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03/04/2016 06:44 CEST | Aktualisiert 04/04/2017 07:12 CEST

Moralisch tiefer kann man kaum mehr sinken

Alexander Hassenstein via Getty Images

In diesen Tagen wurde ein Krefelder AfD-Mitglied aufgrund seiner Parteizugehörigkeit aus der Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt ausgeschlossen. Laut der Rheinischen Post kommentierte sein zuständiger Kreisverband dies auf Facebook mit den Worten:

"Und immer weitere Berufsverbote für AfDler kommen hinzu. Freuen Sie sich schon auf den blauen Stern? Wir wissen: Wir werden den Stern wie eine Auszeichnung tragen! Bis zum bitteren Ende!"

Der blaue Stern ist natürlich eine Referenz an den gelben Stern, den die Juden in Nazi-Deutschland ab 1935 als stigmatisierendes Kainsmal tragen mussten. Und der symbolisch den Beginn ihrer vollständigen Entmenschlichung markierte. Ihr bitteres Ende ist bekannt: Sie gingen ins Gas, in Sobibor, Treblinka und Auschwitz-Birkenau. Ihr Tod war ein Meister aus Deutschland.

„Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da"

Paul Celan, Todesfugel (entstanden 1944/45)

Wenn die AfDler also hier von ihrem bitteren Ende sprechen, so konstruieren sie in ihrer propagandistischen Logik gezielt eine perfide Analogie zwischen den damaligen Ereignissen und ihrer eigenen Situation heute. Und lassen unserer Phantasie freien Lauf, worin denn das bittere Ende der AfDler in den nächsten Jahren wohl bestehen könnte, wenn der Entwicklung kein Einhalt geboten wird.

Ganz abgesehen von der historischen Absurdität dieser Analogie - das ist schamlos. Täter stilisieren sich zu Opfern. Und stellen sich in eine Reihe mit den zig Millionen Opfern des Fanal gewordenen Menschheitsgrauen.

Moralisch tiefer kann man kaum mehr sinken.

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