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21/04/2016 15:39 CEST | Aktualisiert 22/04/2017 07:12 CEST

So lief der Tag mit Chefredakteur Peter Maffay

HuffPost

Eins war sofort klar: Dieser Mann nimmt seine Aufgabe ernst. Peter Maffay war heute für einen Tag Chefredakteur der Huffington Post - und schon wenige Minuten nach seiner Ankunft ging es richtig los.

Per Videoschalte interviewte er Kanzleramtsminister Peter Altmaier. Und aus vereinbarten 20 Minuten wurde eine Dreiviertelstunde - mit spannenden Einsichten.

"Wenn sich die Flüchtlingszahlen im erwartbaren Rahmen bewegen, werden wir bis Jahresende alle offenen Asylanträge bearbeitet haben", sagte Altmaier im Gespräch mit Maffay. Seit Januar habe das BAMF 50.000 Anträge pro Monat bearbeitet.

Diese Zahl hatte die Bundesregierung bislang noch nicht kommuniziert.

Nach einer kurzen Pause und einer Cola light ging es weiter: Redaktionskonferenz.

"Wie läuft das hier?", fragte Maffay. Und schon waren wir mittendrin. "Wir müssen uns den dramatischen Rechtsruck in Deutschland noch viel genauer anschauen", sagte Maffay. Das Thema treibt ihn um.

maffay matthes jobatey

In seinem HuffPost-Blog schrieb er deshalb auch: "Hitler und der Zweite Weltkrieg sind nicht lange her. Aber wir haben nicht genug gelernt. Heute wird wieder kräftig an der Hass-Schraube gedreht. Und Tausende fahren darauf ab. Wir sind nicht wirklich weiter gekommen als wir es damals waren."

Aber was tun? "Die wahren Probleme erkennen", findet Maffay. Über Lösungen der Krise sprechen. Aber auch über die Grenzen der Belastbarkeit.

"Wir dürfen hier nicht eine ganze Generationen von jungen Menschen vergessen"

Zu den dringendsten Aufgaben in der Flüchtlingskrise gehöre seiner Meinung, den vielen traumatisierten Kindern zu helfen, die gerade in unser Land kommen. Darüber werde viel zu wenig gesprochen. "Wir dürfen hier nicht eine ganze Generationen von jungen Menschen vergessen", sagt er. Das Ergebnis wäre eine "traumatisierte Generation".

Das Thema wurde daher Kern unserer heutigen Arbeit: Wir haben beschrieben, was mit Flüchtlingskidern passiert, denen nicht geholfen wird. Aber auch, welche Projekte ihnen wirklich helfen.

Wir haben Therapeuten gefragt, was geschieht, wenn traumatisierte Kinder nicht behandelt werden.

Und ein Fotograf beschrieb mit eindrücklichen Bildern, wie er den Alltag der Flüchtlingskinder in Idomeni erlebt hat.

In der Themenrunde kam Maffay immer wieder auch auf die Verantwortung der Medien zu sprechen. Schönfärberei sei nicht gefragt.

huffpost mit maffay

Aber je mehr Medien über positive Beispiele und Erfolgsgeschichten berichten, desto mehr würden andere Menschen dazu animiert, diesen Beispielen zu folgen.

Und dann sagte er: "Vielen ist nicht klar, dass die Macht der Sprache in Physik endet. Das Wort erzeugt irgendwann Taten. Die gesamte Propaganda basiert darauf. Das hat die Geschichte gezeigt."

"Worte führen am Ende zu Gewalt"

Damit meint Maffay auch die AfD, die angeblich friedlich sei, weil sie ja nur Dinge kritisiere. "Doch genau das führt am Ende zu Gewalt."

Beeindruckend waren auch die vielen Blogs zum Thema, die nach Maffays Aufruf in der Redaktion ankamen.

So erreichte uns ein bewegender Text des Kinderpsychiaters Christian Kienbacher, der in einem SOS-Kinderdorf in Wien traumatisierte Kinder behandelt.

Marina Burwitz schrieb über die Blogger-Schule. Hier lernen unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge in München nicht nur das Bloggen - sie lernen auch unsere Sprache und bekommen die Möglichkeit, ihre eigene Geschichten zu erzählen - und zu verarbeiten.

Ermutigt hat uns auch der Blog von Yvonne Draheim, die in ihrer Anwaltskanzlei einen Flüchtling einstellte, obwohl er kaum Deutsch sprach. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit Behörden ging die Geschichte gut aus. Die Kollegen schätzen den neuen Mitarbeiter und die Kanzlei hat sich entschieden, noch mehr Flüchtlingen zu helfen.

Es war ein anstrengender, spannender und vor allem inspirierender Tag. Herzlichen Dank allen Beteiligten - insbesondere unserem Chefredakteur Peter Maffay!

Und was Maffay selbst über den Tag sagt? Seht selbst:

Peter Maffays Tag als HuffPost-Chefredakteur

Für die Huffington Post Deutschland ist der 21. April ein besonderer Tag: Peter Maffay ist heute unser Chefredakteur. Er gibt Impulse, lässt Texte schreiben und führt Interviews.Ein Schwerpunkt sind die vielen traumatisierten Flüchtlingskinder, die seit Monaten zu Tausenden in Deutschland ankommen.

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