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07/12/2015 08:56 CET | Aktualisiert 07/12/2016 06:12 CET

Der schlimmste Fehler, den ihr in einer langen Ehe begehen könnt

Shelley Emling

In ein paar Wochen bin ich seit 25 Jahren verheiratet. Das sind 25 Weihnachten, der Tod eines Elternteils, Tode von Freunden, die Geburten von drei Kindern, Jobwechsel, sechs Monate Eheberatung, der Kauf von vier Häusern, vier transatlantische Umzüge und noch so vieles mehr.

Mein Mann und ich haben einen weiten Weg zurückgelegt, seit wir im Januar 1991 aus einer Laune heraus durchgebrannt sind und in einem schäbigen Büro in Antigua, Guatemala zum Missfallen meiner Mutter heirateten.

Ich war 27 und meine Mann war 24 Jahre alt -- nur vier Jahre älter als es unser ältester Sohn jetzt ist. Die Zeremonie dauerte ganze fünf Minuten und war auf Spanisch. Also musste mein Mann, der fließend Spanisch spricht, für mich alles übersetzen und sagen, wann ich "Sì" statt "Ich will" sagen musste. Es war vielleicht nicht sehr ausgefeilt, aber für mich war es perfekt. In dem, was Forscher als die Honeymoon-Phase bezeichnen, war ich mir ziemlich sicher, dass ich die Oberhand hatte und war schlicht froh, dass er das nicht zu bemerken schien. Mein frischgebackener Gatte war klug, abenteuerlustig und liebte das Schreiben genauso sehr wie ich. Wir hätten nicht glücklicher sein können. Über die nächsten Jahre bereisten wir als Auslandskorrespondenten dutzende Länder, gründeten eine Familie, schlossen viele großartige Freundschaften und trauerten gemeinsam über den Tod meiner Mutter.

Obwohl mein Ehemann alles andere als schnulzig ist, haben wir es jahrelang geschafft, unseren Hochzeitstag gebührend und als sich liebendes Paar zu feiern. Da war das Jahr, in dem mich mein Mann mit einem Gutschein für Tanzstunden überrascht hat. Eine wirklich zauberhafte Geste von einem Mann, der, seit er das Dating hinter sich gelassen hatte, entschlossen schien, nie wieder einen Fuß auf eine Tanzfläche zu setzen. Ich erinnere mich auch noch daran, wie er mir sexy Reizwäsche schenkte als ich sehr schwanger war. Ich hatte nichts gesagt, aber irgendwie wusste er, dass das genau die Sache war, die ich in diesem Moment gebraucht hatte.

Aber als die Jahre vergingen, begann der Stress mit drei Kindern und zwei Vollzeit-Jobs, seinen Tribut einzufordern und ich fing an mich zu fragen, wie zwei Menschen für immer in seliger Zweisamkeit zusammen sein können. Die leidenschaftliche Honeymoon-Phase hat natürlich ein Verfallsdatum und im Laufe der Zeit nehmen viele Ehen - meine eingeschlossen - Ähnlichkeit mit einer Geschäftsbeziehung an. Früher sind wir zweimal im Jahr nur zu zweit weggefahren, um unser Leben als Paar zu genießen. Das ist jetzt nur noch eine ferne Erinnerung. Wann habe ich meinen Mann zum letzten Mal mit einem besonderen Abend auswärts überrascht? Ich kann mich ehrlich nicht erinnern.

Rückblickend stelle ich fest, dass der innige Kuss, mit dem wir uns am Ende eines langen Tages begrüßten, irgendwo auf dem Weg zu einem flüchtigen Schmatzer auf die Backe wurde und in letzter Zeit zu einem knappen Hochschauen vom Computerbildschirm ist. Ich stelle fest, dass ich aufgehört habe, für die kleinen Dinge, die mein Mann jeden Tag für mich macht, "danke" zu sagen. Ich nehme meinen Mann als Selbstverständlichkeit wahr. Und das ist der schlimmste Fehler, den ihr in einer langen Ehe machen könnt.

2013, erwähnte Ben Affleck seine Ehe in seiner Dankesrede als sein Film "Argo" mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet wurde. Er sah zu seiner Frau Jennifer Garner - von der er mittlerweile getrennt ist - und sagte: "Ich will dir dafür danken, dass du seit 10 Weihnachten an unserer Ehe arbeitest. Es ist gut. Es ist Arbeit, aber es ist die beste Art der Arbeit. Und es gibt niemandem, mit dem ich lieber zusammenarbeiten würde!"

Affleck zog einige Kritik auf sich, weil er sagte, dass eine Ehe "Arbeit" sei. Zum Beispiel schrieb Huff/Post50-Bloggerin Ronna Benjamin, die seit 31 Jahren verheiratet ist, dass eine Ehe "einfach irgendwie fließen" sollte und fügte hinzu, dass bei Menschen, die für ihre Ehe arbeiten müssen, etwas nicht stimmen kann.

Ich bin anderer Meinung. Obwohl seine Ehe nicht funktioniert hat, glaube ich dennoch, dass Affleck da an etwas dran ist. Die Wahrheit ist: Eine erfolgreiche Ehe ist eine lebenslange Herausforderung - und verlangt viel Arbeit. Mein Mann und ich haben -- wie viele andere Paare auch -- angefangen, unsere Leben parallel zueinander anstatt miteinander zu leben. Durch die Explosion der sozialen Netzwerke müssen wir nicht mehr miteinander "sprechen", um Kontakt zu haben. Wir können uns einfach schreiben. Und schreiben. Und das ist einfach nicht gut.

2012 hat eine Studie unter Eheberatern gezeigt, dass es an einer emotionalen Entfremdung, nicht etwa einer sexuellen liegt, dass Menschen ihrem Partner untreu werden. Ein Partner oder der andere langweilt sich in der Beziehung und sucht sich die Aufmerksamkeit, die er oder sie zu Hause nicht bekommt. Eine Ehemann oder eine Ehefrau fühlt sich nicht mehr sexy und erliegt so jeder Person, die ihm oder ihr ein bisschen Aufmerksamkeit schenkt. Aber so muss es nicht sein.

Auf die Frage, wie sie ihre jahrzehntelange Beziehung mit Kurt Russel am Laufen hält, sagte Goldie Hawn kürzlich: "Ihr müsst beide wollen, dass es funktioniert. Wenn eine Person nicht will, dass es funktioniert, wird es auch nicht funktionieren. Das Wollen ist der Schlüssel."

Und das ist der Grund, warum ich mir an meinem 25. Hochzeitstag einfach ein bisschen Zeit nehmen möchte, wirklich über die Dinge nachzudenken, die mich und meinen Mann überhaupt zusammengebracht haben. Ich werde einen Wochenendtrip planen. Vielleicht schenke ich ihm sogar Tanzstunden. Ich werde mir Mühe geben. Werden wir Schmetterlinge spüren? Wahrscheinlich nicht. Werden wir unsere Verbindung stärken. Ich hoffe es.

Die Wahrheit ist: Die Liebe, die ich für meinen Mann empfinde, ist heute genauso groß, wenn nicht größer, wie vor 25 Jahren. Aber wie ich bereits sagte, kann Bequemlichkeit eine treibende Kraft sein. Mein Gelübde ist, dass ich sie nie die Oberhand gewinnen lassen werde.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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