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03/01/2017 11:46 CET | Aktualisiert 04/01/2018 06:12 CET

Zucker: Die legale Droge

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Wir alle kennen es: Vom Familientreffen am Wochenende sind süße Leckereien gar nicht mehr wegzudenken. Ob Pide und Börek zur Hauptmahlzeit, die süßen Baklava als Nachtisch oder als Beigabe zum Tee: Zucker ist überall! (Foto: cihan)

Es ist die Sucht nach Süßem wie Kuchen, Eis und Schokolade: Ein Leben ohne Naschereien erscheint für die meisten Menschen mittlerweile undenkbar. Es hat schon fast Tradition: Zum Ramadanfest oder an Weihnachten kann es von süßen Speisen nicht genug geben.

Was aber würde passieren, wenn jeden Tag Weihnachten und Ramadan wäre? Nicht nur in Süßigkeiten ist Zucker enthalten, sondern auch in anderen Nahrungsmitteln wie Brot, Wurst, Ketchup oder Getränken. Auch zuckerreduzierte Nahrungsmittel bieten oftmals keine Alternative. In den Light-Produkten stecken stattdessen oftmals Süßmittel, die den Appetit wiederum noch stärker anregen.

Manche kennen es: Sie gehen in den Supermarkt und lesen oftmals auf Gummibärchentüten und Milchprodukten, es wäre kein Fett enthalten. Aber das sind bloß Täuschungsmanöver der Industrie, um vom eigentlichen Dickmacher Zucker abzulenken. Ob versteckt in Tütensuppen, Getränken oder Fertiggerichten: Um Zucker kommen wir im Alltag kaum herum.

Auch wer versucht, seinen Zuckerkonsum im Alltag einzuschränken, tappt dabei oftmals in diese versteckten Zuckerfallen. Die WHO hat nicht umsonst vor zehn Jahren die Definition des täglichen Bedarfs hinsichtlich des Zuckerkonsums auf 50 g pro Person beschränkt. Die Folgen der süßen Sucht sind bitter: Übergewicht, Karies, Diabetes.

20% der deutschen Kinder sind zu dick

Übergewicht wird zur größten Gesundheitsgefahr der Moderne. Dem Berliner Robert-Koch-Institut zufolge sind 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen zu dick. Jeder Fünfte ist adipös und rund 6 Millionen Menschen erkrankten an Diabetes. Auch 20 Prozent der deutschen Kinder sind zu dick. Dies ist besonders erschreckend, da Diabetes Typ 2 oftmals bereits in jüngeren Jahren diagnostiziert wird. Doch warum essen sich die Menschen so dick?

Zucker macht die Menschen krank und süchtig. Doch wie gefährlich ist diese weiße Droge wirklich? Eine medizinische Weisheit besagt: Die Dosis macht das Gift. Dies gilt natürlich auch für den Zucker. Zucker wirkt wie ein direktes Belohnungssystem, zum Teil sogar wie Drogen.

Der Mannheimer Suchtforscher und Pharmakologe Prof. Rainer Spanagel hat in einem Experiment mit Mäusen nachgewiesen, dass Zucker in löslicher Form einen suchtbildenden Charakter auf diese Mäuse ausübte. Die Tierchen mussten einen Schalter betätigen, um an das süße Gemisch zu gelangen. Manche Mäuse betätigten diesen Schalter bis zu 400-mal am Tag und zeigten nach 2 Wochen drastische Gewichtszunahmen.

Unterzuckerungsalarm löst Essenszwang aus

Zucker gelangt im Gegensatz zu den anderen komplexeren Kohlenhydraten direkt in den Darm und dann ins Blut. Die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin und dient als Schlüssel für die Aufnahme von Zucker in die Zellen. In mit Insulin überschwemmtem Blut sinkt der Zuckerspiegel wieder schnell ab und fällt unter den Anfangswert. Botenstoffe melden diese Unterzuckerung dem Gehirn. Daraufhin kehrt der Hunger zurück und wir essen erneut.

Am 26. Mai 2009 hielt Robert Lustig, Professor für klinische Pädiatrie an der University of San Franziscos, ein Experte für Hormonstörungen und Übergewicht bei Kindern, einen öffentlichen Vortrag mit dem Titel „Zucker: die bittere Wahrheit". Er erkannte schon früh, dass Zucker genauso giftig ist wie Alkohol, die Leber schädige und den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringe. Dass nicht unmittelbar Fett Ursache für das steigende Übergewicht der Bevölkerung war, wurde durch die Low-Fat-Bewegung bereits in den Achtzigern erkannt.

Weltweit hat sich der Zuckerkonsum innerhalb von nur 50 Jahren verdreifacht und zwar auf derzeit 165 Millionen Tonnen pro Jahr. Der Deutsche nimmt dabei 36 kg pro Kopf im Jahr zu sich. Das ist weit mehr als das, was von der WHO empfohlen wird.

WHO will Zuckerkonsum drastisch reduzieren

In einem Entwurf, den die UN-Organisation Anfang März 2014 in Genf vorgelegt hatte, will die WHO statt 12 Teelöffel (50 g Zucker pro Tag) Zucker nur noch 6 (25 g Zucker pro Tag) als Richtwert akzeptieren. Da Männer einen höheren Energieumsatz haben, sollen sie am Tag 30 g Zucker zu sich nehmen und Frauen 24 g.

Früher war die Richtlinie, dass Zucker nur 10% unseres täglichen Nahrungsbedarfs decken soll. Nach Auswertung von 9000 Studien möchte die WHO nun die Richtlinienwerte um die Hälfte senken und auf 5% reduzieren. Darin enthalten sind auch die versteckten Zucker sowie alle Mono- und Disaccharide. Der Zucker in Obst wird hingegen nicht auf den Wert angerechnet. Der Richtwert wäre allerdings sehr schnell und bereits durch ein Glas Apfelsaft am Tag erreicht. Ende März soll die Entscheidung der WHO offiziell fallen und veröffentlicht werden. Derzeit werden noch Expertenempfehlungen eingeholt.

Diabetes: Globale Bedrohung der Menschheit?

Übergewicht bringt eine Reihe von Krankheiten mit sich. Die wohl am häufigsten bekannte neu entstandene und immer rasanter steigende ist wohl der Diabetes. Derzeit sind in Deutschland rund 6 Millionen Menschen daran erkrankt.

Schätzungen der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2025 die Zahl der weltweit an Diabetes erkrankten Menschen von jetzt 250 Millionen um mehr als 50 Prozent auf etwa 380 Millionen ansteigen wird. Diabetes wurde deshalb von den Vereinten Nationen als erste nicht durch eine Infektion ausgelöste Erkrankung zu einer globalen Bedrohung der Menschheit erklärt.

Wie Studien zeigen, kann eine Lebensstilumstellung hin zu gesunder Ernährung und Sport die Wahrscheinlichkeit, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, um bis zu 58 Prozent verringern. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Menschen mit einem hohen Diabetesrisiko frühzeitig zu identifizieren. Wissenschaftler des DZD (deutsches Zentrum für Diabetes Forschung) haben daher den Deutschen Diabetes-Risiko-Test® (DRT) entwickelt. Er basiert auf den Daten der Potsdamer EPIC*-Studie, ist schnell und einfach durchzuführen sowie sehr aussagekräftig. Unter anderen werden Faktoren wie Alter, Ernährung, Bewegung, Rauchverhalten und Taillenumfang berücksichtigt.

Für Typ-1- und Typ-2-Diabetiker bieten viele Krankenkassen spezielle Diesease- Managment - Programme an, um die Versorgung der Patienten zu verbessern.

Diese Programme sehen vor, dass vierteljährlich Kontrolluntersuchungen stattfinden, wo der HbA1c- Wert und verschiedene andere Werte bestimmt und mit dem Patienten besprochen werden, um bei Bedarf die Therapie anzupassen.

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