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12/04/2016 07:38 CEST | Aktualisiert 13/04/2017 07:12 CEST

Der Libanon als Menetekel

Photo by Bernardo Ricci Armani via Getty Images

Ein Land von großer Geschichte und geographischer Schönheit, jetzt im Frühling fluten tausend Düfte die Landschaft. Das Mittelmeer umspült dieses kleine Idyll mit leisem Rauschen und Beirut nannte man früher nicht umsonst das "Paris des Nahen Ostens".

Selbst nach einem ewigen Bürgerkrieg und anderen bewaffneten Konflikten ist diese Stadt vibrierend vor Leben und der Puls dieser Metropole am Mittelmeer nimmt einen gefangen und lässt einen sehnsüchtig zurück. Doch das Idyll trügt, und zwar nicht nur aufgrund des Bürgerkriegs der siebziger und achtziger Jahre. Der Libanon der Gegenwart und Zukunft ist ein Land der chronischen Krise, Gewalt und Unsicherheit.

Der Libanon ist ein trauriges Beispiel dafür, wie ein Zusammenleben verschiedener Volksgruppen und Religionen nicht aussehen sollte. Der Süden des ehemals mehrheitlich christlichen Landes ist fest in der Hand der Hisbollah, einer de facto Handlangerorganisation des Iran.

Der Rest des Landes ist zwar nominell eine Demokratie, doch wählt man nicht Programme, sondern entlang von Religionen und Ethnien. Vom Bürgerkrieg im benachbarteh Syrien und den Millionen Flüchtlingen im winzigen Land am Mittelmeer ganz zu schweigen. Der Libanon, dieses wundervolle und berauschende Land, es ist die Blaupause einer Gesellschaft, wie man sie sich nicht wünscht.

In dem es keine Assimilation gab, sondern ein gespanntes Nebeneinander, das gewalttätig wurde und potentiell immer ist, sobald sich ab etwa 1960 die ethnische Zusammensetzung durch Geburtenentwicklung und Flüchtlingsströme zu verschieben begonnen hatte.

Jetzt kann man von Europa aus einfach schulterzuckend zur Kenntnis nehmen, dass ein kleines multiethnisches Land am Mittelmeer ein trauriges Schicksal hat. Man kann den Libanon aber auch als lebendige Mahnung dafür sehen, was passiert, wenn eine Gesellschaftspolitik falsch gehandhabt wird.

Wenn es keinen gemeinsamen Werteboden gibt, der auch dann trägt, wenn sich gesellschaftliche Zustände und Mehrheitsverhältnisse ändern. Es gibt nicht wenige, die vor einer "Libanisierung" Europas warnen. Alle Politiker, die daran zweifeln, sollten einmal eine Woche privat im Libanon verbringen, mit den Menschen sprechen, eintauchen in das wahre Leben in diesem ebenso wunderschönen wie geplagten Land.

Bei ihrer Rückkehr würde sich ihre Politik ändern, eine aktive Assimilationspolitik wäre plötzlich ein alternativloser Kurs. Europa darf gesellschaftlich nicht zum Libanon werden, doch ist es derzeit genau auf diesem Kurs.

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