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16/04/2016 14:17 CEST | Aktualisiert 17/04/2017 07:12 CEST

Fall Böhmermann: Verkauft das ZDF!

Grafissimo via Getty Images

Man mag es kaum glauben, aber scheinbar denkt man im Bundeskanzleramt in Berlin tatsächlich ernsthaft darüber nach, einer Strafverfolgung gegen Jan Böhmermann auf Wunsch der Türkei nachzukommen. Das tagelange Zögern der Bundesregierung in der Causa Jan Böhmermann erkläre sich mit einem handfesten Streit innerhalb der Koalition, berichtet Spiegel Online.

Das Kanzleramt (CDU) und das Auswärtige Amt (SPD) hätten sich in den vergangenen Tagen nicht auf eine gemeinsame Linie zu dem Begehren des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoan einigen können, ein Strafverfahren nach Artikel 103 (Majestätsbeleidigung) des Strafgesetzbuches gegen den Satiriker zu ermöglichen.

Es wird also immer peinlicher das Gezerre um die Einflussnahme eines fremden Staatsoberhaupt in unsere Presse- und Kunstfreiheit. Weil darüber ohnehin heute viele Kollegen schreiben, stellen wir uns lieber einmal die Frage: Wie geht es eigentlich gerade Jan Böhmermann? Und was macht er? Das ist keineswegs nur rhetorisch gemeint. Immerhin steht der junge Mann unter einem gewaltigen Druck von allen Seiten. Keiner braucht mir erzählen, dass eine Eskalation diesen Ausmaßes wirklich beabsichtigt war.

Es konnte natürlich auch niemand ahnen, dass ausgerechnet die Bundeskanzlerin Herrn Böhmermann in einem Telefon mit dem türkischen Ministerpräsidenten in den Rücken fällt und den Eindruck erweckt, auch in Deutschland habe die Pressefreiheit ihre Grenzen. Das Witzige daran ist, sie hat sogar Recht.

Gerade das ZDF ist ja offensichtlich ein Staatsfunkt erster Güte und kaum unabhängiger von der Politik in Bund und Ländern als etwa IRIB 1 von den Mullahs in Teheran. Die Problematik führte unlängst bis zum Bundesverfassungsgericht, wo die Kläger zwar Erfolg hatten, die Konsequenzen aber leidig sind. Denn jetzt müssen zwar ein paar Politiker aus dem unsäglichen Fernsehrat entfernt werden, dafür rücken Vertreter anderer gesellschaftlicher Gruppierungen nach. Die Oberzensurbehörde des ZDF bekommt also nur neues Personal, Freiheit geht anders.

Der Fall Böhmermann zeigt, was jetzt zu tun ist: Das ZDF müsste entstaatlicht und verkauft werden. An Murdochs FOX, an Sky oder, wenn man die Satire liebt, ans russische Gasprom. Die Kollegen dort haben schon den russischen Medienmarkt "erfolgreich" auf Kurs gebracht. Aber im Ernst. Das ZDF ist überflüssig, es nervt und kostet unnötig Geld.

Die ARD mit ihren dutzenden von Sendeanstalten genügt völlig, um den staatlichen Informationsauftrag zu erfüllen, im Grunde würde auch PHOENIX ausreichen. Irgendeine internationale Finanzholding wird sich schon finden, die das ZDF kaufen, die Politiker von dort vertreiben und den GEZ Beitrag deutlich senken würde. Vor allem aber gäbe es ein peinliches Chaos wie im Fall Böhmermann dann nicht mehr.

Denn wenn die privaten Sender erst einmal einen Beitrag senden, neigen sie dazu, hinter ihren Leuten zu stehen und verbitten sich jede politische Einflussnahme. Das kann man recherchieren, es stimmt tatsächlich und es macht auch Sinn. Denn solche politischen Tiraden wie sie das ZDF immer mal wieder gerne aufführt, verschrecken Werbekunden.

Ein privates ZDF würde alles dafür tun, um einen "Fall Böhmermann" gar nicht erst zu einem Politikum werden zu lassen. Böhmermann aber, so stellt sich die Sachlage bei einer Zusammenschau dar, hat man erst machen lassen, um sich dann beim ersten Hüsteln der Kanzlerin in die Büsche zu schlagen. Typisch Behörde und nichts anderes ist das ZDF. Eine Behörde die so tut als sei sie ein Fernsehsender. So steht Herr Böhmermann jetzt alleine da. Und was sollte er tun? Weitermachen natürlich.

Wenn seine Anwälte der Meinung sind, sein Murksgedicht sei durch die Kunst-, Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt gewesen, dann kann es nur eine Antwort geben: Böhmermann muss sofort wieder auf Sendung gehen. Man muss ihn stützen, schützen und ihm eine Bühne geben, statt ihn jetzt zu verstecken wie einen missratenen Sohn, der Nachbars Auto geschrottet hat. Derzeit hat aber offenbar niemand so recht Mut zu tun, was logisch und richtig wäre.

Hier in Arabien (ich sitze in der Redaktion in Beirut) wäre der Reflex ein "Jetzt erst recht". Wenn irgendein Machthaber irgendwo brüllt, wird der Deutsche aber ganz ängstlich und sucht die Schuld immer erst mal bei sich. Nicht gut und nicht klug, vor allem im Umgang mit dem nahöstlichen Kulturkreis. Also, Herr Böhmermann, auf gehts. Wo und wann sieht man Sie wieder in Aktion?

Und wer das ZDF kaufen möchte, soll sich bitte melden!

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