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09/04/2016 08:12 CEST | Aktualisiert 10/04/2017 07:12 CEST

Das laute Schweigen der Scheichs

Zurijeta via Getty Images

Nun ist sie also dicht, die so genannte "Balkanroute". Die Flüchtlingszahlen in Deutschland sinken und immer mehr Notquartiere können dicht gemacht werden. Also alles super? Keineswegs. Das Problem hat sich jetzt nur geographisch verlagert. Das Elend sitzt nicht mehr vor unser aller Haustür, sondern wieder ein paar tausend Kilometer weit weg. Kann es das sein? Soll es so weitergehen?

Den Syrienkonflikt zu erklären, so verwickelt die Lage dort ist, würde ein ganzes Buch füllen, das man dazu auch noch jeden Tag umschreiben müsste. Aber manche Dinge sind ganz einfach. So wie das Elend der Menschen in jener Region. Ihnen muss geholfen werden, und zwar schneller, effektiver und nachhaltiger als dies bislang der Fall war.

Es geht um etwas anderes


Gehen wir die Sache daher einmal ganz logisch an. Es gibt drei große Hauptgruppen unter den zur Flucht gezwungenen. Da wären die Kurden, die Schiiten und die Sunniten. Die Kurden werden vor allem von der Türkei als Riesenproblem wahrgenommen, denn sie fordern ihren eigenen Staat.

Das würde auf Kosten der Türkei gehen, weshalb diese auch eine etwas - von außen betrachtet - irrationale Politik zu betreiben scheint. Im Grunde tut sie das natürlich nicht, nur geht es ihr weder um Syrien oder um die Menschen, sondern um die Verhinderung eines Kurdenstaates.

Nähme man der Türkei die Angst, dass ein solcher ihr Territorium kompromittieren würde, wäre ein Drittel des Problems gelöst. Man könnte unter UN-Schutz eine kurdische Zone in Nordsyrien etablieren, der Grund zur Flucht wäre beseitigt.

Der Iran als Schutzpatron


Was nun die Schiiten und die mit ihnen verbundenen Sekten angeht, so ist der große und ölreiche Iran ihr Schutzpatron. Es spräche nichts dagegen, dass der Iran diese Menschen aufnimmt. Der Iran hat einen Entwicklungsstandard vergleichbar mit Russland. Er wäre dazu also potent genug. Man würde die Menschen dort gut aufgehoben wissen, auch und gerade kulturell. Außerdem hat der Iran eine moralische Verpflichtung aufgrund seines militärischen Engagements in Syrien.

Mit den Sunniten ist die Sache sogar noch einfacher. Es gibt südlich von Syrien dutzende sunnitische, arabischsprechende Nationen, welche diese Menschen aufnehmen könnten. Ohne Kulturbruch, ohne Sprachbarrieren.

Allen voran Saudi-Arabien und die Golf-Emirate. Doch alles, was man von dort hört, ist Schweigen. Sehr lautes Schweigen. Vielleicht sollte man vor der nächsten Panzerlieferung dorthin ein paar zivilisatorische Grundfragen klären. Sowas wie "helfe Deinem Nachbarn". Denn bei aller Weltoffenheit: Europa ist nicht die Lösung. Dafür ist es zu alt, zu fremd und vor allem inzwischen zu arm.

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