichen Botschaft der Liebe", berichtet ein Pastor der Kirche.

Nach all den Jahren und Jahrzehnten Krieg und Chaos habe der christliche Glaube mit seiner Botschaft der Liebe in diesen Ländern eine Attraktivität, die man als Mensch im säkularisierten Westen gar nicht nachvollziehen könne. Da Konvertiten im Islam der Tod drohe, sei die Hinwendung zum Christentum alles andere als ein Trick, um leichter Asyl zu bekommen. "Das braucht Mut und innere Entschlossenheit", gibt der Pastor zu bedenken.

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