BLOG
17/10/2015 09:35 CEST | Aktualisiert 17/10/2016 07:12 CEST

Diesen 5 Typen dürfen Sie bei Aktientipps auf keinen Fall vertrauen

Rodyka via Getty Images

In Zeiten von Nullzins auf dem Sparbuch sehen sich immer mehr Privatanleger nach Alternativen um. Eine Investition in Aktien bietet dabei einige Vorteile: Als echte Unternehmensbeteiligung partizipieren Sie an den Werten und Gewinnen des Unternehmens.

Außerdem können Sie eine strenge Auswahl treffen, zum Beispiel auch nach ethischen Gesichtspunkten und überwiegend in Aktiengesellschaften investieren, die auf dem Gebiet des Umweltschutz tätig sind oder als besonders mitarbeiterfreundlich gelten.

Immer wieder werden Ihnen dabei vermeintliche Geheimtipps über den Weg laufen, obwohl es solche gar nicht geben kann. Der Aktienmarkt reagiert schnell und jede Nachricht ist innerhalb von Sekunden im aktuellen Kurs berücksichtigt. Natürlich gibt es Experten, die etwas von Aktien verstehen und durchaus kompetente Empfehlungen aussprechen können. Es gibt aber fünf Typen, denen Sie bei Aktientipps auf keinen Fall vertrauen sollten.

Dem Versender einer anonymen Email

Das ist wahrlich der Schlimmste aller Aktientipps. Eine Email, als Spam an einen riesigen Verteiler versandt von jemandem, den sie nicht kennen. Meist wird ein großer Ausbruch des Aktienkurses prophezeit, mit logischen Argumenten und schönen bunten Charts hinterlegt. In der Regel kommen diese Spam-Mails in englischer Sprache. Haben Sie sich schon einmal überlegt, welche Motivation der Autor einer solchen Email haben sollte, Ihnen tatsächlich eine gute Empfehlung zu geben?

Die Masche ist die: Meistens handelt es sich um sehr kleine Aktiengesellschaften, bei denen wenige Transaktionen den Kurs schon bewegen können. Der Verfasser der Email hat in solche Aktien bereits investiert, wenn er die Email hunderttausendfach versendet. Wenn nur einige der Empfänger darauf reagieren und die Aktie kaufen, dann steigt der Kurs vorübergehend. Dies nutzt der Versender der Email aus, um seine Aktien loszuwerden. Danach geht der Kurs meistens schnell wieder in die Knie.

Dem User einer Aktiencommunity

Im Internet gibt es zahlreiche Communities und Foren, in denen das Thema Börse und Aktien diskutiert wird. Keine Frage - es sind auch einige User dort unterwegs, die wirklich etwas vom Thema Geldanlage verstehen. Aber wie in jedem Forum werden dort auch viele Halbwahrheiten verbreitet.

Manche User sind mit ihren Aktien geradezu verheiratet und preisen sie als tolle Anlagemöglichkeit, wenn der Kurs schon weit gefallen ist, getreu dem Motto: "Jetzt ist die Aktie schon so weit gefallen, jetzt kann es doch gar nicht mehr weiter abwärts gehen."

Die Wahrheit ist: Es kann immer weiter abwärts gehen. Im Extremfall kann auch eine börsennotierte Aktiengesellschaft Konkurs anmelden, auch wenn dies bei den großen Unternehmen natürlich nicht oft vorkommt. Wenn Sie sich in einer Aktiencommunity bewegen wollen, dann beobachten Sie deshalb sehr genau, wer von seiner Materie wirklich etwas versteht.

Jedem, der Provision daran verdient, wenn Sie Geld anlegen

In der Regel werden Ihnen Bankberater und Finanzberater kein Direktinvestment in Aktien empfehlen, denn dafür bekommen sie keine Provision. Die Fälle von Fehlberatungen vermeintlicher Fachleute kann man schon gar nicht mehr zählen: in zahlreichen Fernsehsendungen wurde darüber berichtet, viele Gerichtsprozesse wegen Fehlberatungen wurden und werden geführt.

Es ist völlig klar, dass jemand nie ganz neutral sein kann, der Vorgaben von seinem Chef hat, bestimmte Produkte zu verkaufen oder selbst daran verdient, wenn er Ihnen eine Anlage verkauft. Natürlich darf man diese Branche auch nicht komplett verteufeln: Es gibt auch Bankberater und Finanzberater, die sehr kompetent sind und Ihr Wohl im Auge haben. Wie bei der Aktiencommunity gilt aber: Es ist sehr schwer, hier den richtigen Ansprechpartner unter vielen schlechten Alternativen auszumachen.

Den Crashpropheten und den Endlos-Optimisten

Es gibt Phasen an der Börse, in denen es aufwärts geht und Phasen, in denen es abwärts geht. Je nach Anlagehorizont kann man eine gute Aktie in Korrekturphasen einfach halten und warten, bis der nächste Aufwärtsschub kommt oder man kann seine Investitionsquote anpassen und in der Korrektur reduzieren. Es gibt aber Leute, die einfach nicht verstehen, dass es an der Börse auch unterschiedliche Phasen gibt.

Menschen, die immerzu davon sprechen, dass der Aktienmarkt nur crashen kann, dass der nächste Crash sogar kurz bevorsteht und Ihnen auch gleich zehn gute Argumente dazu liefern, am besten gleich alle Aktien zu verkaufen.

Oder umgekehrt Leute, die glauben dass sich alles in einem Jahr verdoppeln wird, weil es an der Börse ja immer nur aufwärts gehen kann und es außer Aktien gar keine sinnvollen Alternativen mehr gibt. Lassen Sie sich von beiden in ihren Anlageentscheidungen nicht beeinflussen, denn es wird an der Börse niemals so sein, dass es immer nur bergauf oder bergab geht.

Dem Bekannten mit dem todsicheren Tipp

Ihrem Freund, Schwager oder Arbeitskollegen, der Ihnen einen todsicheren Aktien-Tipp gibt, möchte ich keine böse Absicht unterstellen. Wahrscheinlich meint er es wirklich gut mit Ihnen. Aber bevor Sie gleich zur Bank rennen und die Aktie kaufen, fragen Sie sich: Ist Ihr Bekannter ein guter Aktienanalyst mit ausreichend Erfahrung und nachgewiesenen Erfolgen an der Börse?

Wahrscheinlich nicht. Dann gehen Sie dem Tipp doch einmal nach: Woher hat er den Tipp und woher hat der, von dem er den Tipp hat, den Tipp bekommen? Sie sehen schon, man kann hier Stille Post spielen und irgendwann kommt vielleicht ein ganz anderes Ergebnis heraus. Verdeutlichen Sie sich bitte noch einmal: Geheimtipps gibt es nicht. Alle Unternehmensdaten und Nachrichten von börsennotierten Gesellschaften sind öffentlich und im aktuellen Aktienkurs schon berücksichtigt.

Wenn Sie diese fünf Tippgeber ausschließen, können Sie sich vor vielen bösen Überraschungen schützen. Ich selbst vertraue stattdessen auf Aktien großer Unternehmen, die schon seit vielen Jahren einem Aufwärtstrend folgen, ein durchdachtes Geschäftsmodell und motivierte Mitarbeiter haben, auch bekannt als Trendfolge-Aktien. Bei diesen ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sie auch in Zukunft weiter wachsen können. Das ist vielleicht nicht so spannend, wie der geheime Tipp zum schnellen Geld, aber dafür eine wesentlich sicherere Anlagemöglichkeit.

Dax muss entscheidende Marke knacken: Der Dax strauchelt! Warum Sie jetzt Ihren Börsen-Wunschzettel machen sollten

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite