BLOG
02/12/2016 08:22 CET | Aktualisiert 03/12/2017 06:12 CET

Denk ich an Deutschland in der Nacht... wird mir bei Merkel bange

dannymark via Getty Images

Wissen Sie, was Deutschland ist? Ein Stücken Erde, so groß wie der US-Bundesstaat Montana und im wesentlichen eine ziemlich wertloser Acker mit hübschen begleitenden Wäldern. Dass dieser mit 82 Millionen Einwohnern bevölkerte Flecken in Westeuropa die viertstärkste Volkswirtschaft der Erde und eines der einflussreichsten Länder der Welt ist, hat es einzig einem Faktor zu verdanken: seinen Menschen.

Früh aufstehen, kalt duschen, einfach mal zusammenreißen

Sie werden oft verlacht, die guten alten Tugenden wie Ordnung, Erfindergeist, Verlässlichkeit, Disziplin, ein gewisser Kollektivismus, ein tief sitzendes Sehnen nach Gleichheit und die Erwartung, dass jeder sein Bestes gibt.

Modern beschreibt man dies mit dem gemein klingenden Begriff "Humankapital". Dabei ist es exakt dies, was aus unserem westeuropäischen Acker eine der wundervollsten Nationen auf Gottes weiter Erde gemacht hat.

Andere haben Ressourcen, Deutschland hat sich

Staaten, deren Gesellschaftsmodelle auf Bodenschätzen oder Händlertum beruhen, sind anders. Das mag wie eine Binsenweisheit klingen, ist aber keine. Wie kaum bei einem anderen Staat hängt Deutschlands Wesen, Sein und Wohlstand von seinen Menschen ab.

Ohne den schwäbischen Erfindergeist, die preußische Ordnung und die bayerische Hartnäckigkeit, vor allem aber ohne den fast grenzenlosen Fleiß der Deutschen wäre dieses Land in etwas so reich wie Somalia - nur mit schlechterem Wetter.

Beschützen, was zu beschützen ist

Was tut ein weiser Mensch bei solch einer Sachlage? Er beschützt das, was seinen Wohlstand ausmacht, all das, was seine Zukunft sichert und ihm Identität gibt. Das ist ein ganz normaler menschlicher Reflex. Aber es ist auch der Grund, weshalb es in Deutschland politisch brodelt, warum eine Chaotentruppe wie die AfD von Wahlerfolg zu Wahlerfolg eilt und eine Partei wie die SPD locker von rechts überholt.

Denn es war einmal die SPD, welche die Hüterin des deutschen Erfolgsgeheimnisses war: Kostenlose und vor allem gute Bildung für alle, ein Ausgleich von Marktwirtschaft und sozialer Gerechtigkeit, aber auch Respekt vor den deutschen Tugenden und ein behutsamer Umgang mit der Historie dieser Nation, mit allen ihren hellen und braunen Seiten.

Es war einmal, doch es ist vorbei

Doch diese Zeiten sind vorbei. Nein, es war nicht Hartz-4 oder Gerhard Schröders Agenda 2010, welche die SPD zur Kleinpartei geschrumpft haben. Auch nicht die maßlos überschätzte Angela Merkel. Schon gar nicht war es die AfD, die der SPD derzeit so sehr den Rest gibt, dass sie ernsthaft über einen Chaoten wie Martin Schulz als Außenminister oder gar als Kanzlerkandidat nachdenkt.

Schuld am Niedergang der SPD war das Aufgeben der eigentlichen Wählerschichten, das Alleinlassen der hart arbeitenden unteren Mittelschicht. Jene Menschen, auf deren mühsamer Arbeit und Disziplin der Wohlstand dieses Landes Tag für Tag neu erarbeitet wird, sie wurden von der SPD verlassen, die immer mehr zur politisch überkorrekten Beamten- und Lehrerpartei wurde.

Schlag auf Schlag

Die hart arbeitende und an sich nicht sehr anspruchsvolle untere Mitte der Gesellschaft erfuhr nicht nur immer weniger Respekt, sie wurde erst von "ihrer" Partei im Stich gelassen, die stattdessen lieber auf grün machte und alle Minderheiten herzte, außer ihrer Kernklientel.

Heimatlos geworden wandte sich dieser Teil der Gesellschaft erst einmal massenhaft Angela Merkels sozialdemokratisierter CDU zu, bis diese auf die komplett wahnwitzige Idee kam, Millionen von Flüchtlingen unkontrolliert ins Land zu lassen.

Was hatten die arbeitenden und steuerzahlenden Menschen nicht schon alles geschultert in den vergangenen Jahrzehnten. Erst die anderthalb Billionen Euro, um die Ex-DDR zu sanieren, dann eine Rekordarbeitslosigkeit und ein Strukturwandel, dass es nur so krachte.

Aktienblasen platzten, das soziale Netz wurde massiv ausgedünnt, die harte Deutsche Mark wurde gegen den Wirrwarr-Euro eingetauscht und als sei das alles noch nicht genug, hat jetzt auch die einst konservative CDU die Mitte der Gesellschaft verlassen und das Land mit ihrer Flüchtlings- und Gesellschaftspolitik an den Rand der emotionalen Explosion gebracht.

Wohin?

Wohin bitte soll sich angesichts dieser Gesamtlage ein einfacher Wähler wenden, der eine Zukunft für seine Kinder in einem Land will, das noch den Charakter des Landes hat, in dem er selbst aufgewachsen ist? Das ist weder rechts noch nationalistisch. Es ist normal. Wem nach Orient ist, der kann mit einer Billigairline seiner Wahl für 79 Euro dorthin fliegen.

Vor der eigenen Haustüre hätten viele dann doch gerne auch in Zukunft die Bäckerei Müller und nicht Mustafas Fladenbrotshop. Wer in die Rente einzahlt, der will damit im Umlageverfahren jene Alten finanziell unterhalten, die ihr Leben lang geackert und dieses Land am Laufen gehalten haben. Das Gleiche gilt für die Krankenkassen und andere Sozialsysteme. Diese Gedanken zu haben oder sie gar niederzuschreiben, kostet in Deutschland inzwischen Mut. Ich tue es, weil ich in den USA lebe und dort einen festen Job habe.

Ich kann es mir erlauben, wenn die "politisch Korrekten" bei diesen Zeilen durchdrehen. Es ist mir schlicht egal. Doch wie fühlt sich wohl Herr Müller von nebenan, der morgen zur fünften Nachtschicht in Folgen ran muss und das Geplapper der Berliner Polit-Kaste im Autoradio hört?

Zurück zu den Wurzeln

Ich persönlich hege null Sympathien für die AfD, aber ich kann es all den Müllers, Meiers und Schmidts dieses großartigen Landes auch nicht verübeln, wenn sie nicht wissen, an wen sie sich derzeit sonst wenden sollen.

Es ist ein Trauerspiel und es steht nur zu hoffen, dass die klassischen Parteien endlich wieder zu ihren Wurzeln finden und sich nicht von den sehr, sehr grün durchsetzten deutschen Medienredaktionen einreden lassen, dass das, was diese senden oder schreiben deckungsgleich mit den Wünschen der Deutschen sei. Dass die veröffentlichte Meinung kaum noch die öffentliche Meinung ist, müsste endlich in die Köpfe der Politiker in Berlin.

Der einzige, der es verstanden zu haben scheint, ist derzeit ausgerechnet Horst Seehofer. Die Kanzlerin schwebt in anderen Sphären und die SPD... ach schweigen wir besser, sonst ist es zum heulen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.