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17/04/2016 10:55 CEST | Aktualisiert 18/04/2017 07:12 CEST

Alles auf Risiko: Nach der Krise ist vor der Krise

Andrew Burton via Getty Images

Der New Times Bestseller „Dark Money" über schmutzige Gelder und die Machenschaften der Eliten, beginnt mit den mahnenden Worten von Louis Brandeis:

„Wir müssen uns entscheiden. Wir können eine Demokratie haben oder den Reichtum in den Händen einiger weniger; beides zusammen geht nicht."

Brandeis war 1916 bis 1939 Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. Hören wir solche Aussagen heute von irgendeinem Gerichtshof in der Welt?

Wollen wir Demokratie oder Oligarchie?

Wir müssen uns entscheiden, wie wir leben wollen. Wir müssen nachdenken. Wir müssen unser Leben und die Werte unserer Gesellschaft kritisch hinterfragen, wir müssen wieder aufrecht gehen lernen. Unsere Fragen sollten lauten: Welchen Beitrag leiste ich in meiner Familie, in meiner Gemeinde, in meinem Beruf? Bilden meine Werte und mein Verhalten eine solide Basis für die Zukunft unserer Kinder? Wie entwickle ich mich vom Konsumenten zum Bürger? Wie möchte ich der Welt in Erinnerung bleiben?

Wir brauchen eine neue Diskussion zur Zukunftsgestaltung unserer Gesellschaft

Verantwortung für unser Leben zu übernehmen, ist ein wichtiger erster Schritt - den kann uns niemand abnehmen. Niemand kann uns zwingen, uns für Andersdenkende und Schwächere einzusetzen und die Würde des Anderen zu respektieren.

Niemand kann uns überreden, die Hand zu reichen, wenn Freunde, Kollegen, die Familie oder unser Umfeld in Not geraten. Niemand kann uns dazu bringen, den ersten Stein zu werfen. Niemand kann uns zu irgendetwas bewegen - wenn - wenn wir nicht wollen.

Was wollen wir?

Wir sind heute dort, wo wir sind, weil wir geschlafen haben. Wir wollten es bequem haben, wir wollten ein Stück vom Kuchen abhaben. Wir wollen glauben, dass die Eric Schmidts und Warren Buffetts, die Donald Trumps und die Mark Zuckerbergs, die Alan Greenspans und die Koch-Brüder auch für unsere Interessen eintreten. Das tun sie aber nicht. Ein Multimilliardär und ein, sagen wir, unterbezahlter Zeitungsjournalist, haben nicht die gleichen Interessen. Im Gegenteil.

Der eine lebt von der Ignoranz der anderen.

Wallstreet ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir bilden die solide Basis. Ohne uns gäbe es keine Immobilienblase, ohne uns gäbe es keine unfähigen Regierungen, ohne uns gäbe es keine Korruption. Dies geschieht nur, weil wir die Gier über den Verstand setzen. Immer mehr zu wollen, führt uns immer weiter heran den Abgrund. Und der scheint jetzt wieder anzuklopfen. Noch lauter, noch mächtiger und noch zerstörerischer als beim letzten Mal.

Die Lösung?

Schauen wir der Realität ins Auge: Überwachung, Massen-Konsum, Kriege und Krisen, Bankenabstürze, Korruption, Werteverlust, Wut und Hass - und wenig Erfreuliches. Soviel Yoga kann man gar nicht machen, um sich diese vielen Faktoren schön zu atmen. Also: was machen wir? Im Moment - nicht viel. Wir machen weiter wie bisher.

Wir schotten uns ab; unsere Lieblingsantwort auf den Wahnsinn der Zeit ist: „.. uns geht es ja vergleichsweise gut." Dabei wissen wir, dass Scheuklappen nicht schützen, Wegdrehen zu fatalen Entwicklungen führt, und Mitzulaufen, immer weiter ins Chaos hinein weist, direkt zum Abgrund.

Wir halten an unfähigen Regierungen und ausgedienten Management- und Lebensregeln fest und lassen es zu, dass die alten Lenker aus der Zeit des Schwarz-Weiss-Fernsehens, mit den immer gleichen Floskeln, die immer gleichen Fehler machen.

Sie führen uns nie ans Licht - immer nur dahinter.

Zwei Studien, die heute erschienen sind, belegen das Paradox unserer Zeit. Studie Eins kommt vom IWF - der Internationale Währungsfonds warnt vor einer neuen Mega-Finanzkrise. „Um die Stabilität der Finanzmärkte sei es schlecht bestellt", attestieren sie. „Den Börsen stünden ernsthafte Turbulenzen bevor.... Die Aktien in Großbritannien, den USA, der Euro-Zone und China könnten in den kommenden zwei Jahren locker 20 Prozent ihres Werts verlieren."

Die Welt schreibt: „Die Verschuldung der Industrieländer dürfte nach Schätzungen des IWF in diesem Jahr auf durchschnittlich 107,6 Prozent steigen, ein Nachkriegsrekord. Das ist bemerkenswert, weil die Welt heute anders als vor gut sieben Jahrzehnten keinen derart zerstörerischen Krieg hinter sich hat."

Studie Zwei kommt von Oxfam, einer einflussreichen globalen Entwicklungsorganisation.

Demnach verstecken amerikanische Firmen mehr als $1.3 Billionen in Steueroasen. Die Studie

besagt, die 50 größten US-Firmen besitzen mehr als 1600 Tochterfirmen in den Oasen. Darunter Apple mit $181Milliarden in drei Offshore-Konten, sowie Googles neue Dachfirma Alphabet oder Exxon Mobil. General Electric hat $28 Milliarden vom amerikanischen Steuerzahler bekommen und versteckt gleichzeitig $119 Milliarden in 18 Steueroasen.

Mega-Finanzkrise - für wen? Nicht für die FvO - die Freunde von Oasen.

Mega-Finanzkrise - rechnen Sie selbst: Industrieländer sind lt. IWF-Studie mit 107,6 Prozent verschuldet. Bildlich gesprochen bedeutet das: Sie oder ich haben vor zehn Jahren ein Haus für 1 Million Euro gekauft. Aber statt Raten abzuzahlen, tilgten wir ledglich Kredit-Zinsen. Parallel dazu haben wir unser Haus immer neu verschuldet - so, dass es heute mit 1,076 Millionen in den Miesen ist. Wer soll helfen? Die Regierungen sind überfordert, die Banken stehen vor der Mega-Krise.

Wer soll es bezahlen?

Sie kennen die Antwort. Richtig! Sie. Neue Steuern, noch mehr Unmut, noch mehr Ungleichheit. Zusammenbruch des Euro? Krieg in Europa? Die kommende Krise wird für meine Generation und die meiner Eltern, ein neues Ausmass erreichen. Was können wir tun? Schauen wir dem Sturm mutig ins Auge. Seien wir ehrlich. Schützen wir aktiv die Grundpfeiler der Demokratie. Das wird unsere Rettung sein.

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