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21/04/2016 12:57 CEST | Aktualisiert 22/04/2017 07:12 CEST

Untergang: Die EU geht den Weg der Vereinigten Arabischen Republik

Piccell via Getty Images

Es war eine so schöne Idee und doch genauso unüberlegt wie der Euro: Reisen durch Europa ohne Schlagbäume und Grenzkontrollen. Man wollte innerhalb der EU die völlige Reisefreiheit und im Gegenzug die Außengrenzen der Europäischen Union so gut sichern, dass die Binnengrenzen sinnlos werden.

Spätestens seit Sommer 2015 wissen wir: das alles funktioniert nicht. Es gibt weder eine sichere Kontrolle der EU-Außengrenzen noch ein funktionierendes europäisches Asylsystem. In Nationen wie Griechenland ist beides willentlich oder aus Überforderung kollabiert. Man lässt die Menschenmassen gewähren. Damit ist nicht nur das Schengen-Abkommen über den Wegfall der Grenzkontrollen innerhalb der EU obsolet, sondern auch das das Dublin-Abkommen ist hinfällig. Dieses bestimmte, dass immer jene Nation für das Asylverfahren zuständig ist, die ein Asylsuchender als erstes betritt.

Die Europäer sind inzwischen entnervt und verstehen (zurecht) nicht, warum sie die hausgemachten Probleme des Nahen Ostens daheim lösen sollen, während die reichen arabischen Nationen um den Persischen Golf herum entspannt in der Sonne liegen. Wie soll man auch verstehen, dass Regeln scheinbar keine Bedeutung mehr zu haben scheinen. Die Verträge über den Euro? Makulatur! Die Regeln über den Grenzschutz? Hinfällig! Die Abkommen über das Verfahren von Asylbegehren in der EU? Wertlos.

Wir Menschen brauchen jedoch Verlässlichkeit, um uns sicher zu fühlen. "A nation that cannot control its borders is not a nation", sagte der frühere US-Präsident Ronald Reagan. Und selbst erklärte Linke wie Jakob Augstein betonen: "Wir brauchen eine Leitkultur". Augstein mahnt, wenn es eine solche Leitkultur nicht gäbe, dann sei es jetzt höchste Zeit, sie zu erfinden. Sonst könne unsere Gesellschaft nicht zurechtkommen und Multikulti würde scheitern. Eine sonderbare Dialektik der Geschichte warte auf uns alle: Am Ende werde Deutschland beides haben, Leitkultur und Multikulturalität, so Augstein.

Wer sein Volk wie unmündige Halbwüchsige behandelt, und in Sachen EU ist das in Deutschland seit je her der Fall, wird das Verhalten von unmündigen Halbwüchsigen provozieren. Die Briten machen uns vor, wie eine erwachsene Demokratie solche Fragen angeht: man lässt das Volk furchtlos abstimmen. Denn es gibt keinen Grund zur Furcht, wenn man sein Volk als mündig und erwachsen begreift. Egal ob über die Auflösung des eigenen Landes (Schottlandreferendum) oder über den Austritt aus der EU. Die Briten haben vor nichts Angst. Für die EU, vor allem aber für Deutschland, geht es um alles.

Denn wenn die Briten tatsächlich aus der EU aussteigen, vielleicht im Gegenzug sogar Mitglied der nordamerikanischen NAFTA werden, sind wir Deutschen ziemlich allein zu Hause. Osteuropa verabschiedet sich schon längst informell aus der EU als politischer Union und auch die Niederländer und Österreicher besinnen sich ihrer nationalen Interessen. Zurück bleibt Deutschland mit den lahmen und kranken Mitgliedern. Das ist das Ende.

Erstaunlich ist dabei, dass die EU als politische Union überhaupt so lange gehalten hat. Ein Blick in Geschichte erinnert an eine andere komplett naive Idee, und zwar jene, alle Araber in einem einzigen Land zu vereinen. Der Versuch hieß "Vereinigte Arabische Republik", währte von 1958 bis 1961 und endete in einem Desaster. Die sich auch "Union" nennende Gemeinschaft wurde im Februar 1958 begründet und umfasste den Nordjemen, Syrien und Ägypten.

Die anderen arabischen Nationen sollten nach und nach dazustoßen. Das ganze Ding flog den Initiiatoren aber schon bald lautstark um die Ohren. Transnationale Gebilde funktionieren einfach nicht, da jeder nur so lange mitmacht, wie es sich für ihn rechnet oder wie er gezwungen wird. Selbst wenn, und das ist im arabischen Fall bemerkenswert, dieselbe Sprache gesprochen und dieselbe Kultur geplegt wird. Andere unrühmliche Beispiel reichen vom römischen über das osmanische Reich, Österreich-Ungarn, Jugoslawien bis zur Sowjetunion.

Eine sich selbst zerlegende EU ist also in allerbester Gesellschaft. Aber keine Sorge. Auch danach wird sich die Erde um die Sonne drehen.

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