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16/02/2016 10:52 CET | Aktualisiert 16/02/2017 06:12 CET

Nein heißt Nein: Die HuffPost-Themenwoche widmet sich Gewalt gegen Frauen

Thinkstock

Nach den Übergriffen in Köln war der Aufschrei groß. Auf einmal interessierte sich das ganze Land für die alltäglichen schmierigen Kommentare, Belästigungen, Fummeleien oder Übergriffe, die viele Frauen in ihrem Alltag ertragen müssen.

Doch schon wenige Wochen später ist das Thema weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Die vielen engagierten Frauenrechtler von Anfang Januar sind verstummt. Viele haben das Thema nur kurz im Kampf gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik instrumentalisiert.

Doch für das eigentliche Problem, das nichts mit der Flüchtlingskrise zu tun hat, haben sich viele von ihnen nicht interessiert.

Gewalt gegen Frauen - in Familien, Beziehungen und Alltagssituationen - ist oft ein Tabu-Thema, über das sich viele Betroffene verständlicherweise nicht zu sprechen trauen. Deshalb ist vielen Menschen das tatsächliche Ausmaß des Problems nicht bewusst.

Wir wollen in den nächsten Tagen daher Opfer, Psychologen und andere Experten zu Wort kommen lassen, um das ganze Bild zu zeigen.

Schirmherrin dieser HuffPost-Aktion ist die Schauspielerin Simone Thomalla, die sich seit Jahren für Frauen einsetzt, die Gewalt erleben mussten.

Ich bin dabei, weil auch ich vor vielen Jahren in einem öffentlichen Verkehrsmittel einen Übergriff habe erleben müssen. Die Ohnmacht kann ich noch immer fühlen!

Und ich bin dabei, weil es falsch ist, dieses Thema immer öfter in Zusammenhang mit den Flüchtlingen zu nennen und damit eine große Gruppe von Männern pauschal zu verunglimpfen und als Gewalttäter zu stigmatisieren.

Und wir müssen uns fragen, was wir tun können, damit es nicht mehr zu Zahlen kommt, wie sie etwa die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte beklagt:

Demnach hat jede dritte Frau in Europa seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Das entspricht etwa 62 Millionen Frauen. 22 Prozent von ihnen haben bereits körperliche oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erlebt. Und eine von 20 Frauen ist seit ihrem 15. Lebensjahr schon einmal vergewaltigt worden, schreiben die EU-Experten.

All das hat übrigens verhältnismäßig wenig mit Flüchtlingen zu tun. Die Zahlen zeigen vielmehr, dass Gewalt gegen Frauen ein Problem unserer Gesellschaft ist. Ein Problem, das wir uns endlich vornehmen müssen.

Das wird die Huffington Post tun. Diese Woche werden wir das Problem mit Expertenartikeln, Interviews und vor allem vielen Berichten von Betroffenen von allen Seiten beleuchten.

Unser Ziel: Wir wollen die Frauen zu Wort kommen lassen, die sonst oft nicht gehört werden.

In einem bemerkenswert mutigen Blog berichtet eine Frau beispielsweise über ihre tägliche Angst. Mehrfache sexuelle Belästigungen und Übergriffe haben sie zu einem anderen Menschen gemacht. "Opfer sind der Gesellschaft egal", sagt sie. Was sie am meisten traf: Dass ihr niemand glaubte. Nicht einmal die Polizei.

In einem weiteren Gastbeitrag schreibt ein Opfer häuslicher Gewalt über den langen Weg zurück zum Vertrauen: Zurück zum Vertrauen zu anderen Männern. Und dem Vertrauen zu sich selbst. "Und diese Aufgabe steht uns erst dann bevor, wenn wir die ursprüngliche Krise bereits überwunden haben", schreibt sie.

Der Beitrag macht deutlich, wie wichtig nicht nur die Hilfe in bestehenden Gefahrensituationen - sondern auch die Begleitung der Opfer zurück ins Leben ist.

Aber es geht nicht nur um die krassen Fälle - sondern auch um den alltäglichen Sexismus, den Frauen erleben. Wie sich der anfühlt, schreiben uns 35 Frauen. Die Antwort anderer Männer - und Frauen darauf lautet mitunter nur: „Wenn du dich auch so anziehst...!"

Und nein, das ist kein Zitat aus den Fünfzigerjahren.

Vielleicht ist unser Land weniger modern als wir denken. Darüber müssen wir sprechen.

Schauspielerin Thomalla sagt dazu:

NEIN...sollte grundsätzlich ausreichend sein und ist es oft dann doch nicht! Physische und psychische Gewalt gegen Frauen ist immer und überall zu verurteilen.

An alle meine Mitfrauen: überlegt auch nicht eine Sekunde, ob ihr am Geschehenen mitschuldig seid, weil ihr euch vielleicht (zu) hübsch gemacht habt, einen Funken zu freundlich/unfreundlich wart oder nicht genügend Abstand/Anstand hattet.

Schuldig ist immer derjenige, der Gewalt ausübt. Diese "Männer" (weil sie keine sind, stehen sie bewusst in Anführungszeichen) verachte ich zutiefst!

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