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07/08/2015 14:37 CEST | Aktualisiert 07/08/2016 07:12 CEST

Jon Stewart: Was bleibt, wenn die Guten gehen

Brad Barket via Getty Images

Es gibt im Leben nur wenige Menschen, denen man treu bleibt. Man bleibt Menschen treu, weil sie etwas in einem bewegen, einen aufrütteln, und immer wieder neu herausfordern. Man bleibt ihnen treu, weil sie einen auffangen, mitten in den Wirren unserer Zeit; weil sie nicht aufhören, nachdem Warum? zu fragen und -das macht sie so wertvoll- ein paar kluge, vertrauenswürdige Antworten finden.

In den USA, dachte ich noch bis zum Ende des letzten Jahrhunderts, gibt es diese Menschen nicht. Höchste Zeit, mir selbst zu widersprechen: Denn da ist Noam Chomsky, da ist Barack Obama und da ist Jon Stewart. Alle drei haben es geschafft, mein Weltbild nachhaltig zu verändern, meine eigene Sichtweise aufs Leben unentwegt infrage zu stellen, das Wort Warum? zum täglichen Begleiter zu machen.

Einer von ihnen, Jon Stewart, geht nun.

Er verläßt nach 16 Jahren die „Daily Show". Eine politische Satiresendung, die Journalisten und Politikern gleichermassen den Spiegel vor Augen gehalten hat. Als er 1999 zu dem Spartensender Comedy Central kam, hatte die Sendung 350.000 Zuschauer - er brachte es in der Hochzeit auf 1,6 Millionen Zuschauer. Die Süddeutsche schreibt zum Ende: „Jon Stewart war so etwas wie der institutionalisierte Menschenverstand im Wahnsinn des ideologisierten Nachrichten- und Meinungszirkus."

Wie bei jedem Abschied, tut es gut zu wissen, dass man nicht allein trauert.

Präsident Obama schaute vor ein paar Tagen nochmal vorbei, eigentlich, um für den Atomdeal mit Teheran zu werben. Dann erklärte er vor laufender Kamera: "I'm issuing a new executive order: that Jon Stewart cannot leave the show." Was soviel wie eine Verfügung des Präsidenten ist, Jon Stewart vom Verlassen der Show abzuhalten. Obamas mögliche Nachfolgerin, Hillary Clinton, twitterte: „missing Jon Stewart already". Im letzten Moment kam noch Bruce Springsteen mit Born to run. Born to run? Wer weiß das schon.

Well, lieber Jon Stewart, mehr Erfolg geht nicht. Alles gegeben und alles zurück bekommen. Herzlichen Glückwunsch. Und was bleibt? Viele aufgeklärte Menschen, die, anstatt in Zynismus zu versinken, sich aktiv für die Demokratie einsetzen.

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