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21/04/2016 11:39 CEST | Aktualisiert 22/04/2017 07:12 CEST

Die Iraner haben gewonnen

Photo by David Stanley via Getty Images

Nach dem Abschluss der Atomverhandlungen mit dem Iran vor einigen Monaten konnte man den Eindruck gewinnen, der Weltfrieden stehe kurz vor dem Durchbruch. Journalistenkollegen überschlugen sich mit Lob für die Verhandlungsergebnisse und gebrauchten so ziemlich alle Euphemismen, die der Duden zu bieten hat, um die Ergebnisse der Dauerschacherei um die iranische Atombombe hochzuloben.

Dabei ist die Sachlage eine ganz andere: die Iraner haben gewonnen, der Westen hat verloren. Es mag sein, dass der Iran dank des jahrelangen Verhandelns seine Atombombe jetzt nicht mehr binnen Wochen bauen kann, sondern ein paar Tage länger dafür braucht. Mehr ist aber nach Auffassung von Experten nicht erreicht worden. Man kann auch von der rechtslastigen israelischen Regierung halten, was man will, aber ihre Analyse ist richtig.

Sie kritisierte vor allem, dass alle westlichen Ziele der Verhandlungen nicht erreicht wurden und der Iran extrem nah am Besitz von Nuklearwaffen dranbleibt. Der Iran hat also alles bekommen, was er wollte, der Westen wurde mit wohlfeilen Worten eingeseift. So krass muss man es benennen.

Die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran werden aufgehoben, massiv Gelder freigegeben und internationale Konzerne stehen Schlange, um im Iran einen ordentlichen Reibach zu machen. Westliche Politiker geben sich ein Stelldichein nach dem anderen und Teheran wird von Geschäftsleuten geradezu gestürmt. Dabei wird gerne vergessen, dass der Iran von einem totalitären, theokratischen Regime regiert wird, das weltweiten Terror unterstützt und die eigene Bevölkerung unterdrückt.

Minderheiten haben nichts zu lachen und die Zahl der Exekutionen ist unter dem vermeintlich moderaten Präsidenten Rohani in die Höhe geschossen.

Die Bevölkerung wird nach dem Ende der Sanktionen mit noch größerem Wohlstand durch Ölgelder ruhiggestellt und ein paar Lockerungen bei der islamischen Kleiderordnung tun ihr Übrigens, um eine gute Figur zu machen. Wenn dann noch ein Dutzend Airbus A380 für zig Milliarden in Europa bestellt werden und die Mullahs modernes Reputationsmanagement für sich entdeckt haben, ist schnell vergessen, dass der Iran auch im syrischen Bürgerkrieg auf ganz heftige Weise mitmischt.

Die Analyse ist klar: 37 Jahre nach der Revolution im Iran hat sich das faschistoide Regime der Mullahs endgültig stabilisiert. Der Westen hat sein sein Gerede über Menschenrechte und atomare Deeskalation als wertloses Geplapper entlarvt. Man hat sich von iranischen Politikern im Stile talentierter Bazaris (traditionelle iranische Händler) ordentlich über den Tisch ziehen lassen und dabei die Reibungshitze mit Nestwärme verwechselt.

Eigentlich gibt es nur ein einziges wertvolles Ergebnis dieses ganzen Geschehens: die Erkenntnis, dass die Iraner die besseren Diplomaten haben und talentierter verhandeln können als der versammelte Westen. Es ist ein Trauerspiel.

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