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25/02/2015 09:22 CET | Aktualisiert 27/04/2015 07:12 CEST

Scheitern Sie sich hoch

Firmenpleiten, Niederlagen im Sport, Beziehungskrisen, an die Wand gefahrene Projekte sind Alltagsgeschichten. Da schauen wir auch schon mal voyeuristisch aus der Entfernung zu. In den Medien erfreuen sich derartige Formate höchster Einschaltquoten und Leserzahlen.

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Firmenpleiten, Niederlagen im Sport, Beziehungskrisen, an die Wand gefahrene Projekte sind Alltagsgeschichten. Da schauen wir auch schon mal voyeuristisch aus der Entfernung zu. In den Medien erfreuen sich derartige Formate höchster Einschaltquoten und Leserzahlen. Doch im realen Leben wird auch ganz gern mal weggeschaut, es wird geahndet und sogar ausgeschlossen.

Scheitern ist so etwas wie die Pest

Ja, Scheitern hat keinen Platz in einer Gesellschaft der Erfolgreichen. Erfolg scheint nun mal das Maß aller Dinge zu sein und ist zum Sinn des Lebens mutiert. Dabei ist der Sinn eines gelingenden Lebens einfach das Leben selbst, wenn man es philosophisch betrachtet. Scheitern ist Teil eines gelebten Lebens, wie Erfolg auch. Es passiert, uns allen?

Ein solcher Blickrichtungswechsel, könnte so einiges einfacher machen. Ich möchte eine Lanze für das Scheitern brechen und MUT machen. Nein, so gar nicht im Sinne eines fröhlichen Scheiterns, Scheiterpartys ..., sondern als Aufruf zu einem gesellschaftlichen Umdenken, zu einer neuen Scheiterkultur, die es uns leichter macht erfolgreich zu sein, die uns mutig Wagnisse eingehen lässt.

Wir wissen, den meisten Menschen machen Veränderungen Angst. Dies ist neurobiologisch völlig normal und wir tun auch gut daran, vor dem Säbelzahntiger zu fliehen. Angst kann Sinn machen. Sie führt uns zu Abwehrreaktionen und dies sozusagen per Autopilot: Kampf, Flucht, totstellen. Doch die Gefahren der heutigen Zeit sind inzwischen andere.

Säbelzahntiger und Co sind eher seltene Gefahren. Die Erkenntnis:Unsere bislang erprobten natürlichen Bewältigungsstrategien sind leider erfolglos geworden. Was nun? Vor drohenden Veränderungen wegzulaufen ist schlichtweg unmöglich und natürlich Quatsch. Veränderung ist in unserer globalisierten Welt Gesetz. Kampf, zum Beispiel als Widerstand im unternehmerischen Changeprojekt, erweist sich als Energieaufwand in die falsche Richtung und macht alles andere als erfolgreich.

Ebenso ist totstellen nicht zielführend, auch wenn der eine oder andere dies in so mancher Projektsitzung versucht. Angst ist ein schlechter Berater heißt es. Doch wir Menschen sind erfinderisch. So schaffen wir es, der Angst vorm Scheitern mit neuen modernen Abwehrstrategien entgegenzutreten.

Mit Perfektionsstreben, Aufschieberitis und manchmal einfach nur mit "Machogehabe", versuchen wir unbewusst ein Scheitern zu vermeiden. Finden Sie sich wieder? Leider sind dies nicht unbedingt Erfolgsstrategien, denn statt sich auf das erwünschte Ziel zu fokussieren, geht all unsere Energie in Richtung Vermeidung. Aber wie können wir uns der Angst vor dem Scheitern mutig stellen uns nach "oben" scheitern?

Lizenz zum Scheitern

Mit der "Lizenz zum Scheitern" habe ich ein Beratungs- und Trainingskonzept erarbeitet, welches in 7 Komponenten zu einer neuen Scheiterkultur führt. Eine wesentliche Komponente ist der Faktor Mut.

Sie fragen sich, wie MUT in Zeiten rasanten Wandels geht?

Hier kommen als Vorgeschmack 6 kurze Mut- Impulse:

Mutig sein, bedeutet nicht angstfrei zu sein. Mut heißt sich für ein Wagnis zu engagieren, welches uns lohnenswert erscheint und dafür kalkuliert Sicherheit aufzugeben. "Wer Angst vorm Scheitern hat, der hat Angst vorm Erfolg." Unbekannt

Mutig sein bedeutet sich 1. in Akzeptanz zu üben. Wir müssen lernen, dass es Dinge gibt, die unveränderlich sind. A) weil sie vorbei sind und der Vergangenheit angehören und b) weil sie nicht in unsere Gestaltungskompetenz fallen.

Mut erfordert 2. Demut. Vorsicht, ohne Demut wird Mut schnell zu Übermut, zu Machbarkeitswahn. Wer ein Wagnis eingeht braucht die Bereitschaft an seine Grenzen zu gehen und die eigene Begrenztheit, das Unperfekte anzunehmen. Dazu müssen wir uns de- maskieren, Verletzlichkeit zulassen. Was für ein Wort in Zeiten von: Wir müssen nur wollen, Selbstmarketing und Selbstinzenierung!Verletzlich sein, heißt letztlich nackt, angreifbar zu sein, Panzer abzulegen und sich zu zeigen. Ohne Selbstakzeptanz ist dies nicht möglich.

Mutig sein, verlangt 3. ein eigenes Risikobewusstsein zu schaffen, auch wenn alles um uns unsicher scheint. Um sich der Angst vorm Scheitern zu stellen macht es Sinn, das Risiko bewusst zu kalkulieren (bewerten und entscheiden). Es ist eine Frage der Übernahme von Verantwortung für sich und für andere. Auch keine Entscheidung ist eine Entscheidung ...

Mut braucht 4. Vertrauen. Erfolgreich sein kann man niemals allein. Vertrauen in andere ist, deshalb immer eine nötige Vorschussleistung. Möglich wird sie, wenn wir zunächst Vertrauen in uns selbst haben. Fragen Sie sich: Kann ich mir meiner sicher sein? Wie steht es um mein Zutrauen? Vertrauen in mich selbst hat viel mit eigener Standfestigkeit und meinem Selbstbildnis zu tun. Dahinter verbirgt sich wiederum das "WARUM?" hinter meinem Tun und die Frage: Welche Werte treiben mich an? Was glaube ich über mich?

Mut heißt 5. Fokus. Wie oft passiert es uns, dass wir auf unsere Angst zu versagen fokussiert sind und uns vorab negative Zukunftsszenarien ausmalen? Energie folgt immer unserem Fokus. Fokussieren sie sich deshalb auf Ihre Ziele, auf einen "Bedeutungshorizont". Diese Art zu denken ist lernbar.

Letztlich ist Mut 6. Selbstwirksamkeit, der Glaube an mich und meine Eigenstärke. Sagen sie sich: "Ich will, denn ich kann."

So wird das uns ständig propagierte - einfach tun - einfach.

Lernen Sie mutig, ihren Erfolg in die Hand zu nehmen:

Scheitern sie sich hoch: "Immer 1x mehr aufstehen, als hinfallen."

Ihre Simone Gerwers

Simone Gerwers ist Teilnehmerin auf dem Feminess Business Kongress am 07.03.2015 in Frankfurt.

Weitere Informationen finden Sie hier.


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Video: Scheitern garantiert: Sie schaffen es nicht, einen Toast in einer Minute zu essen

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