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05/12/2016 13:30 CET | Aktualisiert 06/12/2017 06:12 CET

MH370: Der Geisterflug wird immer obskurer

ipopba via Getty Images

Erinnern Sie sich noch? Eine riesige Boeing 777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH370 hebt 2014 zu einem Nachtflug in Richtung Peking ab. Der Flug geht jeden Tag, alles ist Routine, doch dann - zack - verschwindet das Flugzeug von einer Sekunde zur anderem vom Radar und aus allem, was es gibt. Monatelange Suchaktionen beginnen, doch von dem Flieger keine Spur. Würde man an Übersinnliches glauben, könnte man meinen, der Flug wäre in ein Paralleluniversum geraten. Doch die Realität wird deutlich irdischer sein.

Bis heute völlig ungeklärt

In einem Teil der Öffentlichkeit ist das Thema längst in die Vergessenheit geraten, andere glauben, es sei geklärt, seit der malaysische Premierminister auf Grundlage sehr dünner Daten bekannt gegeben hatte, dass der Flug irgendwo in Richtung Antarktis ins Meer gestürzt sei. Einzelne angespülte Flugzeugteile aus Afrika sollten diese These später stützen, doch sie tun es nicht, wie Florence de Changy, eine französische Journalistin sehr klar darlegt. Der Fall MH370 ist bis heute ungeklärt und das aktuell größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte.

Es mangelt an allem, nur nicht an Theorien

Im Augenblick gibt es dutzende konkurrierender, sich teilweise sogar krass widersprechender Theorien - und nicht mehr.

  • Die führende Theorie geht davon aus, dass MH370 im Indischen Ozean zertrümmert ist und in Ostafrika angespülte Vorflügel der Beweis dafür seien. Leider ist diese Theorie, wie sich auf der Hong Kong Book Fair durch die Arbeiten der hervorragen französischen Journalistin de Changy zeigte, auch nur eine sehr wackelige Theorie und kein bißchen mehr.
  • Manche Fantasten gehen davon aus, dass der Flieger in einem Stück in den indischen Ozean gefallen sei. Doch es wäre das erste Mal in der Geschichte der Luftfahrt, dass ein Flugzeug sich in einem Stück ins Meer bohrt. Wasser ist bei einem Sturz so hart wie Beton. Mehr als eine wilde Fantasie von technischen Rechenkünstlern ist dies also nicht.
  • Andere meinen, Flug MH370 stehe irgendwo auf einer Militärbasis und die Geheimdienste hätten ihre Finger im Spiel. Dabei vergessen sie, dass es nicht die Geheimdienste gibt, sondern viele konkurrierende, die alle Satelliten haben. Wäre es etwas in dieser Art, hätte ein Geheimdienst den anderen verraten. Daher sind auch das wohl nur Hirngespinste.
  • Desweiteren kursieren zahlreiche Entführungsszenarien. Manche gehen davon aus, dass es einen klassischen Entführungsversuch oder gar ein 9/11-artiges geschehen gab, das misslungen ist. Andere spekulieren über die erste „Cyberentführung" der Welt, bei dem das Flugzeug vom Boden oder aus dem Passagierraum heraus durch Hacker digital übernommen wird, ohne dass die Piloten dagegen etwas tun könnten.
  • Dann wäre da noch die lange gepflegte Legende, MH370 sei absichtlich von einem geistesgestörten Piloten absichtlich im Meer versenkt worden, also ähnlich dem Szenario der Germanwings, die in Frankreich an einen Berg geflogen wurde. Für diese Theorie finden sich außer wilden Spekulationen keinerlei Belege. Jetzt hat sogar eine umgekehrte Hypothese Konjunktur, nach welcher der Kapitän des Fluges zum Helden hochgeschrieben wird, weil er angeblich ein 9/11-Szenario verhindert habe.

Das alles sind noch nicht einmal Theorien, es sind unbewiesene Gedankenspiele. Die zuvor erwähnte Journalistin Florence de Changy stellt sogar die „Theorie der südlichen Flugroute" mit ihren sehr eingehenden Recherchen substantiell und glaubhaft in Frage. Was auch immer an Bord von Flug MH370 passiert sein mag, ist es wichtig nach über zwei Jahren festzuhalten: Alles vermeintlichen Erklärungen sind bis heute noch nicht einmal handfeste Theorien. Es sind bloße Hypothesen auf sehr dünnem Eis.

Das Klügste zu diesem Thema hat vermutlich der hcoh angesehe Chef der Fluglinie „Emirates" in einem Interview für den SPIEGEL gesagt: "In der Geschichte der zivilen Luftfahrt hat es - abgesehen von Amelia Earhart 1939 - nicht einen einzigen Unfall über Wasser gegeben, der nicht wenigstens zu fünf oder zehn Prozent nachvollziehbar gewesen wäre. MH370 dagegen ist einfach verschwunden. Für mich ist das verdächtig, und ich bin total unzufrieden mit dem, was bislang herausgekommen ist".

Alle bisherigen Schlagzeilen zu diesem Thema waren völlig wertlos, wenn nicht sogar irreführend. Die Untersuchungen sind heute keinen Meter weiter als noch im Jahr 2014. Wenn auf etwas das Wort „Mysterium" passt, dann auf diesen Fall. Man lasse sich daher von zu Erklärungen etikettiererten Sekulationen besser nicht in den Glauben versetzen, das Rätsel sei auch nur ansatzweise geklärt. Die entsprechenden Nachrichtenagenturen sollten hier auch aus Gründen des Respekts vor den Angehörigen der Passagiere vielleicht etwas mehr Zurückhaltung üben. Vielleicht werden wir nie erfahren, was mit MH370 geschehen ist. Doch das ist allemal besser als jeden Tag eine neue Hypothese durchs Dorf zu jagen.

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