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16/09/2014 13:48 CEST | Aktualisiert 16/11/2014 06:12 CET

Kinderlos: 8 Gründe, warum ich nicht Mutter werden will

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"Du verpasst etwas."

"Du wirst nie den Sinn des Lebens verstehen."

"Du wirst nie vollkommen sein."

"Du wirst es bereuen, wenn du alt bist."

"Du wirst deine Meinung ändern."

"Du wirst nie eine richtige Frau sein."

"Du wirst nie wirklich verstehen, was Liebe ist."

Ich habe diese Sätze schon oft gehört, weil ich mich entschlossen habe, kinderlos zu bleiben.

Ich habe viele Gründe (und sie gehen eigentlich niemanden etwas an). Trotzdem muss ich mich dauernd für meine Wahl rechtfertigen. Hier sind ein paar der Gründe:

1. Wirtschaft: Kinder sind teuer. Im August 2013 lagen die Kosten dafür, ein Kind 18 Jahre lang großzuziehen, bei durchschnittlich etwa 240.000 Euro. Die Geburt kostet in den USA zwischen 2.500 und 30.000 Euro. Ein Kind auf die Uni zu schicken, kostet zwischen 7.000 und 20.000 Euro pro Jahr. Ich brauche jetzt einen Drink, von diesen Zahlen wird mir schwindelig.

2. Logistik: Trotz sozialer und kultureller Fortschritte kümmern sich die Frauen doch noch meist allein um das Kind, besonders in den ersten Jahren. Ein Kind großzuziehen, bevor es zur Schule geht, ist mehr als ein Vollzeitjob. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, keine freie Zeit wegen guter Führung. Ich kann schon kaum mit erwachsenen Menschen umgehen, die Schlafmangel haben. Und erst recht nicht mit Kindern, die meine Hilfe brauchen. Bei. Jeder. Kleinen. Sache.

3. Umwelt: Es gibt geschätzte 153 Millionen Waisen auf der Welt. Warum noch ein hungriges Maul hinzufügen auf diesem überbevölkerten Planeten - nur, wegen eines egoistischen biologischen Pflichtgefühls, das ich nicht habe? Wenn überhaupt, würde ich adoptieren.

4. Körperlich: Mein Körper hat schon genug Traumata erlitten in den 35 Jahren, die ich auf der Welt herumgeschubst werde. Eine Post-traumatische Belastungsstörung durch einen Raubüberfall hat meine Nerven genug strapaziert.

Ich bin außerdem im Ausland aufgewachsen und nicht an die Zusatzstoffe und Konservierungsstoffe in amerikanischem Essen gewohnt. Wenn ich ein Kind bekäme, könnte ich mir organisches und sauberes Essen nicht leisten. Übrigens auch keine Krebserkrankung.

5. Emotional: Jeden Tag kämpfe ich mit meinem Trauma. Die Freiheit, nicht zu schlafen, wenn eine neue Schmerzwelle heranrollt, ist für mich ein Segen. Wenn es sein muss, schlafe ich auch mal zwölf Stunden ohne Pause. Das ist meine Rettung.

Ich arbeite von zu Hause und teile mir meine Zeit frei ein, eine ideale Situation. Wenn ich ein Kind habe, was passiert dann, wenn die Depression zuschlägt und ich nicht aufstehen kann? Oder ich eine Woche lang weine? Oder wenn ich Wutanfälle habe, bei denen ich völlig die Kontrolle verliere?

6. Sozial: Die Welt ist ziemlich kaputt. Es gibt Amokläufe an Schulen in diesem Land. Außerdem werden Frauen vergewaltigt und diese "Vergewaltigungskultur" durchdringt jeden Teil unserer Gesellschaft. Viele Kinder von heute werden wahrscheinlich Opfer oder Täter in der nicht allzu fernen Zukunft. Ich mache mir noch einen Drink.

#YesAllWomen

7. Kulturell:Ich habe Wurzeln in Amerika und in Sri Lanka . Die wichtigsten Jahre meiner Entwicklung habe ich außerhalb dieser Länder verbracht -- das ist ein Durcheinander der Identitäten, das ich auch heute noch meistern muss.

Ich werde immer als fremd gesehen, obwohl mein Pass amerikanisch ist. "Woher kommen Sie", ist meist die erste Frage, die ich höre. (In diesem Artikel geht es um die zweite.) Soll ich diese kulturelle Last etwa jemandem aufbürden, der keine Wahl hat?

8. Interessen: Ich interessiere mich einfach nicht für die ganzen Dinge, die mit Kindern und Geburt kommen: Vaginale Risse, Hämorrhoiden, Verstopfung, Wehen, Bindehautentzündung, Schleim, Erbrechen, Durchfall, Hintern abwischen, Schreianfälle in der Öffentlichkeit, Dorain Dauerschleife, die Trotzphase, Rebellion bei Teenagern, die eigene Identität aufgeben. Nein, danke.

"Aber Sezin, warum willst du nicht das klügste, schönste, talentierteste und besonderste Kind haben, das jemals geboren wurde? Warum?!"

Weil ich Schlaf liebe. Ich liebe es, meine Zeit selbst einzuteilen. Ich liebe Zeit für mich, zum Schreiben, zum Tagträumen. Ich liebe es, mich zu fast 100 Prozent organisch zu ernähren. Ich liebe Tattoos.

Ich liebe es, dass ich zwischen Projekten ein ganzes Wochenende tun kann, was ich will. Ich liebe meine Freiheit. Zwischen meiner kreativen Arbeit, ein Job, den ich liebe, und einem Ehemann, den ich vergöttere und der mir bei allem in diesem Artikel zustimmt, bin ich glücklich, gesund und so erfüllt, wie ich es noch nie im Leben war.

All das würde verschwinden, sobald ein Kind in meinem Familienalbum auftauchen würde. Denn das bringen Kinder nun mal mit sich. Ein kleines Wesen kommt auf die Welt und hängt vollkommen von dir ab, und nur von dir. Dein Universum schrumpft auf seine Größe und weitet sich nur, wenn seines es tut.

Ich bevorzuge den vollen Zugang zu dem großen Ganzen, wann ich will. Nicht nur in Momenten, wenn das Kind ein Nickerchen macht oder ich genug Zeit habe zu duschen und wann war eigentlich das letzte Mal, das ich gegessen habe? Ich habe Freunden mit ihren Kindern geholfen, ich weiß, wie das abläuft.

Warum muss ich meine Wahl dauernd rechtfertigen? Und warum wird mein Mann -- der die gleiche Wahl getroffen hat -- nie so öffentlich geächtet wie ich?

Deshalb brauchen wir Feminismus: Denn trotz unserer technologischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen scheint es im Leben einer Frau noch immer Pflicht zu sein, Kinder zu bekommen.

Hier ist meine Ansicht:

Ich glaube nicht, dass meine persönlichen Entscheidungen im Leben so wichtig sind, dass ich andere Menschen für weniger menschlich halten würde oder glaube, dass ihr Leben weniger erfüllt ist - nur, weil sie nicht die gleiche Wahl treffen.

Ich habe mich entschieden, kinderlos zu bleiben. Na und?

Ich muss kein Kind durch meine Vagina pressen, um eine echte Frau zu sein.

Ich brauche kein Kind, um bedingungslose Liebe und Opferbereitschaft zu erleben.

Ich brauche kein Kind, um glücklich zu sein.

Ich brauche ganz sicher kein Kind für die Zeit, wenn ich alt bin. Dafür gibt es Pflegeheime.

Und ich werde meine Meinung nicht ändern; ich habe sogar mehr als acht Gründe, kinderlos zu bleiben.

Anaïs Nin sagte: "Mutter zu sein ist eine Berufung wie jede andere. Sie sollte frei gewählt sein und keiner Frau aufgezwungen werden."

Genug mit der Verurteilung.

Kinderlose Menschen und Unterstützer, bitte erzählt doch auch eure Geschichten.

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