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08/12/2013 16:44 CET | Aktualisiert 07/02/2014 06:12 CET

CDU: Aufstand der Jüngeren hilft Merkel

Es sind schmerzhafte Tage für Angela Merkel. Wenige Meter vor ihrem Ziel, nach Wochen zäher Verhandlungen, kurz bevor der Weg für die neue Koalition endlich frei ist, bricht in der CDU ein Richtungsstreit aus.

Es sind schmerzhafte Tage für Angela Merkel. Wenige Meter vor ihrem Ziel, nach Wochen zäher Verhandlungen, kurz bevor der Weg für die neue Koalition endlich frei ist, bricht in der CDU ein Richtungsstreit aus: Mehr als 50 christdemokratische Regierungsmitglieder und Abgeordnete haben in einer Art Manifest die inhaltliche Neuaufstellung ihrer Partei gefordert.

Bemerkenswert daran ist nicht nur der Aufschrei aus der Partei selbst, die Bundeskanzlerin Angela Merkel so gut unter Kontrolle glaubte. Mindestens so interessant ist, dass keiner der Unterzeichner älter als 44 Jahre ist. Und das sind gute Nachrichten. Vor allem für Merkel selbst.

Zunächst wirkt es, als käme der Konflikt zur Unzeit. Doch dieser Aufschrei der Jüngeren war überfällig. Er artikuliert ein diffuses, ungutes Gefühl, das Abertausende in den vergangenen Wochen der nicht enden wollenden Koalitionsverhandlungen immer wieder hatten. Das Gefühl, dass dort in Berlin ein paar ältere Damen und Herren am Tisch sitzen und bei Kartoffelsuppe und Konferenzgebäck weit reichende Entscheidungen treffen, für deren Kosten sie selbst nicht mehr einstehen müssen.

Jüngere glauben nicht mehr an die Rente

Beispiel Rentenpolitik. Jeder Achtklässler weiß, dass wir Deutschen älter werden und dass damit immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssen. Das ist grundsätzlich in Ordnung, weil theoretisch einmal jeder davon profitieren wird. Viele Menschen unter 35 aber glauben nicht mehr, nennenswert etwas von der staatlichen Rente erwarten zu können. Dennoch will die Große Koalition in Ausnahmefällen das Renteneintrittsalter senken. Das Gegenteil wäre nachhaltig. Denn die Maßnahmen kosten Milliarden und vernichten Jobs, warnen die Ökonomen der OECD.

Beispiel Schulden. Schon heute ist Deutschland mit über 80 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet. Anstatt hier mutige Schritte zu versuchen, will die Koalition in der nächsten Legislaturperiode 23 Milliarden Euro mehr ausgeben. Weitere 20 Milliarden könnten zudem die Renten-Wohltaten kosten. Und das in einer Zeit, in der Deutschland so viele Steuern einnimmt wie noch nie. Auch hier könnte etwas aus dem Lot geraten.

Und die Liste ließe sich fortsetzen. Sei es in der Klimapolitik, der Bildungspolitik oder der zentralen Frage, wie sich die Energiewende auf ein solides Fundament stellen ließe.

Immer zeigt sich das selbe Muster: Kein Mut, die Themen bis weit in die Zukunft zu denken, kurz: zu wenig Gestaltungswille. Stattdessen falsch verstandene Fürsorge zu Lasten einer offenbar vergessenen, jungen Generation, die fundamental andere Interessen hat. Nur leider keine Lobby.

Mindestlohn und Rente mit 63 können nicht die Antwort sein

Die Politik erreicht die Jüngeren damit immer weniger. Denn diese Generation hat völlig andere Themen. Junge Eltern fragen sich immer noch, wo sie ihre Kindern unterbringen sollen, wenn sie ihren Job nicht aufgeben wollen. Sie fragen sich, wer ihre Rente zahlt, wenn die öffentlichen Systeme jetzt geschröpft werden und zugleich die Zinsen gen Null taumeln. Sie fragen sich, wie eine Welt für ihre Kinder aussehen soll, in der Klimapolitik nur noch in chlorgebleichten Hochglanzbroschüren existiert.

Und sie fragen sich, mit was Deutschlands Wirtschaft künftig stark sein will. Vieles von dem, was unsere Wirtschaft antreibt, steht vor enormen Veränderungen. Die Elektromobilität bringt neue Spieler auf den Markt, der Trend zum 3-D-Druck wird die gesamte Industrie verändern und die digitale Vernetzung durchdringt längst die letzten Winkel unseres Alltags. In vielen dieser Felder kommen die besten Absätze aus anderen Ländern.

Wie auch immer: Mindestlohn und Rente mit 63 sind jedenfalls keine geeigneten Antworten auf die Fragen.

Merkel muss für den unbequemen Vorstoß dankbar sein

Eine Gesellschaft, in der ein Großteil der Menschen den größten Teil ihres Lebens hinter sich hat, ist permanent in Gefahr, in einem festen Gerüst aus Regeln, Hilfsleistungen und kurzfristigen Wohltaten zu erstarren.

Diesen Geist atmet der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD.

Insofern kann Merkel für den unbequemen Vorstoß der Jüngeren dankbar sein. Wenn sie auf diese Kritik eingeht, hat sie die Chance, die jüngere Generation bei der nächsten Wahl erneut für sich zu gewinnen. Wenn nicht, könnte die CDU für Abertausende Menschen an Bedeutung verlieren.

Merkel sollte nun das tun, was sie besonders gut kann: Aufmerksam zuhören.