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26/10/2015 09:21 CET | Aktualisiert 26/10/2016 07:12 CEST

Die spirituelle Kunst der Mode

dpa

Als Modedesignerin und Sozialarbeiterin ist die Balance zwischen Spiritualität und Materialismus wie eine Besessenheit für mich. Herauszufinden, wie Mode ethisch und gerecht sein kann ist eines der Hauptziele meiner Karriere.

Mich fasziniert es, wie unsere zweite Haut in direktem Zusammenhang zu unseren Ideologien, politischen Einstellungen, unserem Umweltverhalten und zum Menschen steht. Noch mehr fasziniert es mich, wie die heutige Klassifizierung von Mode kaum mehr die Qualität von Material und Arbeit gewährleistet, die für die Herstellung verwendet wurden.

Vor zweieinhalb Jahren wurde ich eingeladen, nachhaltige Mode in der Bekleidungsindustrie in Bangladesch zu entwickeln. Nachdem ich Fabriken und Produktionsstätten besichtigt hatte war klar, dass die enorme Trennung von Designern und Herstellung zwangsläufig zu einer riesigen Verschwendung von Ressourcen führen muss. Mein Hauptaugenmerk waren hierbei Textilabfälle. Es war auch klar, dass der finanzielle Ertrag der Produktionsstätten nicht genutzt wurde, um Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Andererseits hatte ich das Vergnügen, mit Grameen und sozialen Projekten überall im Land in Berührung zu kommen, und später auch das Konzept von Social Business nach Professor Yunus zu verstehen.

Seitdem erlebe ich, wie Open Source, Share Economy, Social und Ethical Businesses nicht nur die Mentalität in Bangladesch, sondern auch in Europa und Amerika verändert haben. Als Designer kann ich nicht die ganze Wirtschaft verändern, sie aber für sozialen Wandel nutzen. Und mit dem großen Einfluss von Mode das System von innen heraus erneuern.

Bis zu zwei Drittel der weltweiten Arbeitskräfte in der Bekleidungsindustrie sind weiblich. Unstrittig ist, dass diese Frauen zur Bekämpfung finanzieller Benachteiligung und Ungleichheit der Geschlechter Respekt, Unterstützung und Bildung benötigen.

Es muss noch so viel getan werden, um die Position der Frauen zu stärken, dass ich fest daran glaube, dass ein kultureller Austausch und das Infrage stellen von Verhaltensweisen der Ausgangspunkt für eine Diskussion über Ethik sind.

Mein Beitrag zur Mode beginnt mit Empathie und Interesse daran, die Industrie zu erfahren und zu verstehen, wie sie sich im Leben der Konsumenten und Produzenten wiederspiegelt. Das Vorbild einer Frau, die die Welt bereist, um das Leben von bengalischen Handwerkern zu verstehen und die versucht, das Weben als Handwerkskunst zu unterstützen, hat bereits unser Leben verändert. Es gibt keine politischen Widerstände, Wetterkapriolen oder mangelnde Infrastruktur die mich davon abhalten, unsere Fähigkeiten zu erweitern, die eine bessere Zukunft für diese Frauen und mich ermöglichen.

Ich bin glücklich, Teil der Social Business Bewegung zu sein, die Verhaltensmuster rund um den Globus verändert. Wir sind ein Netzwerk von Menschen, die die Konsumkraft nutzen, um Glauben zu bestärken und diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

"Dem feinsten Stoff wohnt keine Schönheit inne, solange er aus Hunger und Unglück hergestellt ist." - M. Gandhi

Simone Simonato ist Gründerin des Labels SICA. Heute lebt die Brasilianerin in Berlin, wo sie ihr Label weiter ausarbeitet und sich sowohl für soziale Zwecke in Berlin wie auch in Indien und Bangladesh einsetzt. Ihre Erfolge, Herausforderungen und Erfahrungen wird sie beim diesjährigen Global Social Business Summit vom 4. - 7. November in Berlin Flughafen Tempelhof vorstellen.

LeserInnen der Huffington Post bekommen mit dem Promocode (tUdQ9biD) einen Nachlass von 10% auf die Tickets für den Global Social Business Summit.

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