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19/01/2017 12:04 CET | Aktualisiert 20/01/2018 06:12 CET

Endlich: Nigeria verbietet Genitalverstümmelung an Frauen und Mädchen

Siegfried Modola / Reuters

Es ist ein historischer Moment: Die nigerianische Regierung hat die grausame Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung nun im ganzen Land unter Strafe gestellt. Internationale Beobachter hoffen auf Vorbildwirkung auf weitere Länder.

Nach einem Bericht der UNO aus dem Jahr 2014 ist ein Viertel der weiblichen Bevölkerung Nigerias von der Genitalverstümmelung direkt betroffen - eine gesundheitsgefährdende Praxis, die Unfruchtbarkeit, Tod im Wochenbett, Infektionen und nicht zuletzt den Verlust der sexuellen Lust zur Folge haben kann.

Hoffen auf Aufklärung und Vorbildwirkung

NGOs und internationale Beobachter begrüßen das neue Gesetz natürlich, merken aber gleichzeitig an, dass auch an einer Einstellung der Bevölkerung zum grausamen Brauchtum gearbeitet werden müsse, um diese langfristig zu bekämpfen. Denn gerade in den ländlichen Gebieten würde es vor allem an Aufklärung fehlen. Als einer der einflüssreichsten Staaten des afrikanischen Kontinents ist die Hoffnung nichtsdestotrotz groß, dass andere Länder Nigeria in seiner Entscheidung folgen.

Mary Wandia von der Organisation Equality Now: "Mit seiner riesigen Bevölkerungszahl ist Nigeria ein wichtiger Faktor im Kampf um Frauenrechte. Aber wir hoffen auch, das andere afrikanische Länder wie unter anderem Liberien, Sudan und Mali nachziehen und allen Mädchen ein grundsätzliches Maß an Sicherheit bieten."

Über Genitalverstümmelung:

Weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female genital mutilation/cutting, FGM/C) bezeichnet alle Prozeduren die eine teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren weiblichen Genitalien aus nicht-medizinischen Zwecken beinhalten.

Nach dem jüngsten UNICEF-Bericht sind davon mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen in über 30 Ländern auf drei Kontinenten betroffen.

FGM soll, einer gewalttätigen Tradition folgend, den Familien des betroffenen Mädchens Ehre bringen oder seine eigene zukünftige Hochzeit sichern, in manchen Gebieten wird sie auch religiös begründet, wobei keine religiöse Schrift das Thema aufgreift.

Der Kampf gegen Genitalverstümmelung ist ein Kampf gegen uralte Sitten, die so mächtig sind, dass Familien trotz der hohen medizinischen Risiken und der Lebensgefahr ihre Töchter beschneiden lassen, um den Ruf der Familie nicht zu gefährden.

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