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11/12/2016 06:52 CET | Aktualisiert 12/12/2017 06:12 CET

Hört auf mit der Politik gegen die junge Generation

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In der Debatte über die Zukunft der Rente wird viel über Beitragssätze, Eintrittsalter oder Lebensarbeitszeit diskutiert. Das ist richtig, aber als Bildungspolitikerin habe ich darüber hinaus weitere Eckpunkte einer guten Politik, auch in Sachen Rente: Nämlich eine verlässliche Beschäftigungspolitik gerade für junge Menschen sowie Investitionen in Bildung und Forschung.

Im Wissenschaftsbereich, meinem Fachgebiet im Bundestag, habe ich in den vergangenen drei Jahren mehrere Initiativen zur Verbesserung der Beschäftigungssituation unseres wissenschaftlichen Nachwuchses angestoßen.

So haben wir etwa eine Milliarde Euro in die Hand genommen, um in den nächsten Jahren 1000 feste Stellen zusätzlich an unseren Universitäten zu schaffen. Durch die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes wurde außerdem erreicht, dass es weniger Kurzzeitverträge an Hochschulen gibt und Promotionsstipendien in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt werden.

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Schlechte Beschäftigungsbedingungen haben nämlich einen doppelten negativen Effekt auf das Rentensystem: Zum einen hat man es mit ständig auslaufender Befristung schwer, eigene Rentenansprüche aufzubauen. Zum anderen tragen solche prekären Jobs auch wenig zur Finanzierung der Rente insgesamt bei.

Aber ist unser umlagefinanziertes Rentensystem angesichts des demografischen Wandels nicht sowieso dem Untergang geweiht? Ein Blick in die Geschichte hilft, mit diesem Mythos aufzuräumen. Vor hundert Jahren mussten noch zwölf Personen arbeiten, um einen älteren Menschen zu versorgen. Trotz gestiegenem Rentenniveau und gesunkener Wochenarbeitszeit sind es heute nur noch knapp vier.

Möglich wurde dies durch einen immensen Zugewinn an Produktivität: Dank gestiegenen Kompetenzen und moderner Technik erarbeitet der einzelne Mensch heute viel mehr an Wertschöpfung als früher. Diese Entwicklung müssen wir weiter fördern, wenn wir nicht Politik gegen die kommenden Generationen machen wollen. Industrie 4.0 bzw. die Digitalisierung der Wirtschaft ist hierbei ein Aspekt.

Darüber hinaus müssen wir erstens für unsere Jugendlichen die besten Bildungschancen schaffen, durch die alle ihr volles Potenzial entfalten können.

Davon hängt nicht nur das Glück des Einzelnen, sondern auch der Wohlstand unserer Gesellschaft ab. Wir können es uns zum Beispiel nicht erlauben, dass junge Menschen aufgrund ihrer Herkunft die Schule ohne Abschluss verlassen und wir dürfen es nicht zulassen, dass es vom Geldbeutel der Eltern abhängt, wer Studieren kann.

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Der jungen Generation gegenüber ist es verantwortungslos, dass Bund und Länder Probleme im Bildungsbereich immer noch nicht gemeinsame angehen können. Das Kooperationsverbot in der Bildung, das jedes Bundesland mit seiner Bildungspolitik alleine lässt, ist nicht mehr zeitgemäß. Es verhindert nicht nur eine Erhöhung der Investitionen in Bildung, sondern steht auch einem längeren gemeinsamen Lernen im Weg.

Zweitens müssen neue Ideen und Innovation wieder einen herausragenden Stellenwert in unserer Gesellschaft einnehmen. Seit Jahren sinkt die Innovationskraft gerade kleinerer und mittlerer Unternehmen in unserem Land. Gleichzeitig drohen auch die großen Player, Zukunftstechnologien zu verschlafen. Bestes Beispiel dafür ist der Umgang der Automobilbranche mit der Elektromobilität.

Wir müssen zukünftig mehr in Forschung und Entwicklung investieren und neuen Ideen eine Chance geben.

Die Digitalisierung oder den Wandel zur Industrie 4.0 müssen wir aktiv zu unserem gemeinsamen Nutzen gestalten. Dazu brauchen wir nicht nur eine größere Offenheit Innovationen gegenüber, sondern auch eine neue Kultur des Wissenstransfers, damit wissenschaftliche Erkenntnisse auch wirklich die Menschen erreichen. Nur so können sie Gesellschaft und Wirtschaft voranbringen.

Wenn es uns so gelingt, das große Potenzial, das in unserer Jugend und ihrem Erfindungsreichtum steckt, zu nutzen, werden wir weiter an Produktivität gewinnen. Profitieren wird davon nicht nur jeder Einzelne, sondern auch die Solidargemeinschaft. Die Diskussion um Beitragssätze, Eintrittsalter und Lebensarbeitszeit wird damit zwar bestimmt nicht überflüssig, aber sicherlich entscheidend entschärft.

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