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17/01/2016 12:20 CET | Aktualisiert 17/01/2017 06:12 CET

Astrologie live - Eine Anekdote

Maskot via Getty Images

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Ich habe noch eine schöne Anekdote zum rückläufigen Merkur, aus der Abteilung "Astrologie live":

Nach meinem Vortrag letzte Woche in Bern verliess ich den Veranstaltungsort und ging zur Tramstation, um zum Bahnhof zu fahren und noch den vorletzten Zug zurück nach Zürich zu erwischen. Der Lokalinhaber sagte noch: "Es fahren drei Trams zum Bahnhof. Du kannst in alle einsteigen, und es wird gerade noch zeitlich reichen." So rauschte ich ab. Die Tram kam. Wunderbar. Ich sah sie mit Nr 7 angeschrieben, zückte meine Brille und schaute kurz im Fahrplan, um zu sehen, wie lange ich zum Bahnhof habe: 4 Minuten. Ich stieg ein.

Irgendwann hörte ich "Kursaal" und wusste, hier bin ich falsch. Ich konnte mir nicht erklären, warum ich falsch war.... Und da ich ganz allein im Tram sass und niemanden fragen konnte, stieg ich rasch bei der nächsten Station aus. Die einzige Person, die ich dort weit und breit fragen konnte, bestätigte meinen Verdacht. Ich fuhr in die falsche Richtung. Was tun? In 9 Minuten fuhr mein Zug. Der nächste würde dann eine Stunde später um 23:02 abfahren, so dass ich erst kurz vor Eins zu Hause wäre... Das nächste Tram kam aber erst in 7 Minuten. Das würde nicht reichen. Taxi war keines in Sicht. Die Strasse menschenleer. Hmmm...

Doch! Da erschien ein Taxi-Kleinbus. Aber das Schild auf dem Dach hatte kein Licht, also musste es bereits besetzt sein. Instinktiv hielt ich die Hand hoch. Zu meinem Erstaunen hielt der Fahrer an und liess lachend die Scheibe herunter. "Ich muss zum Bahnhof!" sagte ich. Sofort sprang er aus dem Auto, nahm mein Handgepäck, lud es hinten ein, und ich dachte nur: Wie kommt es, dass ein Taxifahrer bei 0° in kurzen Hosen und Sportkleidung fährt... Es fühlte sich aber alles gut an, also nahm ich vorne neben ihm Platz. Und schon rauschten wir davon. Es lieft aber auch kein Taxometer...

Ich erzählte ihm den Grund meines Winkens und sagte nur: "Du bist mein Engel!". Der junge, strahlende Mann fragte mich lachend auf halb Türkisch, in welchem Tram ich sass. Nr 7. "Oh", sagte er, "das fährt gerade ins Depot (Garage)." Jetzt war mir alles klar. Ich war im richtigen Tram, hatte aber das angeschriebene Tramziel nicht gelesen, weil ich den Fahrplan studierte...

Der Taxifahrer war sichtlich erfreut, dass er eine gute Tat tun konnte, denn es war sein freier Tag. Er kam gerade vom Training und musste sowieso in Richtung Bahnhof. "Du musst auch nix bezahlen.", sagte er. "Nur vielleicht einen Kuss...?" "Auch einen Lippenstift-Kuss?" fragte ich zurück. "Oh, das ist ja noch besser!" gab er freudig stolz zur Antwort.

Und so kam ich rechtzeitig beim Bahnhof an, stieg aus, nahm seinen Kopf in meine Hände und küsste meinen Engel beim Abschied herzhaft auf den Mund. Er staunte nicht schlecht... fing sich dann aber wieder und rief mir nach: "Willst Du meine Karte?" "Nein, nein, ist schon gut." So erreichte ich in der letzten Minute meinen Zug nach Zürich, und er hatte seinen Kuss.

Fazit:

Lese zu Zeiten eines rückwärts laufenden Merkurs immer genau die Schilder, BEVOR Du einsteigst. Und wenn Du dann doch falsch bist, kommt vielleicht von irgendwo ein Engel geflogen.

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