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20/09/2015 08:13 CEST | Aktualisiert 20/09/2016 07:12 CEST

Frieden ist unsere Natur

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Bild: The Art of Living

An einem Konflikt sind für gewöhnlich zwei Seiten beteiligt. Egal, wer zuerst zuschlägt, letztlich werden beide verletzt. Konflikte entstehen überhaupt erst, weil beide Seiten auf ihrem Standpunkt beharren.

Doch um die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen, müssen beide über sich hinausgehen und das große Ganze betrachten. Hauptursache jeder Eskalation ist scheiternde Kommunikation. Deshalb ist der Dialog ein wichtiges Instrument, um Konflikte zu lösen.

Verhandlungen mit der FARC

Bei meinem Besuch Lateinamerikas im Juni diesen Jahres schickten wir eine Nachricht an die Führer der kolumbianischen Guerillagruppe FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) mit der Bitte, uns zu treffen.

Sie reagierten positiv, und wir hatten auf Kuba ein sehr fruchtbares Gespräch. Der bewaffnete Konflikt zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC hält jetzt schon seit fünf Jahrzehnten an. Dabei kamen mehr als 220.000 Menschen ums Leben, mehr als sieben Millionen Menschen wurden vertrieben.

Obwohl die FARC nach außen hin Gewaltakte verübt, so ist doch jeder einzelne von ihnen auch nur ein Opfer, das um Hilfe schreit. Erfährt das Opfer tief im Innern Heilung, dann verschwindet auch der Schuldige.

Ich sagte ihnen, dass ich ihr Anliegen verstehen würde, dass jedoch der Weg der Gewaltlosigkeit der einzige wäre, um soziale Gerechtigkeit zu erlangen.

Sie übernahmen Gandhis Prinzip der Gewaltlosigkeit sofort und erklärten bald darauf einen einseitigen Waffenstillstand. Ein paar Tage später erklärte auch die Regierung einen Waffenstillstand.

Menschen, die zu Waffen greifen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen, kann man über das Gespräch sehr gut erreichen, wenn man den richtigen Weg wählt. Aus ihrer Perspektive ist es rechtschaffen, auf diese Weise für ein Ziel zu kämpfen.

In gewisser Weise sind ihre Leidenschaft, ihr Engagement und ihre Opferbereitschaft anerkennenswert. Trifft Ihr Dynamismus, den sie im Überfluss besitzen, auf inneren Frieden, dann können sie ein wahrer Segen für die Gesellschaft sein.

Viele unserer Stammesschulen in Gegenden, die von terroristischen Akten heimgesucht wurden, werden von ehemaligen Extremisten geleitet.

Zu Anfang haben sie unsere Freiwilligen bedroht und wollten, dass die Schulen geschlossen werden. Als sie jedoch sahen, dass diese Bemühungen ihren Gemeinden nur Gutes brachten, wurden sie selbst zu freiwilligen Helfern.

Religiöser Fanatismus - eine unheilbare Form des Terrorismus

Terrorismus jedoch, der aus religiösem Fanatismus heraus entsteht, ist etwas ganz anderes. Die Menschen dahinter sind verblendet von einer Doktrin, die weder Diskussion noch Dialog zulässt.

Menschen, die deren Schriften widersprechen oder anders denken, haben noch nicht einmal das Recht zu existieren. Bei meinem Besuch im Irak im November 2014 bot ich an, mit der Islamischen Staatsgruppe in Dialog zu treten.

Darauf reagierten sie mit einer Todesdrohung. Auch wenn nur ein kleiner Teil der Welt in solcher Dunkelheit lebt, ist der Rest kein sicherer Ort. Bislang beschränkten sich ihre schrecklichen Gräueltaten auf die Region, die unter ihrem Einfluss steht. Doch der Exodus der Massen an Flüchtlingen, den sie jetzt verursacht haben, betrifft die ganze Welt.

Steht das Haus des Nachbarn in Brand, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Feuer Deine eigene Türschwelle erreicht. Um zu verhindern, dass sich eine solche fanatische Geisteshaltung weiter ausbreitet, spielen religiöse Führer eine große Rolle.

Denn sie können es schaffen, eine multireligiöse Ausbildung zu vermitteln, eine Ausbildung, die von Frieden beseelt ist. Es ist dringend nötig, die Sichtweise zu wechseln, weg von einem „alleinigen Anspruch auf den Himmel" hin zu einer Ideologie, die „viele Wege zum Ziel" kennt.

Diversität als wesentliches Charakteristikum unseres Planeten in Ehren zu halten, kann uns dabei helfen, davon wegzukommen, bezüglich unserer Unterschiede einfach nur tolerant zu sein, sondern vielmehr diese hochzuhalten und zu feiern.

Turbulenzen sind ein Teil dieser Welt, während es das Wesen unseres Geistes ist, Frieden zu stiften. Wenn wir es mit fester Absicht und etwas Geschick schaffen, in Frieden in uns zu ruhen, dann beschränkt sich das nicht nur auf uns, es verhilft auch dazu, die Turbulenzen um uns herum zu minimieren.

Lasst uns für den diesjährigen Internationalen Tag des Friedens beschließen, friedvoll in uns zu ruhen und dynamisch zu handeln, um diesen Frieden in die Welt zu tragen.

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Einer der führenden FARC-Mitglieder, Ivan Marquez (2. v. r.), mit Sri Sri Ravi Shankar (2. v. l.) auf Kuba. Dort erklärte die FARC im Juni, dass sie Gandhis Prinzip der Gewaltlosigkeit übernehmen würde.

Hintergrund:

Die von Sri Sri Ravi Shankar gegründete Art of Living Foundation setzt sich seit über 34 Jahren durch humanitäre Projekte und Dienst am Nächsten für eine stressfreie und gewaltfreie Gesellschaft ein.

Anlässlich des Internationalen Tag des Friedens, der traditionell am 21. September gewürdigt wird, laden die bei den Vereinten Nationen akkreditierte NGO Art of Living und die Indische Botschaft Berlin zu einem Abend des Friedens ein. Zentrales Thema wird neben einem Rahmenprogramm aus Musik und Interaktion auch das Thema innerer Friede durch Meditation sein.

Folgen Sie Sri Sri Ravi Shankar auf Twitter unter https://twitter.com/srisri und auf Facebook unter https://www.facebook.com/SriSriRaviShankar

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